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Rechtsanwalt schrammt an der Gefängniszelle vorbei

Von: hp
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Düren. Auf weitere Zeugen konnte das Gericht verzichten, denn zur Aufklärung wurde ein ganzes Bündel an Schriftstücken vorgelegt. Bei dem Angeklagten handelte es sich um einen 43-jährigen Juristen, der bis vor etwa einem Jahr als Rechtsanwalt in Düren tätig war.

Beim Prozessauftakt vor zweieinhalb Wochen hatte er angekündigt, seine Zulassung als Rechtsanwalt freiwillig an die Anwaltskammer zurück zu geben, was inzwischen offensichtlich geschehen ist.

Der 43-jährige Familienvater, der weitgehend geständig war, zeigte sich sehr bemüht, Zusammenhänge aufzuklären. Immerhin hatte er erhebliche Geldbeträge, die für Mandanten bestimmt waren, nicht ordnungsgemäß an diese weitergeleitet. Da er erheblich verschuldet war, stopfte er, wie es sein Verteidiger beschrieb, „ein finanzielles Loch mit dem anderen“.

Im Mai 2013 war der Angeklagte wegen ähnlicher Vorwürfe in Düren zu einem Jahr und zehn Monaten sowie einem befristeten Berufsverbot verurteilt worden. Beim Berufungsverfahren am Landgericht Aachen wurde die Bewährungsstrafe auf ein Jahr und sechs Monate reduziert und das befristete Berufsverbot als Rechtsanwalt aufgehoben. Nachdem jedoch weitere Fälle von Untreue aus der Zeit zwischen Mai 2009 und Juni 2012 bekannt geworden waren, erhob die Staatsanwaltschaft erneut Anklage.

Zwei gravierende Fälle

Zwei Fälle stellten sich als besonders gravierend dar: Einem 38-Jährigen, der bei einem Unfall ein Bein verloren hatte, zahlte die Versicherung über das Geschäftskonto des Rechtsanwaltes 32.500 Euro Schmerzensgeld. Davon habe das Unfallopfer nach eigenen Angaben aber bisher nur rund 2000 Euro erhalten. Der Angeklagte räumte die Zahlungsverzögerung ein, legte dem Gericht aber Belege vor, denen zufolge er seit Oktober 2013 monatlich 500 Euro an den neuen Anwalt des 38-Jährigen überwiesen habe.

Zu den Geschädigten gehörte auch ein Rentner-Ehepaar aus der Gemeinde Niederzier, das bei einer Erbauseinandersetzung knapp 34 000 Euro erstritten, bisher aber noch keinen Cent erhalten hatte. Das Ehepaar sei zunächst immer wieder vertröstet worden, später sei der Anwalt gar nicht mehr zu erreichen gewesen. Die Forderung eines Unternehmens hat der Angeklagte zwischenzeitlich erfüllt.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft verurteilte den 43-jährigen Juristen zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Zu den Bewährungsauflagen gehört eine Ratenzahlung an das geschädigte Ehepaar von mindestens 1000 Euro monatlich, so wie es Oberstaatsanwalt Wilhelm Hubert Muckel in seinem Plädoyer gefordert hatte.

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