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RWTH-Studie: Alleinerziehende haben es in Düren schwer

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:

Düren. Alleinerziehende fühlen sich in Düren nicht nur von ihrem Partner verlassen, sondern oft auch von den Behörden.

Dies ist das Ergebnis einer Studie, die das Institut für Soziologie an der RWTH Aachen im Auftrag des Dürener Frauenbüros erstellt hat. Die Untersuchung zeigt aber auch: Alleinerziehenden sind viele Angebote in der Stadt noch unbekannt.

„Über die Hälfte der Befragten weiß zum Beispiel gar nicht, welche Freizeit- und Sportangebote es hier gibt”, sagt die Dürener Gleichstellungsbeauftragte, Gilla Knorr. Entscheidender ist jedoch: Sehr viele der Befragten sind unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Fast alle Väter oder Mütter ohne Job sowieso. Sie beklagen die mangelnde Kinderbetreuung in der Stadt.

Im Vergleich zu anderen Städten in NRW, so haben die Aachener Soziologen herausgefunden, ist die Quote der Alleinerziehenden in Düren relativ hoch. In 2682 Haushalten und damit in fast jedem vierten Dürener Haushalt leben Kinder mit nur einem Elternteil. 680 Alleinerziehende beteiligten sich an der Umfrage der Hochschule. In 89 Prozent der Fälle leben Mütter (die Jüngste der Befragten ist 15) mit einem oder mehreren Kindern zusammen, im Rest der Fälle waren es alleinerziehende Väter. Die meisten Väter und Mütter sind schon mehr als fünf Jahre lang allein für ihre Kinder verantwortlich.

Auch wenn 66,8 Prozent der Befragten berufstätig sind, fühlen sie sich unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation. Sie arbeiten meist in Teilzeit und haben ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Kind, das sie einer Tagesstätte oder Verwandten überlassen müssen. Noch unzufriedener, so hat die Befragung ergeben, sind die alleinerziehenden Eltern ohne Job. Das Geld reicht oft nicht für ein menschenwürdiges Leben. Deshalb wollen fast alle Mütter oder Väter berufstätig sein. Aber dann stellt sich wieder die Frage: wohin in der Zeit mit dem Kind?

Die Studie hat auch ein überraschendes Ergebnis zu Tage gefördert. Zwar kritisierten manche Befragten, dass die Hilfsangebote des Jugendamtes unzureichend (oft auch „diskriminierend und kontrollierend”) und die Wartezeiten für eine Beratung bei freien Trägern viel zu lang seien, doch stellte sich zugleich heraus: Viele wissen gar nicht, wohin sie sich bei Problemen wenden sollen. 45 Prozent hatten keine Ahnung, was das Jugendamt für sie tun könnte, 49 Prozent wussten nicht, welche Weiterbildungsangebote es gibt, 40 Prozent der Befragten war sogar nicht klar, wohin sie sich bei einem Notfall wenden sollten.

„Da gibt es noch eine Menge aufzuklären”, stellte Gilla Knorr denn auch am Donnerstag gegenüber den „DN” fest. „Wir müssen uns mit allen Institutionen zusammensetzen und sehen, was wir da verbessern können.”

Am 18. März ist Jugendhilfetag. Knorr: „Da werden wir die Studie noch einmal öffentlich vorstellen und diskutieren.” Bis zur Sommerpause sollen dann Ergebnisse auf dem Tisch liegen, wie das Leben von Alleinerziehenden und ihren Kindern in Düren verbessert werden kann.

Gilla Knorr versucht zu erklären, warum gerade in Düren so viele Alleinerziehende leben: „Hier wohnen viele Hartz-IV-Empfänger. Alleinerziehende profitieren von kurzen Wegen. Auch da bietet sich eine Stadt wie Düren an.”
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