Düren - Schweigeminute in Düren: Längst nicht überall ist es still

Schweigeminute in Düren: Längst nicht überall ist es still

Von: oha, bugi, de, inla
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Zum Gedenken an die Nazi-Opfer
Zum Gedenken an die Nazi-Opfer waren gestern die Flaggen vor dem Dürener Rathaus auf Halbmast gesetzt. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Es ist 12 Uhr, und es ist wie immer. Die Gespräche zwischen Marktbeschickern und Kunden werden in gewohnter Lautstärke weiter geführt. Von einer Schweigeminute ist nichts zu spüren. Nicht einmal für Sekunden ebbt der übliche Lärm ab.

Bundesweit war am Donnerstag für 12 Uhr zu einer Schweigeminute aufgerufen worden. Zum Gedenken an die zehn Menschen, die Opfer von Anschlägen einer rechts gerichteten Terrorgruppe geworden waren. Vor dem Dürener Rathaus hingen die Fahnen deshalb auf Halbmast.

Punkt 12 Uhr setzte Glockengeläut ein. Doch auf dem Dürener Wochenmarkt schien das niemand zu bemerken. „Der FC Bayern hat 0:1 verloren”, schallte es über den Platz. „Aber das holen die noch auf!” An einem Stand wurden „zehn Eier zu 25 Cent” bestellt. „Habt ihr inzwischen die Tropfenfänger?”, wollte eine Kundin am nächsten Stand wissen. Ein junger Mann telefonierte lautstark mit dem Handy.

„Die Leute wissen offenbar nichts von der Schweigeminute”, vermutete Norbert Schnellinger, der auf dem Markt seine Eisenwaren anbietet. „Ich habe keinen Unterschied zu sonst bemerkt”, stellte auch Klaus Lange an seinem Obststand fest. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er zum besagten Zeitpunkt nicht schweigen können.

Immer wieder orderte Kundschaft vor den Auslagen Obst und Gemüse. Wenn er die Leute einfach nur schweigsam bedient hätte, wäre das vermutlich als übel gelaunt rüber gekommen. Lange: „Das kann ich schließlich auch nicht machen.” Eine Kundin, die ihren Namen nicht nennen wollte, wusste sehr wohl von der angesetzten Schweigeminute: „Ich habe aber über den Einkauf die Zeit völlig vergessen.” Da nützte offenbar auch das laute Läuten der Kirchenglocken wenig.

Nicht viel anders sieht es in der Wirtelstraße aus. Keiner hält inne, zumindest nicht zu einer Schweigeminute. Die ältere Dame mit ihrem Rollator bleibt um Punkt 12 Uhr kurz stehen, weil sie Abfall in einen Mülleimer werfen will, der Mann mit Vierbeiner vor dem Drogeriemarkt wartet auf seine Frau und die Kassiererin im Supermarkt tippt eifrig weiter auf ihre Tastatur, weil sie ihre Kundin kaum warten lassen kann.

Nicht weit entfernt im Bürgerbüro der Stadt Düren. „Schweigeminute”, schallt es durch die Halle und manch einer schaut sich verwundert um. Nur langsam ebben die Gespräche an den Schaltern ab, aber irgendwann ist es ziemlich ruhig. Nur im hinteren Teil des Bürgerbüros führt eine Beschäftigte weiter munter Gespräche mit einem Kunden. Nach entsprechener Bitte, sich still zu halten, wird es ruhig. „Der Bürgermeister hat die Empfhehlung ausgesprochen, um 12 Uhr für eine Minute zu schweigen”, sagt Pressesprecher Helmut Göddertz. Das galt für alle Abteilungen der Stadtverwaltung.

Kurz vor 12 Uhr im Gymnasium am Wirteltor. Auf den Fluren herrscht Stille - in den Klassen- und Fachräumen wird unterrichtet. Hin und wieder huscht jemand vorbei, ansonsten kein Laut. Plötzlich platzt eine Lautsprecherdurchsage in die Stille. Der stellvertretende Schulleiter Rüdiger Paulun teilt ein paar organisatorische Dinge und macht dann auf die Schweigeminute aufmerksam. Er bittet alle im Gebäude um Teilnahme. Wieder kehrt Stille ein.

Schlag 12 Uhr: Es bleibt still. Paulun ist sich sicher, dass nun tatsächlich alle für eine Minute schweigen. Schließlich ist der Anlass für das Zeichen der Anteilnahme und der Empörung vorher in geeeigneten Unterrichtsstunden erörtert worden.
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