Protest gegen Sparvorschläge

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Die Stadt Düren muss bis 2014 sparen. Der Stadtjugendring befürchtet erhebliche Einschnitte. Deshalb machten vor dem Museum rund 200 Kinder und Jugendliche auf sich aufmerksam.

Düren. Betretene Gesichter. Viele haben den Blick auf die Tischplatte gerichtet. Die Verwunderung, vielleicht sogar das Entsetzen sind mit Händen zu greifen. Irgendwann fragt der SPD-Fraktions-Vorsitzende Henner Schmidt: „Meinen Sie das wirklich ernst?”

Helmut Harperscheidt meint das ernst. Der Leiter des Amtes für Gebäudemanagement trägt eben vor, wie sein Haus die geforderten knapp sechs Prozent einsparen kann. Es geht um rund 700.000 Euro.

Harperscheidt ist gut vorbereitet, er unterlegt seine Vorschläge mit Zahlen. „Die Grundschulen in Niederau und Birgel schließen”, sagt er. Die Rurtalhalle in Lendersdorf aufgeben, auch die Mehrzweckhalle in Merken. Die Realschulen Bretzelnweg und Nord zusammenlegen. Das ist nur ein Auszug aus der Streichliste, die der Finanzausschuss auf seiner Sitzung im Hoesch-Museum zu hören bekommt.

„Und nun bin ich zum Abschuss frei”, sagt Amtsleiter Harperscheidt zum Ende seiner Ausführungen.

Das lockerte die Stimmung ein wenig. Die einzelnen Parteisprecher dankten Harperscheidt für seine „schonungslose Offenheit”. Sie lobten, dass er Tabus angesprochen habe und „unangenehme Wahrheiten”, wie CDU-Fraktionschef Karl-Albert Eßer sagte. Sein SPD-Kollege Henner Schmidt meinte, nun sei klar, wie tiefgreifend die Krise sei, wenn über Schulschließungen nachgedacht würde. Nun, so betonten die Politiker, müsse über alles in Ruhe nachgedacht werden. Freilich klang durch, dass niemand daran denkt, eine Schule zu schließen.

Auch Jugendamtsleiter Manfred Savelsberg rechnete vor, wie groß seine finanzielle Not ist. Immer mehr Kinder müssten im Heim untergebracht werden. Um das zu verhindern, sei mehr Personal nötig, das vorbeugend tätig sei. Am Ende sei dadurch Geld zu sparen. Nicht nur die Parteien, auch Kämmerer Sievers sagte, darüber könne geredet werden, wenn Savelsberg ein Erfolg versprechendes Konzept vorlegen könne.

Als der Jugendamtsleiter seinen Vortrag hielt, war es vor dem Museum wieder still. Vor der Sitzung hatte der Stadtjugendring angesichts drohender Sparmaßnahmen rund 200 Kinder und Jugendliche mobilisiert, die ihren Protest zum Ausdruck brachten.

„Vergesst uns nicht”, raunte ein Mädchen den Sitzungsteilnehmern zu, bevor sie Platz nahmen und kurz darauf die Tischplatte kaum mehr aus den Augen ließen. Amtsleiter Harperscheidt legte seine Sparliste vor.
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