Seit 15 Jahren ehrenamtliche Hospizbegleiterin

Von: Sandra Kinkel
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Einfach gemeinsam miteinander Zeit verbringen: Ab und zu spielen Hanna Löffler (links) und ihre Hospizhelferin Ursula Keller auch einmal ein Spiel miteinander. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. Schon von draußen hört man Hanna Löffler und Ursula Keller lachen und erzählen. Die beiden Frauen sitzen im Wohnzimmer von Hanna Löffler und unterhalten sich über den Nummernboy und die Sprühsahne bei der Damensitzung. Das ist eben gerade Thema in Nörvenich. Und fast sieht es so aus, als hätten sich zwei Freundinnen zum Kaffeeklatsch getroffen. Aber weit gefehlt.

Hanna Löffler ist krank, todkrank. Sie hat Lungenkrebs, nach ihrem letzten CT am 30. November hat sie alle Therapien abgebrochen. Ursula Keller ist Hanna Löfflers Hospizbegleiterin.

„Ich weiß, dass ich sterben muss“, sagt Hanna Löffler. „Bin mit mir im Reinen, habe alles geregtl. Jetzt warte ich auf den Tag X.“ Im Krankenhaus hat die 77-Jährige von den ehrenamtlichen Hospizbegleitern der Hospizbewegung Düren-Jülich erfahren. „Ich habe zwar vier Kinder und fünf Enkelkinder, lebe aber allein. Der menschliche Kontakt hat mir gefehlt. Und ich will auch nicht alles mit meinen Kindern besprechen, will sie nicht mit allem belasten.“

Und hier kommt eben Ursula Keller ins Spiel. Die 63-Jährige arbeitet seit 15 Jahren bei der Hospizbewegung und hat in dieser Zeit schon rund 30 Männer und Frauen auf ihrem letzten Weg begleitet. „Meine Mutter wurde durch einen Schlaganfall pflegebedürftig, so habe ich Kontakt zur Hospizbewegung bekommen.“

Ursula Keller hat die Ausbildung zur Hospizbegleiterin absolviert – und ist dabein geblieben. „Ich kann gar nicht genau erklären, warum ich mir ausgerechnet dieses Ehrenamt ausgesucht habe“, sagt sie. „Der Tod war und ist für mich eigentlich nie etwas Schlimmes gewesen.“

An den ersten Mann, den Ursula Keller als Hospizbegleiterin betreut hat, kann sie sich noch genau erinnern. „Der lag in seinem Bett, aß Weintrauben und versuchte die Kerne über das Fußende zu spucken. Das werde ich nie vergessen.“ Ursula Keller betreut die Menschen zu Hause, besucht sie regelmäßig. Pflegerische Arbeiten kann sie nicht leisten. „Es geht bei unserer Arbeit“, sagt sie, „wirklich um die psychosoziale Betreuung. Wir reden miteinander, lachen und weinen zusammen.“

Hanna Löffler hat Ursula Keller erst vor Kurzem kennengelernt, bei den beiden Frauen hat die Chemie sofort gestimmt. „Das ist ja auch ganz wichtig“, sagt Frau Löffler. „Aber mit war sofort klar, dass ich Frau Keller vertrauen kann.“

Die beiden Frauen führen Gespräche, gehen zusammen spazieren, manchmal wird ein Gesellschaftsspiel gemacht. „Alles“, so Ursula Keller, „passiert immer im Einvernehmen mit den Patienten. Wenn es nötig ist, mache ich auch schon einmal eine Nachtwache.“

Ursula Keller ist eine fröhliche Frau, sie lacht viel. Das hilft ihr ganz sicher bei ihrer Arbeit als Hospizbegleiterin genau wie ihr tiefer Glaube an Gott. „Natürlich gehe ich mit den Menschen, die ich betreue einen schweren Weg“, sagt sie. „Aber es ist auch ein schöner Weg.“

Ihr persönlich, sagt Ursula Keller nach kurzem Überlegen, gebe die Arbei als Hospizbegleiterin eine gewisse Befriedigung. „Es ist doch schon, dass es Menschen gibt, die diese Arbeit machen. Und ich denke dann immer, dass mir auch einmal hilft, wenn ich in meiner letzten Lebensphase bin.“ Sie lebe bewusster als früher, so Ursula Keller, nehme einfach nicht mehr alles so tragisch.

Ursula Keller hat schon sehr oft Menschen beim Sterben begleitet, ist beim Tod dabei gewesen. „Die Gefühlsebene bleibt bei allen bis zum letzten Atemzug bestehen. Und für alle ist das Wichtigste, dass sie in ihrer Sterbestunde nicht alleine sind. Und die Menschen sind dankbar für die menschliche Nähe.“

Das ist auch bei Hanna Löffler so. „Ich wünsche mir, beim Sterben nicht alleine zu sein“, sagt sie. „Sondern, das jemand da ist, der meine Hand hält. An dem ich mich festhalten kann.“ Dieser Jemand könnte für Hanna Löffler Ursula Keller sein.

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