„Spannungen“: Ein Strauß an Leckerbissen

Von: Pedro Obiera
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Heimbach. Ein vertrautes Bild vor der Kulisse des malerischen Rursees: Die Turmbläser künden den Konzertbeginn an, und der obligatorische, lautstark auf das Dach prasselnde Wolkenbruch setzt schon zum Eröffnungsabend des außergewöhnlichen Kammermusikfestivals „Spannungen“ im Jugendstilkraftwerk Heimbach ein.

 Mit fast 40 Solisten kann Lars Vogt, der künstlerische Leiter des vom Dürener Kunstförderverein erneut glänzend vorbereiteten Kult-Events, aus dem Vollen schöpfen. Damit lässt sich sogar eine große Symphonie wie die Vierte von Gustav Mahler zumindest in reduzierter Kammerbesetzung aufführen. Und selbst Musik für Marimbaphon und Saxophon findet Platz in den ausverkauften Konzerten.

Die Programmgestaltung ist so bunt wie eh und je seit der Gründung vor mittlerweile 16 Jahren. Allerdings zieht sich diesmal „Musik um 1900“ schwerpunktmäßig durch die Woche. Gipfelnd am Mittwochabend, an dem ausschließlich Musik erklingt, die im Kriegsjahr 1914 entstanden ist und ein interessantes Kaleidoskop der stilistischen Vielfalt der Zeit am Rand der ersten Jahrhundertkata-strophe vermittelt.

Der Eröffnungstag bot Lieder von Brahms und Wolf, denkbar Unterschiedliches von Alban Berg, Strawinsky, Dvoák und als exotischen Leckerbissen das filigrane Divertimento für Marimbaphon und Altsaxophon des Japaners Akira Yuyama. Mit der Sopranistin Christiane Oelze war eine prominente Interpretin für die abgeklärten „Gesänge für Singstimme, Bratsche und Klavier“ op. 91 von Brahms und eine Auswahl aus Hugo Wolfs „Italienischem Liederbuch“ vertreten.

Höhepunkt bildet Strawinsky

Die recht schwere Stimme eignete sich für die Brahms-Gesänge erheblich besser als für die klanglich leichter und filigraner gestrickten Miniaturen Wolfs. Zumal die Sängerin wie auch ihr Klavierpartner Lars Vogt bei Wolf die Grenze zwischen augenzwinkerndem Humor und überzogener Karikatur nicht immer einhielten.

Ein Highlight boten Sharon Kam (Klarinette), Elisabeth Kufferath (Violine) und Artur Pizarro (Klavier) mit einer kecken Interpretation einer Triofassung der Suite aus Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“. Zu hören war eine derart vitale, pointierte Darstellung, dass man nicht einmal die Rolle des Erzählers vermisste, die vor einigen Jahren in einer original besetzten Aufführung niemand Geringerer als Klaus Maria Brandauer übernommen hatte. Am Ende des Abends versprach Dvoáks Streichquintett op. 77 einen entspannten Abschluss. Darauf ließen sich jedoch die Primgeigerin Carolin Widmann und ihre Mitstreiter nicht ein. Man musizierte mit harten Bandagen und ließ Böhmische Folklore-Seligkeit in keinem Takt zu. Ein legitimer Ansatz. Allerdings driftete die Darstellung über weite Strecken in eine verbissene Hektik ab. Zum Glück nicht in dem wunderschön aufblühenden Andante.

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