Düren - Raum und Licht in Stein eingefangen

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Raum und Licht in Stein eingefangen

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Raum, Licht und Flächen prägen den von Architekt Peter Kulka realiserten Anbau an das Leopold-Hoesch-Museum. Am Wochenende dürfen die Dürener zur Verabschiedung von Museumsleiterin Dr. Dorothea Eimert Einblicke in das neue und alte Museum Foto: Burkhard Giesen

Düren. Kinder müsse man irgendwann ins Leben entlassen, sagt Architekt Peter Kulka. Sein Kind steht kurz vorm Abitur, am Wochenende sind die ersten Prüfungen. Sein „Kind” ist das Leopold-Hoesch-Museum, genauer der Anbau. Es gab Zeiten, da haben sich die Dürener schwergetan mit diesem Klotz, der da hinter ihr neo-barockes Museum gesetzt wurde.

Von einem „Bunker” war gar die Rede. Verletzt so was einen Architekten? Eher nicht. Kulka weiß, was er tut. „Ich habe das Gebäude nicht gemacht, damit Besucher es von vornherein schön finden. Kunst darf auch provozieren.” Das sagt er nicht der Eitelkeit wegen. „Menschen verwechseln ein Museum nicht selten mit ihrem Wohnzimmer. Es gelten ganz andere Gesetzmäßigkeiten und Emotionen.”

Ein Museum muss auch der Funktionalität folgen. Aber nicht nur. Eine Vorlage für den von Anfang an vorgesehenen Anbau gab es natürlich nicht. Also hat Kulka den Anbau mit den Mitteln und Anforderungen der heutigen Zeit interpretiert. Er hat große Räume geschaffen, die unterteilbar sind, die wandelbar und vielseitig nutzbar sind. „Man muss der Kunst Raum lassen, dann kann ein Museum auch zur âguten StubeÔ werden”, sagt Kulka.

Architekten sprechen gerne von einem Dialog der Gebäude. Bei Kulka ist es der Dialog von Alt und Neu, vom Neo-Barock zum „radikal minimalistischen Gebäude”, wie er seinen Anbau beschreibt, getrennt und verbunden gleichermaßen durch eine Fuge. Der Wechsel von Alt nach Neu erfolgt auch für den Besucher manchmal unmerklich. Die Formensprache des Altbaus wird im Übergang noch aufgegriffen, und das bis ins Detail. Der in Teilen wieder entdeckte Terrazzoboden wurde ergänzt und führt den Besucher in die Großzügigkeit des Neubaus.

Dass Kulka auch Wert auf Tradition gelegt hat, erschließt sich im Detail. Die Fläche spielt bei ihm eine große Rolle, ebenso Ausblicke. Und das Licht. Zwei neun Meter hohe Lichthöfe setzen Zeichen. Der Ausblick auf den Turm der Annakirche im Obergeschoss ist bewusst gewählt, die wenig durchbrochene Fläche des Anbaus ebenfalls. Sie ist der Bezug zu den das Stadtbild prägenden Gebäuden wie Marien- und Annakirche und dem Rathaus.

„Düren ist in den 50er Jahren besser aufgebaut worden als in den 70ern”, sagt er an anderer Stelle und will damit auch deutlich machen, dass die richtige Formensprache in der Architektur eben nicht abhängig ist vom Geld, das zur Verfügung steht. Die Zeit spielt aber eine Rolle, wer wie Kulka heute die Aufbauleistung in den 50ern würdigt, weiß auch folgenden Satz von ihm zu schätzen: „Gebäude müssen in die Stadt reinwachsen. Das kommt erst mit der Zeit.” Was für das Gebäude gilt, wird auch für den Vorplatz gelten, dessen Neugestaltung durch Kulka noch aussteht.

Insofern ist sein Kind „Museum” noch nicht ganz in die Mündigkeit entlassen. Hier geht er weit weniger radikal vor. Die hügelige Landschaft im Vorfeld soll verschwinden, ein ebener Rasenplatz entstehen, auf dem man sich im Sommer aufhalten kann, abgeteilt davon eine Fläche, die für Veranstaltungen zur Verfügung steht. Kulka widersteht der Versuchung, ein neues Stadtzentrum zu schaffen.

Am Wochenende gibt es das erste Öffnungsfest des Museums. Die eigentliche Eröffnung folgt im März. Samstag, 19. Dezember: Führung mit Architekt Peter Kulka (18 Uhr). 18.45 Uhr: Artists Anonymous präsentieren Soziale Skulpturen. 19.30 Uhr: Installation von Rochus Aust und visuelles Konzert „Liebesnachtmahl”. Bis 23 Uhr: ArtClubbing inszeniert Lichtskulpturen.


Sonntag, 20. Dezember: Musik und Festreden um 12 Uhr. Samstag und Sonntag um 11, 13, 15 und 17 Uhr: Video- und Licht-Installation. 11 und 16 Uhr: Dokumentationen zum Werk von Peter Kulka. Tagsüber: Elektronische Musik im Herbert-Eimert-Raum.

Öffnungszeiten: Interimsöffnung bis 10. Januar täglich 11 bis 18 Uhr (außer 24., 25. und 31. Dezember).
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