Stadt klagt gegen den Indener See

Von: Ingo Latotzki
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Düren. Hans Wabbel beginnt mit einer kleinen Spitzfindigkeit: „Vor Gericht”, sagt der Baudezernent der Stadt Düren, „vor Gericht kämpfen wir mit dem Florett. In der Öffentlichkeit nehmen wir die Kettensäge.” Natürlich ist der zweite Teil des Satzes als Scherz gemeint - auch wenn es um eine ernste Angelegenheit geht: Die Stadt Düren hat vor dem Verfassungsgerichtshof des Landes NRW in Münster eine Verfassungsbeschwerde gegen den Indener See eingelegt.

Als Hans Wabbel am Freitag Hintergründe des Verfahrens erläutert, liegt eine 95-seitige Klageschrift vor ihm. Darin werde genau erklärt, was die Stadt dagegen hat, wenn das Indener Tagebauloch eines Tages nicht mit Erde, sondern mit Wasser gefüllt wird.

Die Entscheidung für einen See hat der Braunkohleausschuss im Dezember 2008 gefällt. Schon damals hat die Stadt Düren mehrfach darauf hingewiesen, nicht einverstanden zu sein.

„Ein See würde die Entwicklung der Stadt Düren erheblich beeinträchtigen”, sagt Baudezernent Wabbel. Die Verwaltung halte nichts davon, aus dem Areal ein Freizeitparadies mit großen Touristenströmen zu machen. Genau diesen Plan verfolgt Landrat Wolfgang Spelthahn, der sich nicht nur Besucher, sondern auch Arbeitsplätze verspricht. „Teilzeitjobs”, sagt Hans Wabbel.

Man solle den künftigen Generationen überlassen, wie sie das Gebiet gestalten wollen. „Die sollen alle Optionen haben”, sagt Wabbel. Ob die Klage der Stadt indes auf fruchtbaren Boden fällt, bleibt abzuwarten. Düren ist von der Entwicklung durch den Stadtteil Merken betroffen, der bis auf wenige hundert Meter an das Tagebauloch heranreichen wird. Vor Ort kämpft seit Langem die Interessengemeinschaft „Für ein lebenswertes Merken” gegen den See. Deren Sprecher, Horst Knapp, begrüßt denn auch, dass die Stadt rechtliche Schritte einleitet.

Als der Braunkohleausschuss vor knapp zwei Jahren für einen See entschied, hob er einen Beschluss von 1989 auf. Damals war festgelegt worden, das Loch mit Erde aus dem Tagebau Hambach zu füllen.

Laut Landesplanungsgesetz darf ein solcher Beschluss nur geändert werden, wenn sich so genannte Grundannahmen ändern. Das wäre der Fall, wenn aus Braunkohle kein Strom mehr gewonnen würde, erläutert Dezernent Wabbel beispielhaft. „Aus unserer Sicht hat sich keine Grundannahme geändert. Deshalb ist die Entscheidung von 2008 nicht haltbar.”

Wabbel rechnet für das kommende Jahr mit einer „Tendenz”, ob der städtischen Beschwerde stattgegeben wird. Damit die Kosten für das Verfahren beglichen werden können, hat das Rathaus 30.000 Euro in den Haushalt eingerechnet.

So groß wie der Tegernsee

Der Indener See soll so groß wie der Tegernsee werden - zirka 1600 Hektar. Bis 2060 wird bis das Loch mit Wasser aus der Rur gefüllt. Aber schon Jahre vorher soll das Gelände touristisch genutzt werden. Auch das Hambacher Loch wird ein See - nach dem Bodensee das zweitgrößte Gewässer Deutschlands.

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