So ein Förster arbeitet im Wald und am Computer

Von: Maria Pakura
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Wenn Forstamtsrat Dieter Fink den Wald inspiziert, ist seine Hündin Cassy immer dabei. Foto: Guido Jansen

Hürtgenwald. Es ist diesig, sprühfeine Regentröpfchen nieseln aus bleigrauen Wolken: Kein schöner Tagesbeginn. Förster Dieter Fink sieht das anders. Jedes Wetter ist gutes Wetter, und Feuchtigkeit tut seinem Wald besonders gut. Auch die Frühe des Morgens ist dem 62-Jährigen nicht anzumerken.

„Dann wollen wir mal”, eröffnet er pünktlich um 7 Uhr die allmorgendliche Besprechungsrunde mit seinem Team, das aus vier Forstwirten sowie drei Auszubildenden besteht und mit Augustbeginn noch um zwei weitere Azubis wächst.

Die Männer treffen sich im Ausbildungstrakt in Großhau regelmäßig zur Lagebesprechung. Das Gebäude haben die Mitarbeiter laut Fink „aus selbst gesägten Brettern aus dem Hürtgenwald” gebaut.

Nach der Besprechung zerstreut sich das Team. Dann gehen sie auf 1700 Hektar allein oder in Kleinteams ihrer Arbeit nach. Kontakt haben die Mitarbeiter allenfalls noch per Handy. Und auch das nur eingeschränkt. „Im Wald gibt es auf mindestens einem Drittel der Fläche keinen Empfang”, weiß Förster Fink.

Dass es in der Tat nur Männer sind, ist kein Klischee, sondern wird begründet. „Frauen fehlt meist die Kraft”, erläutert der Forstamtsrat. Zwar gebe es einige wenige Forstwirtinnen, aber die teils schweren Hebetätigkeiten schreckten viele Frauen ab.

Wenn sich eine bewirbt, macht der dreifache Vater und zweifache Opa allerdings bei Eignung ebenso wenig einen Unterschied wie zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten. „Wir sind der Meinung, dass es am besten ist, wenn wir gemischte Ausbildungsjahrgänge und gemischte Schulformen haben.” Wichtig ist der unmittelbare Eindruck. Deswegen fühlen Dieter Fink und seine Kollegen den Bewerbern mit einem zweitägigen Test ordentlich auf den Zahn.

Neben der Arbeit mit den Forstwirten gehört Naturschutz ebenso zu den Aufgaben des Försters wie Öffentlichkeitsarbeit. „Das Jagen macht nicht mehr als zehn Prozent meiner Zeit aus und liegt außerhalb der normalen Arbeitszeiten”, rückt der Experte das Bild vom Förster, der den ganzen Tag auf dem Hochsitz verbringt, zurecht.

Er scherzt: „Wenn ich zwei Wochen nicht im Wald wäre, würde das weniger auffallen, als wenn ich zwei Tage nicht meine E-Mails kontrolliere.”

Deswegen wirft der 62-Jährige zunächst einen Blick in sein elektronisches Postfach, bevor er den Telefonhörer zur Hand nimmt. Ein Waldweg hat wegen der Regenfälle gelitten und muss wieder befestigt werden.

Dennoch gehört das Erlegen und Zerlegen von Wild zum Job. Wozu sonst stünde neben dem Ausbildungsbetrieb ein Kühlhaus für bis zu 40 Wildstücke?

Fink hält nichts von Handaufzuchten, sieht nur ein Risiko darin, auf diese Art in die Natur einzugreifen. „Wenn einmal ein Wildschwein im Auto groß geworden ist, dann ist Schluss”, bemerkt er und fügt die Frage, ob man sich vorstellen könne, was passiert, wenn ein ausgewachsenes Wildschwein versucht, auf den Rücksitz eines Wagens zu klettern, weil es dort als Frischling auch sitzen durfte, hinzu. Also bleiben die Waldbewohner, wo sie hingehören: im Wald.

Dorthin macht sich Förster Fink um kurz vor acht Uhr auch auf. „Es gehört einfach mit dazu, dass man sich umguckt in seinem Busch”, schmunzelt er am Steuer des Geländewagens, in dessen Fond immer auch seine Hündin Cassy dabei ist.

Während die Hundedame durch den Wald hüpft, aber nie aus Sichtweite verschwindet, inspiziert Fink eine gerodete Fläche neben einer Wildwiese. Dann stattet er den Bibern im Tal der Roten Wehe einen Besuch ab. Nach dem Regen will er kontrollieren, ob die Dämme der vierbeinigen Baumeister gehalten haben. Wenig später kehrt er in sein Büro zurück. Die nächsten Telefonabsprachen warten schon.
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