Risse auch an Dürener Häusern

Von: oha
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Peter Immekus vom Netzwerk Ber
Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter (links) und Grünen-Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer weisen auf einen dicken Mauerriss auf dem Gelände der Realschule Foto: Ottmar Hansen

Düren. Der Dürener fühlt sich in der Regel sicher: Bergschäden am Haus, wo der Braunkohlentagebau doch so weit von der Stadt entfernt ist? Das kann ja nicht sein!

Doch diese Einschätzung ist trügerisch, wie Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter bei einem kurzen Rundgang durch das Stadtviertel hinter der Realschule Wernersstraße beweist. Risse an etlichen Häusern zeigen: Da ist die Erde in Bewegung geraten!

Dass Häuser, die auf tektonischen Störzonen errichtet wurden, im Laufe vieler Jahre Risse bekommen können, ist nicht neu. Diese Schäden werden normalerweise erst im Laufe von mehreren Generationen sichtbar. „Durch den Grundwasserentzug im Umkreis der Tagebaue Inden und Hambach werden diese Bewegungen aber innerhalb kurzer Zeit ausgelöst”, erläutert Immekus. Die Folge seien Absenkungen des Haus-Fundamentes, Risse in den Wänden, Leitungsschäden, Schieflagen der Gebäude oder Mulden in der Landschaft.

„Im Radius von 25 bis 30 Kilometern rund um den Tagebau sind alle Kommunen betroffen”, weiß Immekus aus Erfahrung. Er verweist auf die Datensammlung zum Thema, die das Netzwerk Bergbaugeschädigter inzwischen zusammen getragen hat. „Die Leute meinen, sie hätten schlecht gebaut. Dabei ist der Tagebau schuld.” Auch die Realschule Wernersstraße zeigt schwere Schäden. Risse in den Wänden, andere Mauern sind so abgesackt, dass man die Fenster kaum öffnen kann.

Gleich in der Nachbarschaft, in der Van-der-Giese-Straße ist ein Reihenhaus derart beschädigt, dass es abgerissen werden muss. Das Abrisskommando sei bestellt, teilt der Führer eines zufällig vorbei kommenden Messtrupps des Bergbautreibenden RWE, von Immekus angesprochen, bereitwillig mit. Viele Häuser nebenan sind mit Messpunkten im Mauerwerk bestückt worden. Sogar die Bürgersteige. Ein sicheres Zeichen dafür, dass auch hier Bergschäden nicht ausgeschlossen werden.

Das Netzwerk Bergbaugeschädigter fordert, dass alle Stellen, an denen RWE Häuser abreißt oder Bergschäden vermutet werden, dokumentiert werden. Die Grünen haben eine Anfrage an den Stadtrat gestellt, wie viele Gebäude in Düren wohl von Bergschäden betroffen sein könnten.

„Bisher wird das alles hinter verschlossenen Türen zwischen Kommunen und RWE verhandelt”, ”, kritisiert der Grünen-Bundestagsabgeordnete, Oliver Krischer. Im Bundestag setze sich seine Partei derzeit für eine Änderung des Berggesetzes ein. Mit der Umkehr der Beweislast.

Bisher muss der Hauseigentümer beweisen, dass der Schaden an seinem Gebäude vom Tagebau herrührt. Oft eine langwierige Prozedur vor Gericht. Sollte das neue Gesetz in Kraft treten, muss der Tagebaubetreiber beweisen, dass der Schaden nicht von ihm verursacht wurde. Ein Verfahren, das beim Steinkohlenbergbau längst üblich ist.
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