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Rostrot glitzert das belastete Sickerwasser

Von: Margret Vallot
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Oliver Krischer, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag , möchte die Ergebnisse der Boden- und Wasseruntersuchungen endlich einmal veröffentlicht sehen. Foto: Margret Vallot

Düren. Die Flüssigkeit sieht gefährlich aus: Mitten in einem dunklen, verwilderten Stück Wald tritt sie ans Tageslicht. Rostrot-moderig schimmernd. „Hier befindet sich eine der größten Altlasten des Kreises Düren”, sagt Oliver Krischer, der für die Grünen im Kreistag sitzt und auch in Berlin im Bundestag.

Um in die Nähe der sonderbaren Flüssigkeit zu gelangen, hat sich Krischer fest die Jacke zerfetzt, so dornig und undurchdringlich ist das Gestrüpp.

Er steht mitten auf der 55 Hektar großen Bergehalde Beythal. Und berichtet, was man kaum glauben möchte: Dass nämlich das zuständige Bergamt Düren das Problem mit den Innereien der Halde seit Jahren nicht in den Griff bekommt.

Die Industriebrache befindet sich zwischen Horm und Birgel. Sie entstand Anfang der 1950er Jahre als Klärspülteich für Rückstände aus der Blei- und Zinkerzaufbereitung des ehemaligen Tagebaus „Maubacher Bleiberg”. Der Bergwerksbetrieb ging 1969 zu Ende Rechtlicher Nachfolger wurde die Stolberger Zink AG.

Von Anfang der 1970er Jahre bis Juni 2002 betreiben dann die Dürener Kalksandsteinwerke Schenking GmbH & Co KG die Rückgewinnung von Quarzsand aus den aufgespülten Bereichen der Halde.

Krischer erinnerte am Freitag daran, dass der bisherige Eigentümer, die Stolberger Zink GmbH&Co Forsten KG gerichtlich bestätigte Auflagen nicht erfüllt hat. „Zuletzt entledigte sich das Unternehmen auf höchst ungewöhnliche Weise der lästigen Immobilie: Im Juni 2007 wurde im Amtsgericht Düren der Eigentumsverzicht ins Grundbuch eingetragen.” Die Halde ist seitdem „herrenlos”, sie gehört niemandem. So wird die Sanierung wohl auf Kosten des Steuerzahlers geschehen müssen, befürchtet Krischer.

Hans-Josef Schneider vom BUND erklärte, am Haldenfuss austretendes Sickerwasser sei stark mit Schwermetallen (beispielsweise Zink, Nickel, Kobald, Mangan) belastet. Das Wasser werde aber fatalerweise nicht gereinigt, sondern lediglich in die Halde zurückgepumpt. Und das seit zehn Jahren. Es wird vermutet, dass mit Schwermetall belastetes Wasser ins Grundwasser und in die benachbarten Bäche sickert. Das vor zwei Jahren in Auftrag gegebene Gutachten, so Krischer, „liegt im Kreis Düren immer noch nicht vor”.

Im stömenden Regen besichtigten Krischer, Schneider und die grüne Landtagskandidatin Gudrun Zentis mit Pressevertretern die Halde und versuchten, sich ein Bild der Lage zu machen. In Deutschland sei es geltendes Recht, „dass der Verursacher zur Sanierung herangezogen wird”. Das scheint tatsächlich unmöglich zu sein. Krischer kritisierte weiter, dass sich Kreis und Bergamt offenbar nicht einigen können, wer letztlich für welchen Teil des Problems zuständig ist. Als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen an den Landtag wurde im August 2008 übrigens offiziell bestätigt, dass es wegen des Grundwassers Grund zur Sorge gibt.
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