Spiele täuschen tolle Welt vor

Von: Margret Vallot
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Wilfried Pallenberg und Andreas Schön (v.l.). Foto: Margret Vallot

Düren. Wenn man in Düren in einem Geschäft oder in einer Videothek wissen möchte, wieviele Computer-Spiele für Erwachsene im Monat denn so verkauft oder verliehen werden, stößt man auf eine Mauer des Schweigens. „Darüber geben wir keine Auskunft”, heißt es immer wieder.

Und auch andere Fragen zu den so genannten Killerspielen werden nicht beantwortet. Selbst die Frage, warum denn eigentlich nichts gesagt wird, bleibt unbeantwortet.

Hängt das mit der Amok-Tat von Winnenden zusammen? Auch dort sollen ja Shooter, also Spiele, bei denen es darauf ankommt, den Gegner durch Töten auszuschalten, eine Rolle gespielt haben.

In einer Videothek in Birkesdorf dreht ein junger Mann entnervt die Augen zum Himmel. Eine Verbindung von realitätsnah simuliertem Töten und wirklichem Töten hält er für absurd. „Das ist Quatsch, da müssten ja 20 Millionen Menschen in Deutschland schon längst gewalttätig geworden sein”, sagt er, möchte aber anonym bleiben. Für ihn ist klar: Weil die Erwachsenen die Probleme in den Schulen nicht in den Griff bekommen, müssten immer wieder die Spiele herhalten. „Ich möchte heute nicht in der Schule sein und dick sein”, bestimmte Kinder bekommen doch heute „jeden Tag einen vor den Latz”.

Bei der Drogenberatung in Düren geht Wilfried Pallenberg davon aus, dass mit den Spielen „das Gewalt-Ausüben zur totalen Gewohnheit wird”, und dass „Nachahmungszusammenhänge bestehen”. Attraktiv seien die Spiele, weil man in der Computer-Welt Karriere machen kann. Erfolge stellen sich ein, Anerkennung bekommt der Spieler reichlich, einen neuen Namen und eine neue Identität sowieso.

In der virtuellen Welt kann man sich schnell hochdienen, hoch und immer höher, und man bekommt Macht (im Spiel), kann in dieser Welt unter Umständen Eigentum erwerben, reich werden und stark. Und das werde um so wichtiger, „je erbärmlicher der Alltag ist”.

Eine Menge Suchtpotential sieht der Sozialpädagoge, „es zieht die Jugendlichen zwanghaft zum Computer”. Denn der bietet ihnen, was in der Pubertät reizvoll erscheint: Macht, Rebellion, sich absetzen von den Eltern, Geheimnisse.

Vor einem Jahr lud die Beratungsstelle in Düren zu einer Schwerpunkt-Woche ein. „Im Bann der virtuellen Welten” hieß es damals. Danach brach über die Mitarbeiter eine Welle von Anfragen herein. Schüler, Eltern, 15 Schulen baten um Vorträge, Hilfe und mehr Informationen.

Für viele Schüler ist es heute normal, täglich vier Stunden und länger vor dem Computer zu sitzen. Erst wenn die Jungen ihren Alltag nicht mehr geregelt bekommen, schrillen die Alarmglocken. „Und auch dann scheuen viele Eltern die Auseinandersetzung.”

Sozialpädagoge Andreas Schön, bei der Drogenberatung in der Prävention aktiv, weiß: 70 Prozent aller betroffenen Jugendlichen streiten nie mit ihren Eltern über Computerspiele. Die Eltern sollten aber hinschauen und sich einmischen, wenn das Zerstören und Töten zum Hobby der Kinder wird. Und falls nötig, Hilfe suchen bei der Drogenberatung in Düren, 10001.
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