Vettweiß - So schön kann Fliegen sein

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So schön kann Fliegen sein

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
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Sucht schon seit 46 Jahren die Freiheit über den Wolken: Rolf Viehs.

Vettweiß. Danger - Gefahr - steht auf einer kleinen Klappe hinter dem Cockpit der Tecnam P92. Darin, so erklärt Rolf Viehs, befindet sich eine kleine Rakete, mit der im Falle des Falles ein Rettungsschirm abgeschossen werden kann, an dem Flugzeug und Pilot sicher zu Boden gleiten.

Viehs, 1. Vorsitzender der Vettweißer UL-Luftsportgemeinschaft Gertrudenhof, ist im Begriff mit seinem Ultraleichtflieger abzuheben, der Autor dieser Zeilen soll ihn dabei begleiten. Nur dass dieser unter erheblicher Höhen- und Flugangst leidet und Viehs Ausführungen über das eingebaute Rettungsgerät so gar nicht beruhigend wirken wollen.

Viehs lässt aber nicht locker: „Wenn der Motor ausfällt, können wir noch immer segeln und landen.” Und: „Ich fliege seit 46 Jahren und bin noch nie in eine gefährliche Situation geraten.” Das klingt für meine Ohren schon besser, also zwänge ich mich zum Vorsitzenden der Luftsportgemeinschaft ins Cockpit des Flugzeugs. Es ist eng, sehr eng. „Wir können grundsätzlich nur einen Passagier mitnehmen”, so Rolf Viehs.

Das liegt zum einen am mangelnden Platz, zum anderen daran, dass bei Ultraleichtfliegern das zulässige Gesamtgewicht von Maschine und Passagieren 470 Kilogramm nicht übersteigen darf. Andere Sportflugzeuge sind dagegen schon mal zwei Tonnen schwer. Betrieben wird das Ultraleichtflugzeug mit einem vierzylindrigen 100-PS-Motor, damit, so Viehs, schaffe man Geschwindigkeiten von 160 km/h.

Vor gut zehn Jahren saßen die Piloten der Ultraleichtflieger übrigens noch ohne Ummantelung im Freien - so schön kann Fliegen sein. Oder auch nicht, ich jedenfalls bin froh, in einem Modell der gehobenen Klasse mit kompletter Aluminiumummantelung zu sitzen.

Als Rolf Viehs den Propeller anwirft, wird diese jedoch ganz schön durcheinander gerüttelt. „Dann geben wir mal Vollgas”, spricht er und schon sausen wir die 300 Meter kurze Landebahn hinab. Wir haben nicht einmal die Hälfte der Piste hinter uns gelassen, da hebt die kleine Maschine bereits ab.

Schnell steigen wir auf 1400 Fuß Höhe, etwa 450 Meter über dem Boden, die Aussicht: grandios! Weniger toll: die erste Windböe, die das Flugzeug trifft und bei mir wieder die Frage aufwirft, warum sich Menschen in Blechmaschinen hunderte Meter über der Erde fortbewegen.

„Von links nach rechts, von oben nach unten - der Vorteil an der dritten Dimension ist, dass wir uns nicht an Straßen halten müssen und relativ frei fliegen können”, weiß demgegenüber Rolf Viehs. Und dann wieder diese überwältigende Aussicht, aus der Luft gewinnt man ganz neue Einblicke in die vermeintlich bekannte Heimat.

Der Himmel ist wolkenlos, der Blick reicht kilometerweit. In knapp 40 Minuten fliegen wir von Vettweiß über Heimbach, Hürtgenwald, Langerwehe zum Tagebau nach Hambach und von dort über Düren und die sich im Aufbau befindende Annakirmes zurück nach Vettweiß.

Ein kurzer Ausflug für Rolf Viehs, der gerne mal mit seiner Maschine in zwei Stunden auf die Ostfriesischen Inseln fliegt. Wer selber mal einen Rundflug wagen möchte ist bei der Vettweißer Luftsportgemeinschaft übrigens jederzeit willkommen. Rolf Viehs: „Es findet sich immer jemand, der einen Passagier mitnehmen kann.”

Am Flugplatz am Kelzer Weg zwischen Vettweiß und Soller kann man zudem an der hauseigenen Flugschule eine Pilotenlizenz erwerben. Die einjährige Ausbildung, 50 Flugstunden inklusive, kostet zwischen 5000 und 6000 Euro.
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