„Offene Zweierbeziehung“: Grenzlandtheater Haus der Stadt

Von: jul
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Madeleine Niesche und Thomas Kemper boten auf der Bühne im Haus der Stadt eine „Offene Zweierbeziehung“. Foto: Julian Lövenich

Düren. Die ewige Treue: eine Idealvorstellung, die für das höchste Gut in einer monogamen Lebensgemeinschaft steht. Sie ist gleichermaßen Grundlage und Veredelung einer funktionierenden Partnerschaft.

In der Realität ist sie allerdings nicht allzu selten ein Schein, hinter dessen Verblendung sich der Seitensprung, die Flucht aus den vermeintlichen Zwängen der Monogamie, versteckt. Auch für Antonia wandelte sich ihre friedvolle Ehe in ein Gefühlschaos, immer wieder erschüttert von den Affären ihres Mannes. Dieser ist, genau so wie Antonia, einer der Hauptcharaktere der Komödie „Offene Zweierbeziehung“ von Dario Fo und Franca Rame, die am Freitagabend das Grenzlandtheater Aachen auf der Bühne des Haus der Stadt präsentierte.

In der eigentlichen Handlung versucht Antonias Mann, sie zu Beginn von einer offenen Zweierbeziehung zu überzeugen. Zunächst nur zur Seite des Mannes geöffnet, keimen in Antonia schnell Zweifel und Selbstmordgedanken auf, die durch den Vorschlag des Mannes, Antonia solle sich auch außerhalb der Ehe vergnügen, besänftigt werden. Antonia findet sich bald selbst in einer Affäre wieder und treibt somit ihren Mann in den Wahnsinn – er nimmt sich daraufhin das Leben.

Zeitlicher Wechsel

Auf der Bühne bot sich den Zuschauern ein spartanisches, gar steriles Bild. Zwei Stühle, eine weiße Plattform mit zwei verschiebbaren Wänden. Vor dieser Kulisse agierten Madeleine Niesche und Thomas Kemper als glaubwürdige Ehepartner. Mal in der Vergangenheit, dann wieder in der Gegenwart. Denn aufgebaut ist die Handlung retrospektiv, wobei Antonia dem Zuschauer die Geschichte erzählt. Unterstrichen wurden die zeitlichen Wechsel dabei mit dem Verschieben der Wände und einer Veränderung in der Intensität des Lichts. Schauspielerisch gelang es Niesche und Kemper, die komödiantischen Elemente ihrer Rollen herauszuarbeiten und fassbar werden zu lassen, was vor allem durch die Einbeziehung des Publikums als dritter Charakter deutlich wurde.

Einem Kampf ähnlich, fochten beide Rollen um die Gunst, die Sympathien des Zuschauers, indem sie diesen auch immer wieder direkt ansprachen und zu überzeugen versuchten. In dieser über weite Strecken empfehlenswerten Aufführung gab es jedoch auch eine Schwäche. Antonias Mann durchläuft innerhalb der Handlung eine extreme Veränderung. Von patriarchalischem Selbstbewusstsein hin zur psychischen Selbstverstümmelung. Ersteres wusste Kemper darzustellen, doch der Wandel hin zur Verzweiflung vollzog sich weniger überzeugend und nagte an der Glaubwürdigkeit. Dennoch gelang mit dem Ende, trotz der zwischenzeitlichen Blässe, leichte und kurzweilige Unterhaltung, die mit viel Applaus durch das Publikum gewürdigt wurde.

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