Publizist Jürgen Grässlin: „Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge“

Von: gkli
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Der Pädagoge, Publizist und Friedensaktivist Jürgen Grässlin hielt in der Marienkirche einen Vortrag, der den Titel „Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge“ trug. Foto: gkli

Düren. „Nicht das Parlament entscheidet, nicht die Öffentlichkeit, wenn es um Waffengeschäfte in Deutschland geht“, sagte Jürgen Grässlin bei einem Vortrag in der Dürener Marienkirche. Stattdessen seien es Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vize-Kanzler Siegmar Gabriel und sieben weitere Minister, die ihren Daumen heben, wenn es um die Milliardentransaktionen gehe.

Grässlin: „In der Regel wird den Geschäften zugestimmt, die Bevölkerung erfährt davon höchstens mal im Nachgang.“ Was der Pädagoge, Publizist und Friedensaktivist Jürgen Grässlin während des Vortrages „Wer Waffen sät, erntet Flüchtlinge“ vor rund 70 Zuhörern im Rahmen der Reihe „Forum Politik“ von sich gab, war deutlich.

Geheimgremien beschließen

Der Referent machte die Bundesregierung mit dafür verantwortlich, dass Menschen in Staaten, die Menschenrechte verachten, mit modernsten Waffen aufeinander losgehen, sich gegenseitig zerstümmeln und niedermetzeln – Erwachsene wie Kinder und Babys gleichermaßen. Grässlin: „Deutschland ist Europameister beim Waffenhandel. Deutsche Rüstungskonzerne wie Daimler, Airbus/EADS, Krauss-Maffei Wegmann, Rheinmetall, Diehl Defence, Heckler & Koch oder Thyssen Krupp Marine Systems würden bestens am grenzenlosen Export ihrer Waffensysteme verdienen.

„Die Verantwortung dafür tragen Politik und Rüstungsindustrie“, so Grässlin. Besonders brisante Fälle würden geheim im Bundessicherheitsrat bewilligt, sagt der Friedensaktivist, etwa der Verkauf der Leopard-2-Kampfpanzer in alle Welt oder die Schenkung von U-Booten im Wert von Milliarden an den Staat Israel. Kein Dieselmotor, sondern Brennstoffzellen treiben diese modernen U-Boote „made by Thyssen-Krupp“ an. Das habe zur Folge, dass diese Großkriegsgeräte kaum noch geortet werden könnten. Laut Grässlin würden zudem nicht nur einzelne Länder, sondern auch die Kontrahenten beliefert. Grässlin: „Klasse ist das natürlich für die Rüstungsfirmen.“

Kein gutes Haar ließ der Referent an den Politikern, speziell an Angela Merkel, die sich auf der einen Seite hinstellen und die armen Menschen bedauern würde, auf die sich die Waffen richten, auf der anderen Seite aber dafür sorge, dass diese Waffen exportiert werden. Grässlin: „Bisher sind alle Versuche gescheitert, Waffenhandel mit Einzelmaßnahmen zu begrenzen. Schlimmer noch: Ein Netzwerk von Rüstungsunternehmen und Kontrollbehörden arbeitet beim Waffenhandel, selbst bis hin nach Mexiko, eng zusammen.“ Wie der Referent berichtet, ist er selber dauerhaft Zielscheibe der Rüstungskonzerne, die auf unterschiedliche Weise versuchen, ihn mundtot zu machen. Allerdings lässt sich der in Freiburg aufgewachsene Freigeist nicht zurückhalten. Er publizierte bereits Bücher wie „Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Waffenindustrie und Behörden“ oder „Schwarzbuch Waffenhandel“. 2011 erhielt er den Aachener Friedenspreis.

Das „Forum Politik“ ist ein Zusammenschluss parteiunabhängiger Kooperationspartner, die lokale und regionale politische Themen in einer breiten Öffentlichkeit diskutieren möchten. Kooperationspartner sind die Familienbildungsstätte im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren, die Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich, der Regionale Katholikenrat für die Region Düren, das Katholische Bildungsforum, die BUND-Kreisgruppe Düren sowie der DGB-Kreisverband Düren.

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