Plädoyer: „Es war Mord aus Habgier“

Von: WOLFGANG SCHUMACHER
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Aachen/Düren. Nach einer gründlichen Beweisaufnahme, die sich über sechs Verhandlungstage erstreckte, waren am Donnerstag im Mordprozess gegen den Mechaniker Ralf-Dieter H. (45) aus Düren die Plädoyers an der Reihe. Oberstaatsanwalt Peter Jansen blieb bei seiner Einschätzung, die er bereits in der ursprünglichen Fassung der Anklage formuliert hatte, und forderte eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes, die Nebenklage schloss sich dem an.

„Es war ein Mord aus Habgier“, den der in Schulden verstrickte Angeklagte am Abend des 6. Mai an seiner Lebensgefährtin begangen habe, fuhr Jansen fort. Sicher, der Angeklagte habe zeitnah zugegeben, für die Tötung der damals 43-jährigen Inhaberin eines mobilen Pflegedienstes verantwortlich gewesen zu sein.

Doch seiner Version eines Unfalls, einer Tötung quasi aus Versehen jener Frau, die er erst 2010 kennengelernt hatte, könne die Anklage nicht folgen. „Er war zum Einen Begünstigter der Lebensversicherungen“, erklärte Jansen, und habe bereits direkt am Morgen nach der Tat den Versicherungsagenten angerufen. Zum Zweiten: Die Situation am Abend davor sei ein handfester Streit des Paares um einen erfundenen Hausbau gewesen. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft belog H. seine Lebensgefährtin bewusst.

Denn ihr Hausprojekt, mit dem sie vor den Eltern prahlte, bestand noch nicht einmal auf dem Papier. Er habe es nur erfunden, sagte Jansen. Und als die Sache aufzufliegen drohte, seien sie in Streit geraten. Er habe sie von hinten gepackt und erwürgt. Demgegenüber hatte der Angeklagte angegeben, er habe an diesem Abend die aufgebrachte und unter Alkohol stehende Lebensgefährtin beruhigen wollen.

Sein Aachener Anwalt Rainer Dietz bekräftigte, dass die seit längerem unter einem Alkoholproblem leidende Pflegerin sich ein Fantasiegebilde mit dem Hausbau zugelegt habe. Als H. ihr am Tattag mit der Offenbarung drohte, sei sie durchgedreht. Und er habe dann versucht, sie festzuhalten. Dass er das bis zum Tod seiner Lebensgefährtin tat, sei eine Tragödie, juristisch aber kein Mord, sondern ein ohne Vorsatz begangener Totschlag. Das Urteil wird am 18. Dezember, 11 Uhr, gesprochen.

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