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„Phantomtor“ in der Bundesliga beschäftigt auch Dürener Experten

Von: Alexander Barth
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Sie verurteilen Stefan Kießling nicht, sondern fordern lieber Fair Play von der Jugend bis zu den ganz Großen im Fußball: Der Dürener Trainer Gert Engels und Profi Norikazu Murakami. Foto: Barth

Düren. Norikazu Murakami muss überlegen. „Ich weiß nicht, ob ich zum Schiri gegangen wäre“, sagt der 33-jährige Fußballprofi, der zurzeit in Düren lebt. „Auf dem Platz stehst Du unter großem Druck. Vielleicht hat Stefan Kießling sich gesagt, okay, der Ball ist drin, die anderen jubeln – dann ist es eben ein Tor.“

Als im Stadion der TSG Hoffenheim ein Kopfball von Leverkusens Stürmer weniger ins, sondern vielmehr durch das Netz ging, begann auch bei den Fußballexperten in der Region das Rätselraten und Diskutieren – vom Profi bis zum Platzwart.

Murakami, zuletzt Profi bei Alemannia Aachen und davor in Japan, Südafrika, Indien und Singapur aktiv, hat auch mit seinem Freund und Mentor Gert Engels über den Fall gesprochen. Der Dürener, der in Japan als Trainer Erfolge feierte, sagt: „Das ist so ein verrückter Moment, wie ihn der Fußball eben hervorbringt.“ Natürlich hätte er es begrüßt, wenn Leverkusens Kießling die Situation aufgeklärt hätte.

„Er hat sich an den Kopf gefasst, das tut man, wenn man überzeugt ist, dass der Ball vorbeigegangen ist“, weiß Engels, und ergänzt: „Wichtiger ist mir, dass die Jugend anders mit solchen Dingen umgeht – Fair sein, auch mal etwas zugeben.“

Auch bei Vereinen und Instanzen schütteln Fußballexperten verwundert den Kopf. „Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagt Manfred Schultze, Vorsitzender des Fußballkreises Düren. Er verfolgte das Spiel am Freitagabend in der Sportschule Hennef nach einer Tagung. „Da saßen etliche Experten zusammen – Schiedsrichter, Ausschussmitglieder, und so weiter.

Es wurde heftig diskutiert, und die Meinungen gingen ganz schön auseinander.“ Schultzes Sicht der Dinge: „Ich denke, der Schiri hätte sehen müssen, dass der Ball vorbei ging. Abgesehen davon hat Stefan Kießling es verpasst, ein Zeichen des Fair Play zu setzen, was von der Kreisliga bis rauf in die Bundesliga immer und zurecht gefordert wird.“

Robert Deller sitzt seit Mitte der 1970er Jahre in der Spruchkammer des Fußballkreises und ist heute ihr Vorsitzender. Mit kuriosen Vorfällen auf dem Fußballplatz kennt er sich aus, einen wie in Hoffenheim habe er aber noch nie auf dem Tisch gehabt. Deller gibt sich als Freund der Tatsachenentscheidung. „Was gepfiffen ist, zählt“, sagt der ehemalige Staatsanwalt.

„Als Schiri Felix Brych die Partie fortgesetzt hat, war der Zug abgefahren. Solange der Fußball-Weltverband sich nicht bewegt, sollte man an den Tatsachenentscheidungen festhalten.“ In den unteren Ligen würden solche kitzeligen Situationen zwar diskutiert, aber weitaus kürzer. „Schließlich gibt es nur selten Videomaterial, das etwas aufklären könnte.“

Wie sieht es in der Kreisliga aus, wo sicher nicht die Mittel vorhanden sind, um bundesligareifes Material anzuschaffen? Ist es dort möglich, dass ein Ball durchs Netz ins Tor schlüpft? „Nein, noch nie erlebt“, lautet die entspannte Antwort von Herbert Klein auf die Frage. Er ist beim BC Oberzier auch für die Tornetze an den beiden Plätzen des Vereins verantwortlich.

„Alle 14 Tage kontrollieren die Schiedsrichter die Netze bei den Heimspielen. Das ist schließlich ihre Aufgabe. In Hoffenheim hat wohl jemand nicht genau aufgepasst“, deutet Klein an. „Bei uns werden die Netze alle zwei Jahre erneuert. Öfter ist nicht drin. Aber wenn man gut auf das Material achtet, reicht dieser Rhythmus auch völlig. Im Notfall muss eben mal ein Kabelbinder eingesetzt werden.“

Auch beim hochklassigsten Verein der Region war man überrascht von den Vorkommnissen. „Wir haben so etwas noch nie erlebt“, sagt Achim Greiff, Vorsitzender beim Mittelrheinligisten Viktoria Arnoldsweiler. „Unser Zeugwart Anton Schiffer ist da sehr gewissenhaft, und er ist auch nicht der einzige, der die Netze kontrolliert. Bei uns schauen da etliche Augen drauf.“

In der fünfthöchsten Liga Deutschlands würden die Netze nicht öfter als absolut nötig ausgetauscht. Abgehängt werden sie nach den Spielen nicht, sondern mittels einer Schiene hochgeklappt. „So kommt man einfacher mit dem Rasenmäher zurecht“, sagt Greiff und verrät die wahre Gefahr für die Tormaschen: „Unser Platzwart hat viel mehr Angst davor, dass die Kaninchen die Netze anknabbern“.

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