bullyparade kino freisteller bully herbig tramitz kavanian

Polizei setzt Rasern auf Motorrad nach

Von: Dietmar Engels
Letzte Aktualisierung:

Düren. Es ist nicht zu fassen: Drei Motorradfahrer brettern über eine schmale, kurvenreiche Straße in der Rureifel.

Sie fahren 120 statt der erlaubten 50 Stundenkilometer, überholen sich gegenseitig, ziehen selbst in den unübersichtlichsten Kurven an Autos vorbei. Wenn jetzt jemand entgegen käme.

Was da auf einem Computermonitor zu sehen ist, ist nicht etwa eine Verfolgungsjagd aus irgendeinem stumpfsinnigen Action-Film. Es ist - leider - eine Situation, wie sie Polizeihauptkommissar Volker Heinen immer wieder erlebt. Sein Motorrad - 110 PS, 20 Kilo schwer - ist mit einer Videoanlage ausgestattet. Während der 49-Jährige den Rasern nachsetzt, filmt er sie und stellt sie an geeigneter Stelle - meistens in der nächsten Ortschaft.

Ausreden haben dann überhaupt keinen Zweck. Heinen öffnet den Behälter rechts hinten an seiner „Provida”-Maschine und führt den Übeltätern an Ort und Stelle vor, wie sie in den letzten Minuten sich und andere in Lebensgefahr gebracht haben. „Manch einer kann es selbst kaum glauben, was er da sieht”, berichtet der Polizeibeamte. Um an das Beweismaterial zu kommen, dass wegen der geeichten Anlage auch gerichtsverwertbar ist, begibt sich Heinen selbst in Gefahr.

Aber keine Angst: Er ist für diese Aufgabe wochenlang geschult worden und musste nach dreijähriger Praxis auf einem „normalen Polizeimotorrad seine besondere Eignung für den riskanten Job bei Prüfungen, psychologischen Tests und vielem anderen mehr unter Beweis stellen. Wichtig auch: Er kennt die Strecken, auf denen er unterwegs ist, ganz genau. Das kann man von den meisten ertappten Rasern (wozu übrigens auch Autofahrer zählen) meistens nicht behaupten. „Die meisten kommen von weit her und kennen sich hier nicht wirklich aus. Umso unverantwortlicher ist es, mit dem Motorrad oder auch dem Auto bis an die Grenzen zu gehen”, betont Heinen, der sich auf dem „Provida” mit den Kollegen Gerd Königs und Markus Valder abwechselt.

Die Anschaffung des rund 35.000 Euro teuren Motorrads hat sich für die Polizei längst bezahlt gemacht. Nicht nur, weil die überführten Raser bis zu 1200 Euro Bußgeld, vier Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot riskieren. „Seit wir die Maschine einsetzen und viele weitere Überwachungsmaßnahmen durchführen, sind die Unfallzahlen insbesondere mit Beteiligung von Kradfahrern deutlich zurückgegangen”, freut sich Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Hamacher, Leiter des Verkehrsdienstes bei der Behörde. Letztes Jahr waren es „nur” 85 Kradfahrer die bei Unfällen verletzt wurden. Zwei Biker wurden getötet. Beide Zahlen lagen in den Vorjahren bis zum Doppelten höher.

„Über 90 Prozent der Kradfahrer verhalten sich vernünftig. Die zehn Prozent, die aus dem Rahmen fallen, machen uns aber sehr zu schaffen”, sagt der Erste Polizeihauptkommissar Heinz Bellen, Leiter der Führungsstelle bei der Polizeidirektion Verkehr. „Wir werden deshalb insbesondere auch mit den repressiven Maßnahmen fortfahren, ohne dabei die Prävention aus den Augen zu lassen.” Zwar sei für dieses Jahr bisher keine große Aufklärungsaktion in der Rureifel geplant, doch werde die Polizei zum Beispiel im Rahmen der Großveranstaltung „Helfer im Einsatz” am 24. Mai auf dem Annakirmesplatz das Gespräch mit den Bürgern suchen und auf vielfältige die Gefahren unverantwortlichen Verhaltens deutlich machen.

An zwei Stellen kracht es besonders oft

Erklärtes Ziel der Polizei ist, die Zahl der Verkehrsunfälle und deren Folgen zu minimieren. Ein Hauptaugenmerk gilt dabei Bereichen, in denen es besonders „häufig” kracht.

Was die Kradfahrer anbelangt, gibt es in der Rureifel zwei besonders auffällige Unfallhäufungspunkte: Die Serpentinenstrecke im Zuge der L11 zwischen Nideggen in Brück. Von 2003 bis 2008 haben sich dort 33 schwere Verkehrsunfälle ereignet, wobei der Anteil der Kradfahrer bei über 90 Prozent lag. Es waren ein Todesopfer und fünf Schwerverletzte zu beklagen. 25 Menschen wurden leicht verletzt. Häufigste Unfallursachen: überhöhte Geschwindigkeit und Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebotes.

Die L246 zwischen Brück und Schmidt, die erst 2008 in die Liste der Häufungsstellen aufgenommen wurde acht Unfälle mit sieben Schwer- und zwei Leichtverletzten. Auffällig dort: Fünf Alleinunfälle von Kradfahrern. Ursache Nummer eins: zu schnelles Fahren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert