Düren - Prozess gegen Spelthahn: Weiter offener Ausgang

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Prozess gegen Spelthahn: Weiter offener Ausgang

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Jede Menge Akten: Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben sich akribisch auf den Prozess im Dürener Amtsgericht vorbereitet. Foto: Ingo Latotzki
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Der Richter und seine beiden Schöffen: Dr. Stephan Ebeling (Mitte) mit Peter Pekart und Kurt Dickmeis (rechts).

Düren. So einen Arbeitstag hat Wolfgang Spelthahn selten. Siebeneinhalb Stunden einfach nur dasitzen, zuhören – und nichts sagen. Fast nichts. Sonst sieht das anders aus, natürlich. Am Freitag sitzt der Landrat des Kreises Düren auf der Anklagebank im Amtsgericht, das ist sicher das Ungewöhnlichste an seinem Arbeitstag, auch wenn der 50-Jährige Ähnliches bereits am Dienstag dieser Woche erlebt hat – beim ersten Verhandlungstag.

Da dauerte das Ganze sogar zehn Stunden. Mit dem Unterschied allerdings, dass Spelthahn reden konnte.

Eine Dreiviertelstunde lang hat er erklärt, dass er sich für unschuldig hält und davon ausgeht, frei gesprochen zu werden. Spelthahn ist angeklagt, weil ihm die Staatsanwaltschaft Aachen vorwirft, er habe dem damaligen Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschafts- und Strukturförderung (GWS) Zusatzzahlungen zu seinem Gehalt bewilligt, die ihm nicht zustanden.

Dieser Ex-Geschäftsführer heißt Michael Müller und ist mitangeklagt. Er verlebte deshalb einen ähnlichen Arbeitstag wie Spelthahn: siebeneinhalb Stunden dasitzen, zuhören und schweigen. Auch Müller hatte sich in der Sache am Dienstag schon geäußert, auch er hält sich für unschuldig und sagt, der Dürener Landrat habe ihm die Tantiemen bewilligt, weshalb er sie sich im einen oder anderen Fall schon mal vorab als Abschlagszahlung auszahlen ließ. Spelthahn bestreitet das und sagt, Müller habe sich diese Abschläge eigenmächtig und ohne Rücksprache überweisen lassen.

Nun werden zwischen 45 und 50 Zeugen gehört, an insgesamt sechs bislang geplanten Verhandlungstagen, am Freitag waren es neun Zeugen. Sie sollen Licht ins Dunkle bringen, klar, und ging es in erster Linie darum, inwieweit Aufsichtsratsmitglieder der GWS Bescheid wussten über Tantiemen für Müller – oder ob sie eben auch nicht Bescheid wussten.

Ohne vorschnell zu urteilen, darf man wohl sagen: Noch ist nicht verlässlich absehbar, wie dieses Verfahren ausgeht. Darauf machte bereits am Dienstag ganz zu Beginn der Vorsitzende Richter Dr. Stephan Ebeling aufmerksam, als er sagte, alles sei möglich: Freispruch, Einstellung des Verfahrens, Verurteilung.

17 Stunden Verhandlung

Ebeling, Jahrgang 1967, kommt bei dem Prozess naturgemäß eine entscheidende Rolle zu, genau wie den beiden Schöffen, die mit ihrem Urteil den Ausgang der Verhandlung beeinflussen werden. Sie alle brauchen eine gute Konzentrationsfähigkeit, weil sie an den beiden Tagen bisher nicht nur mehr als 17 Stunden dabei waren, sondern weil sie vor allem auch noch aufmerksam zuhören müssen.

Vor ihnen auf den Pulten liegt indes kein Traubenzucker, um leere Speicher mit neuer Energie zu füllen, sondern jede Menge Akten. Monate lang ist dieser Prozess vorbereitet worden, akribisch haben die Behörden Protokolle, etwa von Aufsichtsratssitzungen, oder Vermerke ausgewertet und dokumentiert. Das gilt selbstredend für die Verteidiger von Spelthahn und Müller, das gilt, vor allem, wenn es um die Konzentrationsfähigkeit geht, auch für die Gerichtsschreiberin, die ununterbrochen am Computer protokolliert.

20, 30 Zuschauer

Natürlich gibt es zwischendurch wenige kurze Pausen zum Verschnaufen. Man öffnet die Fenster und lässt ein bisschen von der mittlerweile milderen Frühlingsluft in den Gerichtssaal. Der ist gar nicht so voll wie man vielleicht hätte erwarten können. Auf den Zuschauerbänken sitzen 20, 30 Leute, vormittags jedenfalls. Am Nachmittag lichten sich die Reihen. Und auch das Interesse der Medien hätte manch einer womöglich höher eingeschätzt, natürlich ist die lokale und regionale Presse im Amtsgericht, das ist es aber auch. Mag sein, dass sich das im Verlauf noch ändert, mindestens vier Verhandlungstage stehen noch an.

Vermutlich wird Richter Ebeling dann weiter mit fester Hand durch den Prozess leiten. Zuschauer-Zwischenrufe, die vereinzelt aufkommen, unterbindet er sofort, mehrfach weist er darauf hin, dass niemand die Verhandlung mit seinem Smartphone aufnehmen dürfe. Als ein Jugendlicher mit Mütze den Saal betritt, fordert er den jungen Mann sogleich auf, seine Kopfbedeckung abzunehmen. Auch für Richter Ebeling dürften die beiden ersten Verhandlungstage diese Woche besondere Arbeitstage gewesen sein. Ein Landrat ist nicht jeden Tag angeklagt.

Weitere Berichte zum Thema lesen Sie am Freitag in der Print-Ausgabe und im E-Paper.

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