Pop-Künstler Charles Fazzino: „Meine Bilder feiern das Leben“

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Pop-Artist Charles Fazzino kommt nach Heimbach.
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„Mobiltelefone haben eine zentrale Rolle in unserem Leben übernommen, vielleicht eine zu zentrale“, sagt der New Yorker Pop-Künstler Charles Fazzino, der derzeit in Heimbach ausstellt.

Heimbach/New York. Tausende Menschen haben die Ausstellung des Pop-Künstlers Charles Fazzino in der Internationalen Kunstakademie in Heimbach bereits gesehen. Zum Abschluss der Ausstellung kommt der New Yorker kommende Woche in den Kreis Düren. DZ-Redakteurin Sarah Maria Berners hat vorab per E-Mail ein Interview mit dem 59-Jährigen geführt.

Herr Fazzino, fehlende Geduld ist eine Schwäche vieler Menschen. Wer so ins Detail geht, wie Sie in Ihren Werken, muss ein geduldiger Mensch sein, oder?

Fazzino: In manchen Dingen bin ich geduldig, in anderen nicht. Ich glaube, dass alle Künstler ins Schlingern geraten, wenn sich ein Bild nicht gleich vor ihren Augen aufbaut. Ich arbeite für gewöhnlich schnell, und kann ungeduldig werden, wenn es nicht fluppt.

Auch wenn man Ihre Bilder stundenlang angeschaut hat, entdeckt man immer noch etwas Neues. Und das in einer Welt, die immer schneller, lauter und hektischer wird. Wie passt das zusammen?

Fazzino: Das ist eine gute Beobachtung. Von Sammlern, an deren Wänden meine Werke seit Jahren hängen, höre ich häufig, dass sie noch immer etwas Neues entdecken. Ich möchte, dass die Menschen für eine Minute innehalten und die Welt um sich herum bewusst wahrnehmen und schätzen – auch die kleinen Details.

Haben Sie als Kind gerne gepuzzelt?

Fazzino: Nein, das habe ich nicht. Ich habe aus Zinn gegossene Tiere und Zinnsoldaten gesammelt.

Wie sind sie auf die Idee gekommen, Ihre Kunstwerke um eine Dimension zu erweitern?

Fazzino: Ich habe schon als Kind „Pop-up“-Bücher geliebt. Meine Mutter hatte sie für mich gekauft, ich war fasziniert davon. Und ich bin noch immer begeistert, wenn ich sehe, wie meine Kunstwerke in drei Dimensionen aussehen. Ich möchte mehr Details, mehr Schichten und mehr Spannung in meinen Arbeiten.

Angefangen haben Sie mit stinkendem Klebstoff auf dem Küchenboden. Heute haben Sie ein großes Atelier mit Angestellten. Wie hat sich der Entstehungsweg eines Charles-Fazzino-Werks verändert?

Fazzino: Es ist lange her, das meine Frau und ich mit Kleber und Schere auf dem Boden gearbeitet haben. Aber der Prozess ist heute eigentlich noch immer so wie damals. Ich beginne mit einer Bleistiftskizze meiner ersten Idee. Anschließend wird das Bild in einem Siebdruckverfahren reproduziert. Alle Teile werden noch immer mit der Hand ausgeschnitten und aufgeklebt. Es sind nur mehr Hände im Spiel.

Die Welt in Ihren Bildern ist bunt, leuchtend und voll Freude. Ist das der Ausdruck einer Emotion oder eine rationale Entscheidung?

Fazzino: Es ist ein bisschen von beidem. Ich möchte, dass die Menschen, die meine Arbeiten anschauen, lächeln und glücklich sind. Meine Bilder sind fröhlich und feiern das Leben. Das ist der Grund, warum ich solche leuchtenden und schönen Farben wähle. Die Welt ist voll davon. Ich sehe die Welt aber realistischer, als ich sie in meinen Kunstwerken manchmal darstelle.

In einem Ihrer Bilder sehen wir eine große Stadt, die von „menschlichen Mobiltelefonen“ bevölkert wird. Was ist Ihre Botschaft?

