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Schlimmer Streit unter Schaustellern landet vor Gericht

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Düren. Tiefe Einblicke ins Schaustellergewerbe erhielt, wer am Donnerstag bei einer Verhandlung vor dem Schöffengericht in Düren dabei sein konnte. Das waren nicht wenige: 16 Personen mussten als Zeugen antreten.

Und mindestens ebenso viele Menschen verfolgten die Verhandlung von den Zuschauerbänken aus.

Vor Gericht trafen die Mitglieder von drei Schaustellerfamilien aufeinander, die vor Jahren noch eng befreundet waren. Die seit dem 14. Oktober 2008 aber genauso heftig verfeindet sind. Die Sitzung begann verspätet, denn Zeugen und Zuschauer mussten sich doppelten Kontrollen unterziehen, dabei Jacken, Westen und sogar Gürtel ausziehen.

Angeklagt waren zwei Männer, 36 und 40 Jahre alt, die im Winterquartier der Schausteller im Kreis Düren mit ihren Verwandten und Helfern einen dritten beschossen und verprügelt haben sollen. So formulierte es jedenfalls der Staatsanwalt in seiner Anklage.

Die beiden Angeklagten wollten dergleichen nicht getan haben. Im Gegenteil. Lang und breit schilderte der Jüngere, wie er und seine Familie von seinem Nachbarn im Quartier schon viele Monate vor der Tat immer wieder mit üblen Beschimpfungen herausgefordert und auch bedroht worden sei. Einmal sei der Nachbar ihm sogar zu einem Kirmesplatz bis nach Düsseldorf nachgefahren. Der zweite Angeklagte (40) wollte an dem Tag gar nicht im Lande gewesen sein.

Großes Durcheinander

Von Boxbuden, Schießbuden, Los- und Ballwurfbuden, von Crêpes und anderen Imbissbuden war die Rede. Von Aufbauarbeiten in München, Stuttgart, Berlin und vielen anderen Städten. Von Brüdern, Söhnen, Schwagern, dazu spielten Tanten und Onkel die ein oder andere Rolle im Familienkrieg. Manchmal redeten die Angeklagten und ihre Verteidiger gleichzeitig, und Richterin Anne Utzelmann hatte ihre liebe Mühe.

Der Dritte im Bunde, das angebliche Opfer, ist im Gegensatz zu den beiden Angeklagten ein Schausteller ohne Engagements. Der Mann (45) verstrickte sich in seiner langen Aussage gleich mehrfach in Widersprüche. 15 bis 20 Schüsse seien innerhalb von 40 bis 45 Sekunden auf ihn abgefeuert worden, dann seien er und sein Sohn mit Schlagstöcken verprügelt worden.

Auch hatte er bei Vernehmungen unterschiedliche Angaben darüber gemacht, wer bei dem Überfall dabei gewesen sein soll und wer nicht. Die Polizei fand später nur zwei Patronen, das Opfer war nahezu unverletzt. Je länger der Zeuge redete, desto unwahrscheinlicher klang alles. So will er den Schüssen dadurch ausgewichen sein, das er „wie im Fernsehen im Zickzack” gelaufen ist.

Zu einem Urteil kam es am Donnerstag noch nicht. Die Verhandlung wird am 8. März um 12 Uhr fortgesetzt
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