Ombudsmann für Pflege: Ein Problemlöser, der zuhören kann

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
6713884.jpg
Rupert Rieder ist seit zwölf Jahren ehrenamtlich Ombudsmann des Kreises Düren für den Pflegebereich. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Mitten im Leben stand Rupert Rieder an einem Wendepunkt. An Multipler Sklerose erkrankt, wurde er mit 41 Jahren pensioniert. „Das kann nicht alles gewesen sein“, hat er sich damals gedacht. Dabei würde dieses „alles“ anderen Menschen für ein Leben oft schon reichen – zumindest beruflich betrachtet.

Rieder ist gelernter Binnenschiffer, hat sein Kapitänspatent gemacht und war glücklich damit, den Rhein rauf und runter zu schippern. „Bis die Liebe kam“, grinst Rieder. Seine Frau nur ab und an zu sehen, wollte er nicht, also „habe ich mich für die Familie entschieden“ und den Beruf gewechselt. Rieder ging zur Feuerwehr nach Duisburg, wurde Löschbootsführer und als er mit seiner Familie nach Birgel zog, wechselte er zur Dürener Berufsfeuerwehr.

1987 dann der Einschnitt: Bei Rieder wurde Multiple Sklerose diagnostiziert, vier Jahre später wurde er pensioniert. Sein Leben hat Rieder in zwei entscheidenden Punkten geändert. „Ich wollte etwas für mich tun“, sagt er rückblickend. Der Kapitän und Feuerwehrmann hat seine dritte Ausbildung absolviert: er wurde Heilpraktiker. Das reichte ihm aber noch nicht. „Ich bin damals sehr von der Stadt und den Kollegen der Feuerwehr unterstützt worden. Einen Teil dieser Hilfe wollte ich zurückgeben“, sagt Rieder.

Lange Jahre engagierte er sich zunächst ehrenamtlich als Betroffenenberater für an MS erkrankte Menschen, seit 2001 ist er der Ombudsmann des Kreises Düren für den Bereich Pflege. „Es bedarf manchmal einfach eines Dritten, der unterschiedliche Einschätzungen auf eine Linie bringt“, umreißt Rieder sein Ehrenamt. Rieder ist neutraler Vermittler in Streitfällen. 56 Pflegeeinrichtungen im Kreis Düren haben sich bereit erklärt, seinen Schlichterspruch zu akzeptieren.

„Nötig war das bis heute noch nicht“, ist Rieder stolz darauf, dass er Probleme bisher immer im Gespräch lösen konnte. Rupert Rieder hört als Ombudsmann vor allem zu, lässt sich die Probleme aus Sicht der Betroffenen schildern und versucht dann, das Problem zu lösen. Manchmal reicht das Zuhören schon. „Die Einsamkeit nimmt auch in Seniorenheimen zu“, erfährt Rieder. „Es gibt viele Menschen, die jemanden brauchen, dem sie ihr Problem einfach nur erzählen können.“

Oft sind es nur Kleinigkeiten. Zum Beispiel der Bewohner, der mit einem Mitbewohner nicht klar kommt oder die pflegebedürftige Bewohnerin, die unbedingt wieder nach Hause möchte, obwohl sie der Betreuung bedarf. Oder die Angehörigen, die Leistungen einfordern, die ein Pflegeheim nicht erbringen kann. Selbst wenn Rieder nicht helfen kann, weil ein Pflegeheim sich nicht dem Schlichtungsverfahren angeschlossen hat, geht Rieder auf die Betroffenen zu, spricht mit ihnen und gibt entsprechende Tipps.

Wie findet man ein gutes Pflegeheim? „Setzen Sie sich einfach in die Cafeteria und beobachten die Menschen. Man sieht sofort, ob die Mitarbeiter und Bewohner mit einem lachenden oder einem angestrengten Gesicht da sitzen“, ist Rieders Tipp auf die Frage. Die lachenden Gesichter sieht Rupert Rieder durchaus oft, wenn er Pflegeheime besucht. Nicht immer, aber oft.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert