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Stadtcenter-Manager Daniel Böttke: „Es fehlt an Machern“

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Den Blick auf die Stadt Düren hat Center-Manager Daniel Böttke auch im Büro. An der Wand hängt die Düren-Fahne (im Hintergrund), die seit kurzem im Bürgerbüro angeboten wird. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Im Dezember macht der Dürener Handel rund 30 Prozent seines gesamtes Jahresumsatzes. Die Vorweihnachtszeit ist also enorm wichtig. Wie ist es um die Geschäftswelt bestellt, was fehlt, wie hoch ist der Druck durch das Internet, was können die Händler vor Ort verbessern, wie sollte sich die ganze Stadt verändern?

„Es fehlt an Machern“, sagt Daniel Böttke, Manager des Stadtcenters, im Interview mit DN-Redakteur Ingo Latotzki.

Die Innenstadt von Düren ist weihnachtlich geschmückt, das Stadtcenter mit seinen mehr als 50 Geschäften auch, für den Handel läuft der wichtigste Verkaufsmonat. Welche Erwartungen haben Sie?

Daniel Böttke: Wir haben hohe Erwartungen, weil wir ein schwieriges Quartal hinter uns haben. Es war zu warm, und deshalb sind die Lager voll. So ist zu erklären, warum die Geschäfte schon jetzt Rabatte geben, teilweise mehr als 50 Prozent. Der Handel muss einiges aufholen.

Die weihnachtliche Dekoration in der City, an der mehr Geschäfte und Immobilieneigentümer als sonst finanziell beteiligt sind, wird allgemein gelobt. Was bewirkt dieses Engagement?

Böttke: Ich kann mich dem Lob anschließen, das ist sehr gelungen. Es ist ganz wichtig, dass auf so einem zentralen Platz wie dem Markt jetzt auch mal ein Tannenbaum steht, der hat da immer gefehlt. Man kann noch einiges optimieren. Im kommenden Jahr gibt es vielleicht Leuchtskulpturen, wie wir sie schon von „Düren leuchtet“ kennen. So etwas gibt es auch für die Weihnachtszeit. Man sieht, was zu erreichen ist, wenn man zusammenrückt und auch dem „Ich“ ein „Wir“ macht und kleinere und größere Geschäfte zusammenarbeiten. Im Moment haben wir ein großes stimmiges Ganzes.

Kommen dadurch mehr Kunden?

Böttke: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Das heißt: Wir müssen uns so attraktiv wie möglich machen. Erlebnishunger kann nur in der Innenstadt gestillt werden. Ich habe immer mit dem Zeigefinger nach Aachen und Mönchengladbach gezeigt. Beide Orte haben mit ihren neuen Shoppingcentern „Aquis Plaza“ und „Minto“ ein richtiges Pfund. Aachen soll allein ein Eröffnungsbudget von 1,5 Millionen Euro haben. Die werden Werbung ganz massiv auch in unserem Raum machen.

Was kann man dagegen machen?

Böttke: Noch mehr zusammenrücken. Brust raus, Bauch rein. Wir müssen Selbstbewusstsein demonstrieren, weil wir nach wie vor eine gesunde Handelslandschaft haben. Wir brauchen keine Grabenkämpfe zwischen Klein und Groß wie früher, sondern gute Konzepte, die die Stadt nachhaltig nach vorne bringen.

Was können das für Konzepte sein? Mehr und besseres Marketing?

Böttke: Auf jeden Fall. Wir machen zum Beispiel Werbung im Feriendorf Heimbach. Dort haben wir im Sommer 5000 Flyer verteilt, von denen die meisten schon weg sind. Wir überlegen, ob wir gemeinsam den Weihnachtsflyer in so eine Richtung entwickeln sollen. Wir müssen uns nach außen besser verkaufen. Nicht jeder wird das Center in Aachen mögen. Viele werden auch erkennen, dass das, was sie vor der Haustür haben, gar nicht so schlecht ist.

Düren kann aber nur bestehen, wenn das Angebot stimmt. Was fehlt in der Innenstadt?

Böttke: Eine Frage ist tatsächlich, was in Düren fehlt. Eine andere Frage aber ist: Was ist realistisch für Düren? Manche großen Marken wie Hollister oder Primark werden wir in Düren nie sehen. Dazu ist die Stadt zu klein und die Kaufkraft zu gering. Auch da zählt Gemeinsamkeit: Mietanfragen, die wir vom Center aus nicht bedienen können, geben wir an die Innenstadt weiter.

Die Kaufkraft ist in Düren unterdurchschnittlich und in diesem Jahr noch mal gesunken. Wie ist das zu erklären?

Böttke: Düren hat nur noch 88.800 Einwohner. Wir verlieren vor allem junge Leute. Das geben Zahlen der IHK her. Das Publikum, das Düren im Moment anzieht, ist das Falsche. Das muss man ganz klar sagen. Wir brauchen eine andere Sozialstruktur. Düren hat nun einen Masterplan, der auch dafür sorgen soll, dass kaufkräftigeres Publikum angezogen wird. Immerhin haben wir noch eine hohe Zentralität, das heißt: Es gelingt immer noch, Kunden aus dem Umland nach Düren zu ziehen. Mal schauen, was wir noch anziehen, wenn in einem Jahr das Center in Aachen geöffnet hat.