Fazzino: Dieses Bild kommentiert die Verwandlung in eine technologisierte Gesellschaft. Jeder läuft mit dem Mobiltelefon in der Hand herum. Irgendwann werden wir womöglich selbst zu Telefon-Geräten. Sie haben eine so zentrale Rolle in unserem Leben bekommen, vielleicht eine zu zentrale.

Vor Kurzem haben Sie die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf besucht. Welche Künstler mögen Sie?

Fazzino: Ich besuche die Museen der Städte, in die ich reise, immer. Es ist inspirierend, und es ist für mich eine Bestätigung, dass das, was ich tue, wichtig ist. Meine Lieblingskünstler sind viele der klassischen Künstler wie Pablo Picasso. Echte Inspiration sind Red Grooms (ein amerikanischer Multimedia-Künstler – Anm. d. Red.) und andere Pop-Künstler wie Keith Haring und Roy Lichtenstein.

Sie haben auch Objekte wie Helme und Bälle für den Super Bowl kunstvoll gestaltet. Wie passen Kunst und Sport zusammen?

Fazzino: Es ist wirklich verblüffend, wie eng Sport und Kunst miteinander verbunden sein können. Sport – das bedeutet Erlebnisse, Emotionen, Spannung. Aber diese währen oft nur für einen Augenblick. Die Kunst eröffnet uns die Möglichkeit, diese Dinge für immer einzufangen. Immer wenn Sie ein Sport-Kunst-Objekt anschauen, erinnern Sie sich an ihre Gefühle, die Emotionen und die Erlebnisse, die mit diesem Objekt verbunden sind. Darum geht es mir.

Ist der Pop eine Stilrichtung, die in der Lage ist, auch Menschen, die sich nicht generell für Kunst begeistern, an die Kunst heranzuführen?

Fazzino: Manchmal ja, manchmal nein. Pop-Art ist leicht zugänglich und es bereitet Freude, sie sich anzuschauen. Sie zieht auch viele Menschen an, die gar nicht daran denken, dass sie sich für Kunst interessieren könnten. Aber Pop-Art zieht auch viele ernsthafte Kunstsammler an, weil sie einzigartig ist und eine starke Botschaft hat.

Warum haben Sie sich entschieden ihre Werke in einer so kleinen Stadt zu zeigen?

Fazzino: Heimbach hat mich ausgewählt und ich fühlte mich sehr geehrt, als die Verantwortlichen mich fragten, ob ich eine Ausstellung zusammenstellen würde. Es ist etwas besonders, dass meine Werke in dieser schönen Burg gezeigt werden. Die Ausstellung ist eine Retrospektive, die einen Überblick über meine Arbeit gibt. Ich bin sehr gespannt.

Im Rahmen Ihrer Ausstellung gibt es einen Wettbewerb für Schüler. Generell ist Ihnen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wichtig – was bereitet Ihnen daran Freude?

Fazzino: Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten und zu sehen, wie diese künstlerisch tätig sind. Es ist so wichtig, Kinder mit Kunst in Berührung zu bringen. Kunst fördert die Kreativität und eine ganz andere Art zu denken. Sie ermutigt unsere Kinder, aufmerksam zu sein und Dinge auszuprobieren. Für Kinder sind diese Fähigkeiten und Eigenschaften wichtig, um sich in positiver Weise in die Gesellschaft und ihre Umwelt einzubringen. Ich mag es, wie die Augen der Kinder leuchten, wenn sie etwas Neues geschaffen haben.

Für die Ausstellung in Heimbach haben sie ein Bild über den Kreis Düren geschaffen. Ist es Ihnen schwergefallen, etwas abzubilden, was Sie noch nie gesehen haben?

Fazzino: Es war nicht allzu schwer, diese Arbeit zu entwerfen. Ich bin so vertraut mit Landschaften in Deutschland, und die Organisatoren haben mir Material zur Verfügung gestellt. Also habe ich versucht, mich in diese Region zu versetzen und ich habe nachgedacht, wie sich das wohl anfühlt. Ich habe mir vorgestellt, mit dem Rad durch die Natur zu radeln, die Burg zu besichtigen und die Menschen zu treffen. Der Kreis Düren scheint ein schöner Flecken Erde zu sein. Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen.

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