Spagat zwischen Transparenz und Sparpotenzialen

Von: Burkhard Giesen
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Bürgermeisterin Margit Göckemeyer erarbeitet das neue Nutzungskonzept für die Begegnungsstätte am Zülpicher Tor. Neben den Vereinen will auch die Verwaltung selbst dort einziehen. Foto: Burkhard Giesen

Nideggen. Den hintergründigsten Satz, den Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer in ihrer zehnmonatigen Amtszeit gehört hat, stammt von einem Nideggener, der sie bei der letzten Kommunalwahl gewählt hat. Er lautet sinngemäß so: „Ich wusste ja, dass sie endlich anfangen aufzuräumen und das Geld einzutreiben - aber dass sie es direkt bei mir eintreiben...”

Die Anekdote macht einen Zwiespalt mehr als deutlich: Nideggens Bürgermeisterin macht sich beliebt, weil sie versucht zu halten, was sie im Wahlkampf versprochen hat. Die Verwaltung neu zu organisieren, Themen, die brach lagen, in Angriff zu nehmen, die Finanzen zu ordnen. „Aufräumen, Transparenz schaffen, Ausgaben reduzieren wo es möglich ist - aber nicht um jeden Preis”, benennt sie das im Gespräch mit den „DN”.

Aber: All das sind umgekehrt auch Themen, mit denen man sich bei den Bürgern unbeliebt machen kann, weil teilweise lieb gewonnene Auswüchse beseitigt werden, weil man den Bürgern in die Tasche greifen muss.

Dass Kinder in Embken 500 Meter per Bus von der Schule zur Kirche transportiert wurden, ist einer dieser Auswüchse. Dass es zum ersten Schultag in der Stadt Nideggen Sonderfahrten gab, bei denen die Eltern und Großeltern kostenfrei zur Schule gefahren wurden, ein anderer. Und das wohl gemerkt bei einer Kommune, die so hoch verschuldet ist wie kaum eine andere im Umkreis. „Wir haben die Verträge gekündigt und diese Fahrten abgeschafft. Das wird jetzt auf privater Ebene von den Schulen organisiert”, sagt die Bürgermeisterin.

Auch dass inzwischen in Nideggens Innenstadt stundenweise Parkraumkontrollen stattfinden und „Knöllchen” für Falschparker geschrieben werden, dürfte nicht auf Anhieb jeden Bürger begeistern. „Da herrschen teilweise rund um den Markt chaotische Zustände. Wir mussten etwas tun”, sagt Frau Göckemeyer.

Eines bemerkt die Bürgermeisterin, die der finanziellen Not gehorchend eher unbequeme Entscheidungen fassen muss, aber auch: „Meistens haben die Bürger Verständnis dafür, wenn man mit ihnen darüber spricht und es erklärt.” Aber nicht nur Sparen, Sparen, Sparen steht auf ihrem Programm. „Es ist keine Frage, dass wir die Konsolidierung angehen müssen.” Das ist die eine Seite.

Die andere Seite besteht aus neuen Konzepten, die sich vor allem schnell umsetzen lassen. Nideggen lebt vom Tourismus. Gerade hier sieht Margit Göckemeyer ein großes Potenzial. „Wir versuchen derzeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein und dem Museum thematische Stadtführungen umzusetzen. Von der Kräuterführung bis zur Führung mit einem Nachtwächter. Wir wollen ganze Pakete für Nideggen schnüren, die man über das Internet buchen kann.”

Das ergibt noch aus einem anderen Grund Sinn: Die neue Begegnungsstätte samt renoviertem Zülpicher Tor wird bald neben dem Nationalparktor als weiterer Anlaufpunkt für Touristen zur Verfügung stehen. An dem Nutzungskonzept wird mit Hochdruck gearbeitet - das fehlte nämlich bislang. Im Erdgeschoss soll es einen Info-Punkt für Touristen geben und einen kleinen Shop, in dem man Produkte aus der Region erwerben kann.

Aber auch die Verwaltung selbst will das neue Gebäude nutzen. So könnte zum Beispiel das Trauzimmer hier angesiedelt werden, um mehr Platz im Rathaus zu schaffen. Feiern könnten die Hochzeiter dann auch direkt im Innenhof. Auch ein Bürgerbüro ist im Gespräch - und natürlich die Nutzung durch die Vereine. All das, was nach neuen Kosten klingt, hat dennoch etwas mit dem Oberthema Sparen zu tun: Die Verwaltung ist durch die Nutzung der neuen Begegnungsstätte nicht mehr auf das lange Zeit leer stehende und Kosten verursachende Haus Nölgen angewiesen. Das bringt inzwischen erstmals sogar Geld ein. Frau Göckemeyer hat nach Jahren des Leerstands Mieter gefunden.
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