Wie kann es gelingen, junge Menschen anzulocken?

Böttke: Düren muss eine Perspektive bieten, zum Beispiel im Ausbildungssektor. Wir haben eine gute Industriestruktur in der Stadt, die aber auch schon unter einem Fachkräftemangel leidet. Was fehlt, ist ein kleiner Campus. Wir haben genug brachliegende Industriefläche, etwa für Studentenwohnungen. In Aachen und Köln herrscht ein Mangel, da könnte Düren Wohnraum anbieten, zumal die Anbindung nach Köln und Aachen mit dem Zug sehr gut ist. Wir spielen diese Vorteile aber nicht aus.

Warum nicht? Geht es nicht schnell genug? Das Thema „Studentenwohnungen“ ist schon lange akut.

Böttke: Oft werden Dinge zerredet, statt den ersten Stein in die Erde zu bringen. Ob es tatsächlich gelingen würde, im jetzigen Zustand von Düren viele Studenten zu locken, lasse ich mal außen vor. Düren hat nach wie vor ein Imageproblem. Sollte es uns aber gelingen, ist das wie beim Domino. Dann zieht das Vieles nach sich. Dann wird sich eine Kneipenkultur entwickeln, dann kommt mehr Leben in die Stadt, Geschäfte profitieren, und, und, und. Der Masterplan bietet Ansätze dafür. Man muss aber bedenken, dass viele private Investitionen benötigt werden, um weite Teile des Planes umzusetzen.

Wir haben nun über jüngere Menschen gesprochen. Was aber ist mit den Älteren? Oft ein kauf- und konsumkräftiges Publikum. Bietet Düren für diese Klasse genug?

Böttke: Daran muss definitiv auch gearbeitet werden. Wir reden viel über hochwertiges Wohnen in der Stadt, sollten uns aber erst einmal intensiv um die Kernthemen „Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit“ kümmern. Die interessieren vor allem ältere Menschen und sind eine Grundvoraussetzung dafür, sich in der Stadt wohl zu fühlen. Ein Anfang ist mit den zusätzlichen Sicherheitskräften, die die Stadt eingestellt hat, gemacht.

Welche Zukunft haben Geschäfte vor Ort im Hinblick auf den immer stärker werdenden Online-Handel?

Böttke: Es ist die große Kunst, die Online-Kunden wieder zurück in die City zu holen. In der Tat haben schon viele Innenstädte verloren, manche sind tot. Das betrifft die kleineren Städte, schauen Sie nach Eschweiler oder Stolberg. Wir werden den Wandle der Zeit nicht stoppen können. Aber wer an einer lebendigen City interessiert ist, kann seinen Teil dazu beitragen und sein Kaufverhalten entsprechend ausrichten. Wenn ich mir das „Aquis Plaza“ anschaue, sehe ich einen gewaltigen Ansatz in Richtung Erlebniseinkauf. Richtung Qualität. Da gibt es Fassaden mit Pflanzen oder mit Leder verkleidet. Wir müssen die Sinne ansprechen.

Wie viel Zeit hat Düren? Es wird ja immer angeführt, die Sozialstruktur müsse verändert werden, hin zu einem kaufkräftigeren Publikum. So etwas dauert doch Jahre.

Böttke: Sicher hat Düren in dieser Hinsicht keine zehn Jahre Zeit. Aber wir müssen trotzdem mit Bedacht handeln und möglichst ein Wir-Gefühl schaffen. Sämtliche Kompetenz muss genutzt werden.

Welche Rolle spielt die Politik? Im Masterplan wird gefordert, während des Wochenmarktes mehr Platz für die Außengastronomie zu schaffen. Die Politik müsste entscheiden und den erwartbaren Protest der Markthändler aushalten.

Böttke: Es fehlt in unserer Stadt sicherlich an Machern. Wir lassen uns sehr die Regeln von außen aufdrücken. Wir haben mit dem Masterplan sozusagen eine Bibel daliegen, die Frage ist nun, wer sie umsetzt. Nehmen wir den Weihnachtsmarkt. Der Begriff gibt schon vor, wo der hingehört: auf den Markt. Mitten ins Zentrum. Und über diesen überschaubaren Zeitraum sollte es doch gelingen, die Wochenmarkthändler vor dem Rathaus anzusiedeln. Wir reden über 100 Meter. In der Realität aber sieht es so aus: Der Marktbeschicker kommt, macht sein Kreuz breit und die Politik kippt um. Ich sage mal in Anspielung auf die derzeit in Düren herrschenden Mehrheitsverhältnisse: Ohne Ampel läuft der Verkehr deutlich flüssiger. Es wird viel geredet und nichts passiert. Düren hat nicht so viel Zeit.

Hand aufs Herz: Kaufen Sie alle Ihre Dinge in Düren ein?

Böttke: 90 Prozent. Nur was es nicht gibt, meist markenabhängige Güter, kaufe ich woanders. Ich gebe zu: ich genieße es ab und an, nach Köln zu fahren. Machen wir uns nichts vor. Dort ist die Auswahl größer, dort gibt es auch einen schönen Weihnachtsmarkt und andere Anreize. Aber das allermeiste gibt es in Düren – und das kaufe ich auch in Düren ein.

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