Nideggen - Ruhrpott-Könige und Grusel bei Dracula-Wetter

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Ruhrpott-Könige und Grusel bei Dracula-Wetter

Von: kin
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Uwe Lyko alias Herbert Knebel begeisterte bei den Festspielen auf Burg Nideggen. Foto: Sandra Kinkel

Nideggen. Wenn Uwe Lyco alias Herbert Knebel und seine drei knarzigen Bandkollegen von „Herbert Knebels Affentheater” die Bühne rocken, dann bleibt kein Auge trocken. Überhaupt keins.

So auch auf der „Bühne unter Sternen”, wo das Affentheater sein aktuelles Programm „Love is in Sie Er” präsentierte - vor rund 1000 Zuschauern, die nach einem tollen Abend wahrscheinlich Bauchschmerzen hatten. Wegen eines akuten Katers der Lachmuskeln Zu den Klängen von „All you need is love” marschierten die Könige des Ruhrpott-Humors auf die Bühne, mit Opahosen und weißen Socken in Sandalen.

Klar geht es bei einem Programm, dass „Love” im Titel trägt, um Liebe. Die Zuschauer erfuhren, wie Herbert seine Guste kennen gelernt hat („Sie war auf einmal da!”) und dass die Ehe für ihn eigentlich kein erstrebenswerter Zustand ist. „Von zehn Ehen werden in fünf Jahren alle geschieden.” Natürlich sind Herbert und Guste immer noch zusammen.

Die beiden haben sich geschworen, sich erst dann scheiden zu lassen, wenn die Kinder tot sind. Es geht aber auch um Flitterwochen („Da fängt der Alltag an: Er schnarcht und sie furzt!”) und das erste Tete-à-Tete im „1200er Käfer mit 34 PS” („begnadete Körper”). Neben Uwe Lyko begeisterten Martin Breuer alias Ernst Pichl, Georg Goebel-Jackobi alias Ozzy Ostermann und der „Trainer”, der im richtigen Leben Detlef Hinze heißt.

Von Ernst erfuhr das Publikum, wie der Mann zu einem Handy gekommen ist („Eigentlich wollte ich nur ein Verlängerungskabel für mein Telefon kaufen.”), und der „Trainer” mit seiner Piepsstimme und dem vertrottelten Charme war fast ein bisschen der heimliche Star des Abends. Herzstück von Knebels Affentheater sind aber die Songparodien, in denen bekannte Oldie-Hits mit witzigen Texten gewürzt werden. Aus dem Monkees-Hit „Believer” wird eine Liebeserklärung an einen Retriever, die „Bridge Over Troubled Water” mutiert wortgetreu, aber sehr komisch zu einer „Brücke über unruhiges Wasser”.

Schreie über der Burg

Ein echtes Highlight der aktuellen Nideggener Festspiele und natürlich ein völlig anderes Kaliber als Herbert Knebel am Samstag war Dracula einen Tag zuvor. Programmgestalter Günther Meyer war es gelungen, Oliver Rohrbecks Lauscherlaunge aus Berlin in die Eifel zu locken und bescherte damit gut 500 Zuschauern ein Live-Hörspiel allererster Güte.

Der Dracula-Abend begann anders als die anderen Veranstaltungen erst um 20.29 Uhr, pünktlich zum Sonnenuntergang in Nideggen. Es war nass und nebelig über der Burg, also über Transsilvanien, richtiges „Dracula”-Wetter eben, das die Veranstaltung noch gruseliger machte, als sie ohnehin schon war. Gänsehaut-Stimmung vom Allerfeinsten. Außer Oliver Rohrbeck, bekannt als Stimme von Ben Stiller und Justus Jonas aus „Die drei ???” waren in Nideggen noch Erich Räuker, Detlef Bierstedt, Melanie Pukass, David Nathan und Kai Schwind als Sprecher mit dabei, für die Musik sorgte Dirk Wilhelm. Beeindruckend aber vor allem die Leistung von Geräuschemacher Peter Klinkenberg, der unter anderem mit einem alten Fußball und einem mit Luft gefüllten Müllsack das richtige Dracula-Feeling auf die Bühne zauberte.

Das Dracula-Live-Hörspiel war besser als Fernsehen, viel besser. Es forderte die Fantasie der Zuschauer. Die acht Akteure sind ganz in schwarz gekleidet, es ist dunkel, nur ihre Gesichter sind schemenhaft zu erkennen, wenn sie lesen, erzählen, flüstern, wispern, nuscheln, schreien oder kreischen. Das ist Spannung pur, da kann man einfach nicht aufhören zuzuhören, auch wenn es wie in Nideggen nass und bitterkalt ist. Ein toller Abend auf der Burg, der ganz ohne Zweifel noch viel, viel mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.
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