Schleiden-Wolfgarten - Politiker verstehen den großen Ärger der Bevölkerung

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Politiker verstehen den großen Ärger der Bevölkerung

Von: Gurun Klinkhammer
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Walter Wergen (gebürtiger Wolfgartener), Rolf Seel (MdL, CDU), Andreas Streckert (Wolfgartener, CDU), Rainer Deppe (MdL, CDU) und Peter Münstermann (MdL, SPD) nahmen den Nationalpark und seine zunehmenden Kahlflächen in Augenschein.

Schleiden-Wolfgarten. Die Unsicherheit und die Bedenken in der Bevölkerung wegen der Ein- und Kahlschläge im Nationalpark Eifel werden immer größer. „Es war mal schön hier“, sagt Walter Wergen, der in Wolfgarten von Geburt an zu Hause ist. Sein Blick auf kahl geschlagene, ehemalige Waldflächen, die rund um seinen Heimatort zunehmen und immer größer werden, ist sorgenvoll.

Inzwischen haben sich einige Wolfgartener zusammengefunden, die nicht mehr warten und zuschauen, sondern das Thema gezielt angehen möchten. Ähnlich verhält es sich in anderen Ortschaften, so zum Beispiel im Nideggener Stadtteil Schmidt. Auch dort sind Bürger aufgebracht und wehren sich etwa dagegen, dass uralte Roteichen geringelt werden und auf diese Weise über mehrere Jahre hinweg absterben.

Jetzt informierte ein Bürgergruppe um den Wolfgartener Andreas Streckert Besuch aus Düsseldorf. Rolf Seel und Rainer Deppe (beide Landtagsabgeordnete der CDU) sowie Peter Münstermann (SPD, MdL) liefen mit den Bürgern Stellen ab, auf denen bereits Wald entnommen wurde. Und sie staunten. Münstermann: „Ich bin überrascht, welche Mengen hier gefällt worden sind. Aber was mich am meisten stört ist, dass dieser Nationalpark Eifel anscheinend in der Bevölkerung keine Akzeptanz mehr erfährt und dass keine Infos mehr fließen, hier fehlt es an der notwendigen Transparenz.“

Konkret brennt den Wolfgartenern derzeit die Frage auf den Lippen, wo sich genau die 17 Flächen befinden, die im Winter 2014/2015 im Kermeter geschlagen werden sollen, der zum Teil auch auf dem Gebiet der Stadt Heimbach liegt.

Eine Antwort darauf gab es bisher nicht. Auch eine Anfrage im Nationalparkforstamt blieb ergebnislos, da sich alle Verantwortlichen dieser Behörde in diesen Tagen im Urlaub befanden. Auffallend sind aber die Widersprüche, die den Bürgern seitens der Nationalparkverwaltung zunehmend zu Ohren kommen. Im September hieß es, Ziel sei, ab 2015 keine Bäume im Kermeter mehr zu fällen oder zu ringeln, Monate zuvor, dass im westlichen Bereich des Kermeters noch rund zehn Jahre Bäume geschlagen würden.

Im Laufe der Jahre änderte sich auch die Größe der Managementfläche, also der Fläche, auf die der Mensch zugreifen darf. Derzeit wird auf gut 40 Prozent der Nationalparkfläche zugegriffen. Aufgrund der großen Unsicherheit und der zunehmenden Verärgerung in der Bevölkerung rieten Münstermann, Seel und Deppe den Bürgern, über die verschiedenen Gremien und Räte gezielt Fakten einzuholen und gegebenenfalls Veto einzulegen.

Rolf Seel zeigte auch Verständnis für den Unmut der Bürger: „Ich habe vollstes Verständnis für die Anwohner, wenn sie heute sauer auf die handelnden Personen sind. Die Bürger werden nicht mehr mitgenommen, sie sind zu Recht aufgebracht.“

Seel kritisierte, dass den Bürgern vor Jahren bei Informationsveranstaltungen zum entstehenden Nationalpark gesagt worden, dass „der Wald sich in den nächsten Jahrzehnten durch das Schließen von Wegen auf 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen und selbst entwickeln werde und damit langfristig ein Urwald entstehe“. Damit habe man sich die Zustimmung zum Nationalpark erkauft.

Nicht das Ziel

Dass die komplette Fichte – immerhin eine Fläche von 48 Prozent – bis 2020 dem Nationalpark entnommen wird, dagegen sprach sich vor wenigen Tagen öffentlich Michael Blaschke, der Sprecher der Behörde „Wald und Holz NRW“ mit Sitz im westfälischen Münster, aus. Er betonte: „Die Fällung beziehungsweise Entnahme aller vorhandenen Fichtenbestände ist ausdrücklich nicht geplant und auch nicht Ziel des Nationalparks Eifel.“

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