Ohne Schmerzen dennoch krank

Von: Margret Vallot
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Chefarzt Dr. Weißig, Rheinische Kliniken Düren. Foto: Margret Vallot

Düren. Es gehört viel Mut dazu zu sagen: Ich hatte eine Depression, musste Tabletten nehmen, ich wurde in eine Klinik eingewiesen und dort stationär behandelt. Die Krankheit Depression hat ein miserables Image, sie erscheint vielen als mysteriös.

Doch der Arzt und Psychologe Dr. Norbert Weißig, Chefarzt in der Dürener LVR-Klinik, weiß: Die Lage ist alles andere als hoffnungslos. „Den Menschen kann mit Medikamenten und Gesprächen gut geholfen werden, sie werden wieder gesund und leistungsfähig.”

Depressive sind in ihrem Denken beeinträchtig, sie sehen Vergangenheit und Zukunft in Dunkelschwarz. Der Selbstwert ist herabgesetzt, der Schlaf massiv gestört. Dauerndes Grübeln und nicht loskommen von bedrohlichen Gedanken sind typisch.

Vier Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland depressiv erkrankt, die Hälfte hat - laut Dr. Weißig - keinerlei Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Dabei ist es heutzutage relativ leicht, die Tiefe der Depression und die Dauer zu verkürzen, das Leid der Betroffenen zu reduzieren. Um die Versorgung der Menschen im Kreis Düren zu verbessern, wurde in Düren das „Kompetenznetz Depression” gegründet. Mit Info-Veranstaltungen und Fortbildungen für Lehrer, Hausärzte, Arbeitgeber und andere will man Vorurteile aus der Welt schaffen und die Heilungschancen bekannt machen.

Das ist bitter nötig, denn wenn sich Arbeitnehmer krank melden, dann ist in letzter Zeit in Deutschland immer öfter eine Depression der Grund.

Machen Insolvenzen und bedrohte Arbeitsplätze, Banken, die Rettungsschirme brauchen und Finanz-Experten, die mit mühsam erspartem Geld riskant jonglierten, die Menschen krank? Liegt es an zerbrechenden Beziehungen und fehlendem familiärem Zusammenhalt? „Zu einfach gedacht”, sagt der Experte. Ein Ereignis wie die Wirtschaftskrise „führt nicht direkt in die Krankheit”.

Krank mache, bei entsprechender Disposition „selbsterlebte Hilfs- und Hoffnungslosigkeit”, das Gefühl, keinen Einfluss mehr zu haben auf Arbeit, Geld, Beziehungen. Das Gefühl, das eigene Schicksal in keiner Weise mehr steuern zu können. „Und dieses Gefühl kommt jetzt schneller auf”, sagt Weißig. Eigentlich versuchten Arbeitnehmer in Krisenzeiten auch dann noch arbeiten zu gehen, wenn sie krank sind. Derzeit steigen aber die Krankmeldungen. Laut Weißig „ein Indikator für die Belastungen, denen die Bevölkerung ausgesetzt ist”.

Wenn Laien salopp von Depression sprechen, ist meistens nur ein Stimmungstief gemeint. „Als wären Sie bewegungsunfähig”, so schildert ein Patient in der Dürener LVR-Klinik den Zustand. Und: „Kein Antrieb mehr, die Gefühle sind weg, wie abgestorben.” Das sei schwer zu beschreiben und noch schwerer zu verstehen. Und: „Keine Schmerzen haben und doch krank sein, dass muss man erst mal akzeptieren.” Weder für Trost noch für aufmunternde Worte von Freunden und Verwandten sei man empfänglich. Stigmatisiert und tabu sei die Krankheit, früher noch viel mehr als heute, „doch wenn ich wirklich mit Leuten spreche, stelle ich fest, dass viele das kennen”.

Zu erfahren, dass man nicht allein ist mit seiner Krankheit, das tut gut. Möglich ist das in Düren in zwei Selbsthilfegruppen.

Die Gruppe „Wendepunkt” trifft sich jeden Samstag um 19 Uhr in den Räumen der Selbsthilfe Kontaktstelle Kreis Düren, Paradiesbenden 24. Die Gruppe „Emotions Anonymus” trifft sich jeden Dienstag um 19 Uhr in den Räumen der Evangelischen Gemeinde, Düren, Wilhelm-Wester-Weg 1.

Beratungsgespräche für Betroffene und Angehörige können beim Verein „Die Kette” in der Zehnthofstraße 10, in Düren verabredet werden. Infos unter Tel.: 14 7 31 bei Frau Mischke.

„Wo bleiben die Angehörigen?” lautet das Thema einer Veranstaltung mit Gesprächen und Diskussionen am Mittwoch, 18. März, in den Räumen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Paradiesbenden 24. Beginn ist um 19 Uhr.
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