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Staatsanwalt klagt Rathaus-Mitarbeiter wegen Untreue an

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:

Düren. Mehrere Jahre lang hat die Staatsanwaltschaft Untersuchungen angestellt, vergangenen Freitag wurde Anklage erhoben.

Der Vorwurf: Im Dürener Rathaus soll ein 53 Jahre alter Mitarbeiter sich der Untreue und Handwerker sich der Beihilfe zur Untreue schuldig gemacht haben.

Wie Oberstaatsanwalt Robert Deller am Montag mitteilte, soll der Mann zwischen 2003 und 2006 Aufträge, die eigentlich hätten ausgeschrieben werden müssen, aufgestückelt haben. In der aufgeteilten Form hätten sie dann nicht mehr den Richtlinien entsprochen. Die Arbeitsaufträge habe der Mann einzeln an Firmen der Baubranche vergeben, dies unter bewusster Umgehung von Ausschreibungen.

Die Staatsanwaltschaft wurde Anfang 2007 vom Rechnungsprüfungsamt der Stadtverwaltung eingeschaltet. Der jetzt angeklagte Mitarbeiter sei für bestimmte städtische Liegenschaften allein verantwortlich gewesen, erklärte Deller. Und weiter: Die Handwerker hätten gewusst, was da gedreht wurde, dass nämlich Vergaberichtlinien umgangen wurden. Ihnen seien auffallend häufig in kurzer Zeit mehrere „Pauschalaufträge für Arbeiten am selben Objekt” zugewiesen worden.

Gegen mehrere Handwerker sei deshalb ebenfalls Anklage erhoben worden. In nahezu allen Fällen seien „deutlich über dem Pauschalpreis liegende Rechnungen” ausgestellt worden.

Wegen des sachlichen Zusammenhangs der Aufträge sei damals deutlich gewesen, dass es sich eigentlich um einen einheitlichen Auftrag gehandelt habe. Genau das bestreitet ein Maurermeister, der bereits zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt wurde, gegen das Urteil aber Berufung eingelegt hat. Er meinte im Gespräch mit den „Nachrichten”, er fühle sich vor den Kopf gestoßen.

Immer mal wieder habe er bis 2006 von der Stadt Aufträge bekommen, habe mal eine Wand rausschlagen, eine Türe zumauern oder durchbrechen müssen, Abbrucharbeiten und Abdichtungen aller Art in Gebäuden und auf Schulhöfen erledigt. „Dafür, dass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit für die auf der Matte stand, bekomme ich jetzt einen Strafbefehl”, empörte sich der Mann.

Von der Anklageerhebung wusste man im Rathaus am Montag vormittag noch nichts. „Etwas seltsam” nannte es Pressesprecher Helmut Göddertz auf Anfrage, „dass wir von der Presse über die Sache informiert werden”. Gleichwohl sei im Rathaus in der Angelegenheit bereits ein Mitarbeiter entlassen worden. Dieser klage allerdings gegen seine Entlassung. Ein anderer Mitarbeiter sei seit geraumer Zeit vom Dienst suspendiert.

Mit den damaligen Vorgängen und mit der Frage, ob ein gerichtliches Hauptverfahren gegen den Verwaltungsangestellten der Stadt Düren eröffnet wird, muss sich jetzt das Amtsgericht in Düren befassen. Wenn die Anklage der Staatsanwaltschaft zugelassen wird, werde es bis zur Verhandlung noch mehrere Monate dauern, teilte Deller mit.
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