Sechs Lebenswege aus Niederzier. Ein Buch.

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
4897094.jpg
Frank Becker lehnt an der Dürener Annakirche. Der in Echtz lebende Autor hat soeben seinen neuen Erzählband „Träume, Glück und ein paar Narben“ vorgelegt. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Es gibt Menschen, die arbeiten nachts am liebsten. Frank Becker zum Beispiel. Er macht sich dann einen Pott Kaffee und lässt sich am Schreibtisch nieder. Gegen drei, vier Uhr am Morgen legt er sich hin und ist mit seinem Buch wieder ein Stück weiter. Frank Becker ist Autor. Er hat drei Kinderbücher geschrieben und – gerade fertig – einen Band, in dem sechs Geschichten von Menschen stehen, die in der Niederzierer Wohnanlage Sophienhof leben.

Es sind Lebensgeschichten. Frank Becker, Jahrgang 1967, ließ die Bewohner erzählen, er traf sich einige Male mit ihnen, manchmal gab es Gebäck und Kaffee, und notierte, was die Bewohner zu berichten hatten. „Natürlich musste ich erst einmal ein Vertrauensverhältnis aufbauen“, sagt er.

Und nachdem das gelungen war, erlebte Becker einen Geschichtsunterricht der besonderen Art. Lebendig und vor allem authentisch. Es ging um das Leben in all seinen Facetten. „Träume, Glück und ein paar Narben“, hat Becker sein Buch daher auch genannt – und damit ist eine Menge gesagt: Schicksale, Krieg, Krankheiten, Freundschaften, Ehen, Kinder, Berufe, Berufungen.

Becker hat zugehört und später die Geschichten niedergeschrieben. Danach haben seine Interviewpartner den ersten Entwurf gelesen, sie haben ergänzt, gestrichen, und oft bekamen die Erzählungen noch einmal eine neue Dynamik. Den sechs Senioren im Alter von 73 bis 94 Jahren wurde nach der ersten Lektüre vieles bewusster, weil ihnen manches einfiel, was eigentlich längst verschüttet war.

Frank Becker selbst hat seitdem einen „etwas anderen Blick auf das Leben“, erzählt er. In einem Wort zusammengefasst heißt das: Demut. Becker ist demütiger, er fragt sich jetzt, mit welchen Problemen man sich oft beschäftigt – und ob sie es wert seien. Die Antwort sicher: nein.

Vor allem, weil Becker gespürt hat, dass „die Menschen versöhnt sind, sie strahlen eine gewisse Ruhe aus. Vielleicht fällt es ihnen damit leichter, loslassen zu können, „wenn man im Herbst des Lebens ist“. In jedem Fall sei das Buch „ein Spiegel der Zeit, ein Abbild der Generation, die ich beschreibe.“ Becker hat älteren Menschen schon immer gerne zugehört, sagt er, vor allem auch, wenn sie über regionale Ereignisse gesprochen hätten. Die Schlacht im Hürtgenwald etwa.

Heute ist es bisweilen Becker selbst, der erzählt. Vor allem Kindern. Mehr als 200 Lesungen hat er – meist in Schulen – absolviert, seit er vor acht Jahren mit dem Schreiben begann. Damals erschien sein erster Band über Cora, ein junges Mädchen, das spannende Abenteuer erlebt. Im Sommer wird der vierte Band erscheinen, Bücher für Kinder, aber nicht nur, sagt Becker, der mittlerweile die Schriftstellerei zu seinem Beruf gemacht hat. Auch wenn er selbst keine Kinder hat, „weiß ich, wie die Jungen und Mädchen von heute ticken“, sagt er, weil er allein neun Nichten und Neffen hat.

Manchmal, sagt er, „denken Kinder bei meinen Lesungen, die schon mal in alten Klosteranlagen stattfinden können, „Schriftsteller würden in Burgen wohnen und in Kutschen fahren“. Ganz so ist es nicht, Becker lebt mit seiner Frau in Echtz und fährt einen Ford. Oder er wandert. Radfahren geht auch. Auf die Art hat er eine Menge von der Region gesehen, vielleicht hat er bei den Touren auch Ideen gesammelt, die er in Geschichten packt. Am liebsten nachts, mit einem Pott Kaffee.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert