Vossenack - Rasende Biker in der Eifel: Panoramastraße sperren?

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Rasende Biker in der Eifel: Panoramastraße sperren?

Von: Sarah Maria Berners
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Panoramastraße Grafik
Zwischen Vossenack und Schmidt verläuft die Panoramastraße. Grafik: ZVA, Karte: maps.com
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Panoramastraße: Eine Bürgerinitiative fordert schon länger ein Handeln der Politik. Foto: Stollenwerk

Vossenack. „Am liebsten möchte ich die Raser von der Panoramastraße weghalten, die anderen Motorradfahrer aber nicht bestrafen“, sagt Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU). „Wenn dieser Spagat nicht funktioniert, dann muss die Schließung der Strecke für Motorräder ein denkbares Mittel sein.

Lärm ist eine Seuche der Menschheit, und die Anwohner sind die Opfer des pervertierten Freizeitverhaltens einiger Motorradfahrer.“ Klare Worte – und Spelthahn hat versprochen, dass er den Anwohnern Lösungen bieten wird.

Aber er steht vor einem Dilemma: Die Eifel ist Tourismusregion, und auch die Biker gehören zur Kundschaft. „Viele von ihnen wollen wir ja auch gerne als unsere Gäste haben“, sagt etwa Nideggens Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos). Aber da sind eben auch die Motorradfahrer, die den Anwohnern seit Jahren Kopfschmerzen bereiten, die die kurvigen, abschüssigen Eifelstrecken für Rennen nutzen, sich filmen und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen.

Die Sperrung der Strecke würde beide treffen. Die vielen anständigen und die wenigen rücksichtslosen Biker, die gern gesehenen und die schwarzen Schafe. Deswegen ist Spelthahn hin- und hergerissen. Aber bisher haben Tempokontrollen, Kampagnen und Appelle an die Vernunft der Motorradfahrer keine langfristige Linderung für die Anwohner gebracht. Und mit Schrecken sehen diese schon der neuen Saison entgegen.

Anfang März kommt wieder ein Runder Tisch aus Politik und Behörden zum Thema zusammen. „Zum Beginn der Saison wollen wir Klarheit haben“, sagt Spelthahn. Tempokontrollen stehen weiter auf der Liste. Aber am liebsten wären Spelthahn bauliche Lösungen, die den Rasern der Spaß verderben, den anderen Motorradfahrern das genussvolle Fahren jedoch immer noch ermöglichen. Touristen würden bleiben, die Raser weiterziehen.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW sieht jedoch keine baulichen Lösungen für das Problem. „Wir dürfen ja nicht einfach Hindernisse in den Weg setzen“, erklärt Alfred Sebastian, Abteilungseiter Betrieb und Verkehr in Euskirchen. Und eine Mitteltrennung sei wegen der geringen Straßenbreite von 6,50 Metern nicht möglich. „Der Winterdienst und Schwertransporte kommen dann nicht mehr zurecht“, sagt Sebastian. Auch eine Sperrung sieht er kritisch. „Die Probleme verlagern sich dann“, sagt er. Und in der Nachbarkommune Simmerath gebe es ja ohnehin schon dieselben Probleme. Rüttelstreifen, die der Landesbetrieb dort angebracht hat, zeigen übrigens keine Wirkung.

Straße für Motorräder sperren

Wenn Kontrollen und bauliche Maßnahmen keine Lösung bringen, dann würde Spelthahn sich nicht scheuen, das letzte Mittel zu wählen und die Straße für Motorräder zu sperren. Um das zu begründen, gebe es zwei Möglichkeiten: Die Sperrung einer Straße aufgrund einer Gefahrenlage, also wegen vieler Unfälle, ist schon durchgesetzt worden. Bislang ist die Panoramastraße von der Polizei aber nicht als Unfallhäufungsstelle eingestuft. Allerdings laufen die Auswertungen der Unfälle aus dem vergangenen Jahr.

Die zweite Möglichkeit ist die Sperrung aus Lärmschutzgründen. Auf diesen Präzedenzfall würden in Deutschland derzeit viele Städte und Gemeinden, die ähnliche Probleme haben, warten, weiß Spelthahn. Und er wäre bereit, eben diesen Präzedenzfall zu schaffen. Aber: „Die Sperrung einer Straße aus Lärmgründen ist juristisch sehr komplex“, sagt der Jurist und erklärt: „Bei der Lärmbelastung wird in der Regel von Durchschnittswerten, nicht aber von den Spitzen zu bestimmten Zeitpunkten ausgegangen.“ Daher sei die durschnittliche Belastung bei den Motorradstrecken ein „stumpfes Schwert“, weil die Motorradfahrer eben nur zu bestimmten Zeiten Krach machen, es zu anderen Zeiten im Tal aber völlig ruhig ist.

Spelthahn und seine Mitarbeiter befassen sich daher mit Urteilen aus Baden-Württemberg, die Möglichkeiten eröffnen würden, aber bislang noch nie angewendet worden seien. Allerdings, sagt Spelthahn, sei in diesem Fall aus der Bikerszene gewiss mit einer Klage zu rechnen. Deswegen würden derzeit beim Straßenverkehrsamt detaillierte juristische Prüfungen laufen. Die Gemeinde Hürtgenwald, die Polizei, der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Anwohner würden gehört. „Wir müssen einen möglichen Erlass rechtssicher gestalten“, sagt Spelthahn. „Es würde keinem helfen, wenn der Erlass vor Gericht keinen Bestand hätte.“

Resolution für Sperrung im Gemeinderat

„Die Gemeinde Hürtgenwald fordert die sofortige Sperrung der Panoramastraße“, heißt es in einer Resolution, die der Rat am Donnerstag, 22. Februar, 19 Uhr, diskutieren wird.

„Die durch den Motorradlärm hervorgerufene Belastung der unmittelbar aber auch mittelbar angrenzenden Anwohner ist nicht mehr zumutbar“, heißt es in dem Entwurf. In der Resolution ist von Fahrten mit „rennähnlichem Charakter“ die Rede und von den Schaulustigen, die die Rennen verfolgen. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung der Anwohner könne nicht ausgeschlossen werden. „Hinzu kommt die damit einhergehende Vergrößerung der Fälle, die eine unverantwortliche Rücksichtslosigkeit für Schwächere im Straßenverkehr darstellen. Raserei bedeutet einerseits Lärm, andererseits aber auch Gefährdungen im Straßenverkehr.“

Die Bürgerinitiative aus rund 20 Vossenacker Anwohnern der Panoramastraße hatte im vergangenen Jahr die Resolution mit einem Schreiben an die Gemeinde Hürtgenwald angestoßen.

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