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Spannende Ein- und Ausblicke beim „DN-Talk”

Von: Margret Vallot
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Engagiert: Pädagoge Wolfgang Mohren äußert sich aus dem Publikum heraus.

Düren. „Ein Armutszeugnis für unser Land”, nannte zum Schluss jemand die Schulen. Da ging es schon nicht mehr um die neue Gemeinschaftsschule, das dreigliedrige Schulsystem oder um die Frage, ob nun Kinder besser in acht oder in neun Jahren zum Abitur geführt werden.

Zum Schluss ging es um die Ausstattung der Dürener Schulen, und die scheint, gelinde gesagt, verbesserungswürdig zu sein. Besonders, was die Toiletten angeht.

Knapp 100 Pädagogen, Eltern und auch einige Schüler hatten sich zum von den „Nachrichten”-Journalisten Sandra Kinkel und Ingo Latotzki moderierten 2. DN-Talk in die Aula des Burgau-Gymnasiums begeben, um über Dürens Schulen zu diskutieren und was aus ihnen werden soll.

Bürgermeister Paul Larue war in seiner Funktion als Schuldezernent gefragt, und vertrat mehrfach die Meinung, in Düren könne man „mit dem äußerst differenzierten Angebot” hochzufrieden sein. Nicht hinsichtlich der Schulen, schon eher bei der vorschulischen Sprachförderung gebe es Versäumnisse.

Auf dem Podium war man sich einig: Dass soziale Verhältnisse über Bildungschancen entscheiden, ist ein Skandal und nicht hinnehmbar. Ist aber die jüngst ins Gespräch gebrachte Gemeinschaftsschule die Lösung des Problems?

Dagmar Nietan, schulpolitische Sprecherin der Dürener SPD, hatte einen schweren Stand, als sie den Schulversuch der neuen rot/grünen Landesregierung als eine Möglichkeit für Düren darstellte. Ihre These, längeres gemeinsames Lernen in der Gemeinschaftsschule sei „nachweislich besser für starke, mittlere und schwache Schüler”, stieß im Publikum und auf dem Podium auf Widerspruch. Franz Holtz, Leiter des Rurtal-Gymnasiums kannte Studien, die das genaue Gegenteil ergaben.

Wie bei fast jeder schulpolitischen Diskussion prallten beim DN-Talk die Ansichten beim Thema dreigliedriges Schulsystem hart aufeinander. Aus dem Publikum kamen mehrfach interessante und pointierte Beiträge. Das machte die Diskussion spannend.

Thomas Floßdorf, Lehrer und Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, erhielt Beifall für seine Auffassung: Dass es nämlich nicht so sehr auf das Schulsystem ankomme, „sondern darauf, dass Bildung als ein Wert erkannt wird”. Floßdorf benannte schonungslos die Versäumnisse der Politik hinsichtlich der bildungsfernen Schichten, „die wir zu lange vernachlässigt haben”.

Ob nun G9 oder G8 besser sei, „das ist Gewöhnungssache”, erklärte Marc Buchna, Schülersprecher des Gymnasiums am Wirteltor. Er hatte übrigens beobachtet, dass er (Klasse 13) oft früher nach Hause gehen kann, als die Kinder aus den Klassen 6 und 7.

Werden sinkende Schülerzahlen nicht zwangsläufig Dürens Schullandschaft gewaltig verändern? „Gar nicht”, so Floßdorf, der mit einer Zahl überraschte. Düren werde in den nächsten sechs Jahren insgesamt nur 80 Schüler weniger haben als heute, „diese Kinder sind schließlich alle schon geboren”.

Deutet denn nicht alles darauf hin, dass die Existenz von Hauptschulen allein wegen Schülermangel gefährdet ist? Larue ließ sich in seiner Ansicht, die Hauptschulen seien wichtig und gut und würden auch in Zukunft ihre Schüler finden, nicht beirren. Auch nicht, als die beiden DN-Moderatoren ihn mit eindeutigen, sehr niedrigen Anmeldezahlen konfrontierten.

Nicht jede Frage wurde beantwortet, und manchmal Fakten in den Raum gestellt, die man gern dem berühmten Faktencheck von „Hart, aber fair” unterzogen hätte. Aber dass es in Düren eine Menge Leute gibt, denen die gute Entwicklung der Schulen sehr am Herzen liegt, war nicht zu übersehen. Eltern zum Beispiel, für die Peter Freyschmidt (Stiftisches Gymnasium) auf dem Podium Platz genommen hatte.

„Hausaufgabenbetreuung, Förderinitiativen und Schulcoaching - dafür müsste es mehr Geld geben”, sagte er. Und besonders für die digitale Ausstattung, „die mit Blick auf das Berufsleben vergleichsweise erbärmlich ist”. Freyschmidt war nicht der Einzige, der die Gefahr sah, dass Deutschland im internationalen Vergleich ins Hintertreffen geraten könnte. Nicht wegen Toiletten mit Kacheln aus den 60er Jahren, sondern wegen veralteter Anlagen in Physik- und Chemieräumen.
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