Polizist vom Vorwurf des Diebstahls freigesprochen

Von: mv
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Düren. Bei einem Einsatz im Mai vorigen Jahres mussten ein Polizist und eine Polizistin die Wohnung einer alten Dame durchsuchen.

Dabei seien, so meinte danach die Polizistin, 70 Euro aus der Brieftasche der Seniorin verschwunden. Ihr Kollege (46) musste sich am Donnerstag wegen Diebstahls im Amt vor dem Schöffengericht verantworten. Und weil er bei seinem Einsatz - wie üblich - eine Waffe trug, wog der Vorwurf besonders schwer.

Der Angeklagte ist seit jenem Tag vom Dienst suspendiert. Er wies vor Gericht alle Vorwürfe von sich und schilderte den Einsatz: Abends sei man zu einem Haus in der Aachener Straße gerufen worden. Dort wurde eine alte Dame blutüberströmt im Keller liegend gefunden. Weil niemand die Frau erkannte, habe man die Schlüssel, die sie bei sich hatte, genommen und siehe da: Einer passte auf die Haustüre. Mit einem weiteren Schlüssel der bewusstlosen Frau schloss man eine Wohnungstüre auf und machte sich innen auf die Suche nach Hinweisen zur Identität der Bewohnerin.

Zuerst schaute die Polizistin in die Handtasche und die Brieftasche der Frau, so sagte sie vor Gericht aus, während ein halbes Dutzend Kollegen in den Zuschauerbänken Platz genommen hatte.

Beim ersten Mal habe sie einen Fünfzig-, einen Zwanzig- und einen Zehn-Euro-Schein gesehen. Auch der Kollege habe die Brieftasche durchsucht. Dann, so die Zeugin, habe der Notarzt im Keller die Krankenkarte der Schwerverletzten verlangt. Beim zweiten Suchen in der Brieftasche, so fiel der Polizistin später auf, als sie im Auto saß, waren zwei Scheine aus der Brieftasche verschwunden. Und in der Hosentasche des Kollegen habe es geraschelt und geknistert.

Geschockt habe sie sich ihrem Vorgesetzten anvertraut. Daraufhin musste sich der Verdächtige bis auf die Unterhose ausziehen, seine Kleidung, sein Spind wurden durchsucht, sein Haus, seine Garage, sein Auto, ebenfalls. Das Geld wurde nicht gefunden. „Gott sei Dank habe ich nur Fünfziger und keinen Zwanziger im Haus”, soll er vor der Durchsuchung gesagt und sich damit nach Einschätzung des Staatsanwaltes selbst verraten haben.

Die Stückelung der Summe konnte ihm nicht bekannt sein, „es hätten auch sieben Zehner sein können”. Entsprechend forderte der Staatsanwalt eine Strafe von 18 Monaten auf Bewährung.

Richter Hans-Georg Wingen und die beiden Schöffen konnten dem Staatsanwalt in seiner Argumentation nicht folgen, obwohl der Angeklagte überschuldet und früher bereits einmal aufgefallen war. Es gebe „keine direkten Beweise” und deshalb lautete das Urteil: Freispruch.
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