Regelungswut oder Schutz? Kritik an Dürener Satzung

Von: bugi
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Eine orangefarbene Werbetafel passte nicht in die Wilhelmstraße. Foto: B. Giesen

Düren. Hat die Stadt Düren mit einer Reglementierungswut mit Schuld daran, dass in der Innenstadt so viele Ladenlokale und Büroräume leer stehen? Das glaubt jedenfalls „DN“-Leserin Traute Sommer-Otte, die sich nach unserem Artikel „Kann man Leerstand in Wohnraum umwandeln“ in der Redaktion gemeldet hat. Ihr Argument: Die Gestaltungssatzung der Stadt halte potenzielle Mieter eher aus der Innenstadt fern.

Zumindest hat Traute Sommer-Otte diese Erfahrung vor fünf Jahren selbst gemacht. Damals hatte sie in der Wilhelmstraße ein Büro eröffnet, ein Werbeschild aufgehängt und wenig später Post von der Stadt bekommen. Die Werbetafel sei eine ungenehmigte Werbeanlage, teilte man ihr mit. Sie sei zudem auch nicht genehmigungsfähig, weil die orangefarbene Tafel von der einheitlichen Gestaltung durchsichtiger Werbeschilder in dieser Straße abweiche. „Auf das Orange wollte ich damals nicht verzichten, weil ich vom Briefpapier bis zur Visitenkarte alles einheitlich gestaltet hatte“, erinnert sich Traute Sommer-Otte.

Ihr Ausweg: Sie gab ihr Büro in der Innenstadt wieder auf und zog in die Körnerstraße. Denn: „Sobald man aus der Innenstadt raus ist, hat man keine Probleme mehr.“ Das Schild hat sie damals trotzdem vorsichtshalber erst mal nur ins Fenster gestellt. Geht das zu weit, wenn eine Stadt Geschäftsleuten vorschreibt, wie Werbeschilder, Markisen oder Schaukästen auszusehen haben?

Nein, sagt Rainer Guthausen, stellvertretender Bürgermeister und gleichzeitig auch Vorsitzender der IG Düren-City. „Die Satzung haben sich ja eigentlich die Einzelhändler selbst gegeben“, erklärt Guthausen, weil sie in Zusammenarbeit mit der Stadt von einem Arbeitskreis der Cityma erarbeitet wurde. „Wir wollten erreichen, dass wir gerade im Bereich Marktplatz und Rathausvorplatz alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Stadtbild zu erhalten. Das wenige, was wir an Innenstadt im Stil der 1950er Jahre haben, müssen wir schützen“, betont Guthausen. „Nur damit können wir punkten.“

Dass die Satzung von 2005 „uns heute vielleicht in einigen Ausuferungen zu scharf vorkommt“ und überarbeitet werden müsste, gesteht Guthausen ein – er hält sie aber für grundsätzlich richtig und wichtig, weil er auch die abschreckenden Beispiele aus der Innenstadt kennt: riesige Werbebanner größerer Unternehmen in der Wirtelstraße oder zum Beispiel den Plan eines Hausbesitzers im Bereich des Kaiserplatzes, an seinem Haus von oben bis unten eine Werbetafel von zehn Metern Höhe anzubringen. „Genau das konnten wir mit dieser Satzung verhindern. Gottseidank.“

Dabei sieht man sich auch bei der Stadtverwaltung selbst gar nicht als Eingriffs- und Verbotsbehörde, wie es Pressesprecherin Margret Hanuschkin formuliert. Im Gegenteil: „Gerade für den Bereich der Gestaltungssatzung bietet es sich an, sich bei den zuständigen Mitarbeitern der Stadt vor dem Antrag beraten zu lassen.“

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