Düren - „Singen können die Menschen überall”

„Singen können die Menschen überall”

Von: Sandra Kinkel
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Hans-Josef Loevenich an seinem
Hans-Josef Loevenich an seinem Arbeitsplatz: Die Metzler-Orgel in der Annakirche hat Düren weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Wir haben gleich ein Treffen für den nächsten Orgelherbst”, sagt Regionalkantor Hans-Josef Loevenich. „Es geht also weiter.”

Bereits zum dritten Mal hat in diesem Jahr der Orgelherbst in Düren stattgefunden, und auch, wenn die verschiedenen Konzerte nicht immer bestens besucht waren, sei es doch gelungen, so Loevenich, die Kirchenmusik wieder etwas mehr ins Bewusstsein der Leute zu rücken.

„Wir wissen natürlich”, so Loevenich, „dass Orgel- und Kirchenmusik nicht die breite Masse interessiert. Und deswegen müssen wir uns vielleicht ein Stück weit auch davon freimachen, hohe Besucherzahlen zu erwarten.” Das, so der Regionalkantor weiter, sei übrigens kein rein Dürener Problem. „Ich habe auch schon in Köln vor 50 Zuschauern gespielt. Grundsätzlich können wir aber mit der Resonanz auf den Orgelherbst zufrieden sein.”

Hans-Josef Loevenich war schon früh klar, dass er einmal Musiker werden wollte. „Musik war immer mein Hobby”, sagt er. Schon während der Zeit auf dem Gymnasium hat Loevenich angefangen, eine Ausbildung für Organisten im Nebenerwerb zu machen. „Das habe ich auf Anregung meines damaligen Orgel-Lehrers gemacht”, sagt der 54-Jährige. „Und während dieser Zeit habe ich auch eigentlich gemerkt, dass ich mir vorstellen kann, hauptberuflich Kirchenmusiker zu werden.”

Schon während seines Studiums hat Hans-Josef Loevenich angefangen, in St. Antonius zu arbeiten. 1991 ist er dann Kantor von St. Anna geworden und damit dann auch Regionalkantor in Düren. Gemeinsam mit Pfarrer Bernhard Gombert hat er die Pfarrsingschule gegründet und entwickelt. Heute werden dort 120 Kinder und Erwachsene unterrichtet.

„Ein guter Kirchenmusiker”, sagt Hans-Josef Loevenich, „muss die Lithurgie sinnvoll mitgestalten und die Menschen, die ihm anvertraut sind, musikalisch begleiten. Und er muss natürlich auch die musikalischen Möglichkeiten der Gemeinde sinnvoll nutzen. Der Regionalkantor ist sich darüber im Klaren, dass die musikalischen Möglichkeiten in einer Zentrumsgemeinde wie St. Anna ungleich größer sind als auf dem Land. „Vielleicht hat Kirchenmusik hier einfach auch eine größere Tradition. Aber singen können die Menschen, vor allem Dingen auch die Kinder, überall. Davon bin ich überzeugt.”

Vor einigen Jahren hat Hans-Josef Loevenich an der Südschule Vokalklassen ins Leben gerufen, in denen Musik begeisterte Kinder viel singen und sich überhaupt intensiv mit Musik beschäftigen.

Ein wichtiger Meilenstein in Hans-Josef Loevenichs Berufsleben ist ohne Zweifel die Anschaffung der neuen Orgel - übrigens ohne Kirchensteuermittel dafür aber mit viel Engagement und Einsatz der Gemeindemitglieder.

„Unglaublich viele haben uns unterstützt und unterstützen uns immer noch”, sagt Loevenich. „Das zeigt deutlich, dass es immer noch Menschen gibt, die an Kirchenmusik eben doch interessiert sind.”

Seitdem die Metzler-Orgel in der Annakirche steht, finden hier regelmäßig hochkarätige Orgelkonzerte statt, außerdem glaubt der Regionalkantor, dass auch die Orgelmusik in den Gottesdiensten einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat.

„Die Emotionen der Menschen werden einfach mehr angesprochen.” Ganz ohne Zweifel sei darüber hinaus die Außenwirkung der Gemeinde größer geworden. „Ich werde immer wieder”, so Loevenich, „sogar außerhalb des Bistums, auf unsere neue Metzler-Orgel angesprochen.”

Neben seiner Tätigkeit in St. Anna, wo Loevenich übrigens elf Chöre und Singgruppen betreut, leitet er auch noch zwei Männerchöre. Und trotzdem bleibt dem Vater von Töchtern und drei Söhnen zwischen 20 und 29 Jahren auch ab und zu noch ein bisschen Zeit für Hobbys. „Als Ausgleich treibe ich sehr gerne Sport”, sagt er. „Ich laufe viel und fahre im Winter leidenschaftlich gerne Ski.”

Im Augenblick steht aber der Dürener Orgelherbst, den er übrigens gemeinsam mit Kantor Stefan Iseke von der Evangelischen Gemeinde vorbereitet, im Mittelpunkt von Loevenichs Interesse. Der, der am Wochenende zu Ende geht, und der, der im nächsten Jahr stattfinden soll.

Abschlusswochenende des Dürener Orgelherbstes:

Im Rahmen des dritten Dürener Orgelherbstes findet am Samstag, 6. Oktober, ein Orgelmeisterkurs mit Christopfer Herrick aus London statt. Der Kurs beginnt um 14 Uhr und dauert bis 17 Uhr. Auch Laien, die nicht Orgel spielen, sind herzlich eingeladen zuzuhören.

Christopher Herrick bestreitet auch das Abschlusskonzert der diesjährigen Konzertwoche. Unter dem Motto „Organ Fireworks and Dreams” spielt er am Sonntag, 7. Oktober, Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Charles Camille Saint-Saens, Mac Reger und Charles-Marie Jean Albert Widor.

Der Eintritt zu dem Konzert kostet zwölf Euro, für Kinder bis zwölf Jahre ist der Eintritt frei. Karten gibt es an der Abendkasse.

Zum Abschluss des Orgelherbstes gibt es am Wochenende zudem besondere Orgelmusik in den Gottesdiensten. Hans Josef Loevenich spielt um 10.30 Uhr in der Annakirche an der Metzler-Orgel, Mariusz Czierplikowski spielt Werke von Johann Sebastian Bach an der Wilbrand Orgel in St. Antonius (samstags 18.30 Uhr und sonntags 11.15 Uhr).

In St. Bonifatius spielt Czierplikowski um 17 Uhr und um 9.45 Uhr. Reinhard Berg sorgt für tolle Musik in St. Josef (18.30 und 10 Uhr).

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