Samstag klappt „Beij Stupps“ der Bierhahn hoch

Von: Anneliese Lauscher
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Am Samstag, bei der Abschiedsparty, sollen Hanni und Herbert Rick keinen Finger rühren. Foto: Anneliese Lauscher

Wollersheim. „Beij Stupps“ wird am Samstagabend der Bierhahn zugedreht. Die Wirtsleute Hanni und Herbert Rick schließen die beliebte Dorfkneipe. Am 21. März 1893 erteilte der Königliche Landrat des Kreises Düren dem Herrn Johann Düster zu Wollersheim die Erlaubnis, eine Gastwirtschaft zu betreiben. Die entsprechende Urkunde zeigt Herbert Rick nicht ohne Stolz vor.

Darin heißt es auch: „Der Inhaber hat sich den bereits ergangenen oder noch ergehenden, sein Gewerbe betreffenden polizeilichen Bestimmungen und Vorschriften zu unterwerfen. Nichtbeachtung oder Übertretung derselben zieht Bestrafung nach sich und wird … mit Geldbuße bis zu 300 Mark und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu sechs Wochen bestraft werden.“ Offensichtlich haben die Wirte in diesem Gasthaus sich an die Vorschriften gehalten, ununterbrochen bestand bis am Samstag der Schankbetrieb.

Der erste Wirt, Johann Düster, war Herbert Ricks Urgroßvater. Dessen Tochter, die den Gasthof übernahm, war verheiratet mit Jakob Stupp, seitdem wurde die Wirtschaft immer „Stupp“ genannt. Herbert Rick und seine Frau stehen seit 2002 hinter dem Tresen, sie sind mit Leib und Seele Wirtsleute, wenn auch Herbert Rick noch an drei Tagen seinem Beruf als Elektriker nachgeht. Die Kneipe wurde der Dorfmittelpunkt, dort trifft man sich auf ein Feierabendbier. Dort wird sonntags der Frühschoppen gepflegt, dann wird an mehreren Tischen leidenschaftlich „Herzblättchen“ oder Skat gespielt. Der jüngste Spieler sei 73, verrät Herbert Rick.

Für ihre gutbürgerliche Küche war Hanni Rick stets bekannt, bis vor kurzem gab es noch sonntags Mittagstisch. Auch die einfachen Gastzimmer des Landgasthofes, die Anfang der 70er Jahre eingerichtet wurden, sind bei Handwerkern, die in der Umgebung längerfristige Aufträge zu erfüllen haben, sehr beliebt.

Gute Wirte kennen ihre Stammkunden: Wenn der Gesangsverein kommt – neun Frauen und ein Mann – dann wird Eierlikör serviert. Geradezu berühmt ist das frisch gezapfte Bier „beij Stupps“: „Bei mir wird kein Pils und kein Kölsch in einem Zug gezapft“, gibt Herbert Rick einen Teil seiner Bierzapf-Philosophie preis. „Es kann vier bis fünf Minuten dauern oder auch mal sieben Minuten.“

Bierkenner wissen, dass sich das geduldige Warten lohnt, umso intensiver ist der Genuss. Und die professionelle Reinigung der Bierleitung wird seit über vierzig Jahren im Schankbuch dokumentiert. Ein guter Wirt ist auch verschwiegen: Welches Quantum früher so mancher Lkw-Fahrer auf der Durchreise zu sich nahm – das ist heute unvorstellbar.

„In Vlatten gibt es keine Kneipe mehr, und montags hat die in Bürvenich geschlossen, dann ist hier richtig was los“, berichtet Herbert Rick. Natürlich hat ihm das Rauchverbot Probleme bereitet, aber der geschickte Handwerker konstruierte draußen einen Unterstand, damit die rauchenden Gäste es bei schlechtem Wettern nicht ganz so ungemütlich haben.

Am Samstag wird gefeiert

Der Saal ist an die Stadt Nideggen verpachtet, diese überlässt ihn der Dorfgemeinschaft Wollersheim; so haben der Tischtennisclub und der Karnevalsverein eine schöne Bleibe. Auch für andere Feste und beispielsweise Beerdigungskaffees bietet der gepflegte Saal den passenden Rahmen.

Mit einer Abschiedsparty wird am Samstagabend zunächst ein Schlusspunkt unter die Kneipenkultur in Wollersheim gesetzt. „Es fällt uns schwer“, sagt Herbert Rick. „doch familiäre Gründe und die Gesundheit fordern diesen Entschluss.“ Er und seine Frau brauchen nichts zu tun, hat man ihnen versprochen, sie sollen feiern. Mit vielen Stammkunden wird gerechnet, da wird es feucht-fröhlich und auch ein wenig wehmütig zugehen.

Wenn es gelingt, einen passenden Pächter zu finden, können die Ricks vielleicht demnächst mal vor der Theke sitzen. Manche Kunden machen sich schon jetzt Gedanken: „Hoffentlich kann der Neue die Frikadellen so gut machen.“

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