Stadtbücherei Düren: Vorlesepaten tragen Briefe von der Front vor

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
8805785.jpg
Berührend und erschütternd: In der Lesung „Feldpostbriefe – Nachrichten von der Front“ trugen die Vorlesepaten (hier Siegfried Bushuven) aus Zeitzeugnissen des ersten Weltkriegs vor. Foto: Andreas Bongartz

Düren. Am Anfang war die Euphorie, doch die Kriegsbegeisterung wich bald der Ernüchterung, ja wurde zur Verzweiflung: „Wie bist du so grausam, du harter Krieg?“, fragt etwa der Dürener Heimatdichter Josef Schregel in seinem Gedicht „Drei Kinderworte“, das auf eindringliche Weise davon berichtet, wie ein französischer und deutscher Familienvater unglücklich zu Tode kommen.

Es ist eines von vielen Dokumenten, die Zeugnis geben über Ohnmacht und Schrecken, die der Erste Weltkrieg auslöste. Solche Gedichte, Briefe, Balladen und Berichte deutscher Soldaten wurden im Rahmen einer Lesung in der Dürener Stadtbücherei vorgetragen.

„Feldpostbriefe – Nachrichten von der Front“ lautete der Titel der Veranstaltung, die im Rahmen des Themenprogramms „Hundert Jahre Großer Krieg“ stattfand und zu der die Stadtbücherei mit Unterstützung des Stadtmuseums sowie des Stadtarchivs eingeladen hatte. So stammen alle Texte, aus denen vorgetragen wurde, aus dem Archiv der Stadt Düren.

Der Dank von Bücherei-Leiterin Alexandra Oidtmann gebührte somit Helmut Krebs, der zahlreiche Zeitdokumente ausfindig machen konnte. Und zwar so viele, dass es locker für zwei Lesungen reichen würde. „Wir waren ein halbes Jahr mit der Sichtung der Dokumente beschäftigt“, so Oidtmann. Auch Bernd Hahne vom Stadtmuseum war an der aufwändigen Recherche beteiligt und versuchte schlecht erhaltene Schriftstücke zu trans-kribieren.

Die bei der Lesung präsentierten Texte spiegeln die Stimmung bei Bevölkerung und Soldaten wider und wie sich diese im Laufe des Ersten Weltkriegs änderte. Von „deutschen Eichen“ ist da zu Beginn des Krieges noch die Rede, wenn ein verklärender Hurra-Patriotismus dem Krieg Romantik und Heldentum andichten möchte. Erste Ernüchterung macht sich dann schnell in den Briefen der Soldaten breit, die feststellen müssen, das ihr Leben in Schlamm und Schmutz wenig Glorreiches oder Heldenhaftes mit sich bringt.

Die Berichte von der Front geben schließlich das ungeschminkte Grauen und die Brutalität des Krieges wieder: Blutige Leichen, zerfetzte Körper, Lazarette als Hölle auf Erden – das Blut der Opfer, die der Krieg forderte, trieft hier buchstäblich aus den Schilderungen.

Vorgetragen wurden die mal berührenden, mal erschütternden Zeitzeugnisse von den Vorlesepaten der Stadtbücherei. Christine Aschauer, Angelika Surma, Dr. Hanne Vogt, Harald Lorberg, Dr. Siegfried Bushuven und Horst Roos wechselten sich hierbei ab. Musikalische Unterstützung gab es für die Vorleser dabei von Marco Finster an der Gitarre und Eckbert Radunz an der Geige.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert