Düren - Niederzier top, Düren schwächelt

Niederzier top, Düren schwächelt

Von: Burkhard Giesen
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Das Dürener Stadtcenter gilt als entscheidender Kundenmagnet, von dem auch die Geschäfte in der Innenstadt profitieren. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Im Kreis Düren nimmt Niederzier eine Sonderstellung ein - zumindest wenn es um die Kaufkraft geht. Niederzier schafft, wovon selbst der deutlich größere Nachbar Jülich nur träumen kann: Der Umsatz des Einzelhandels ist höher als die Kaufkraft der Bürger.

Daraus folgt: Kunden aus anderen Orten strömen zum Einkaufen nach Niederzier und geben ihr Geld nicht in ihrer eigenen Stadt aus. Die Zahlen, die die Aachener Industrie- und Handelskammer (IHK) jetzt für 2009 veröffentlicht hat, klingen nur auf den ersten Blick bescheiden: Der Kaufkraft von 73,2 Millionen Euro steht ein Einzelhandelsumsatz von 80,4 Millionen Euro gegenüber.

Macht also ein Plus von 7,2 Millionen Euro. Das klingt zunächst wenig. Aber: In 2001 hat man noch ein Minus von 4,7 Millionen Euro verzeichnen müssen. Und: Es gibt keine einzige weitere Kommune im Kreis Düren, die einen derartigen Aufwärtstrend verzeichnen kann. Selbst die Stadt Düren schwächelt - wenn auch auf hohem Niveau.

Bürgermeister Hermann Heuser aus Niederzier nimmt die positive Entwicklung erfreut zur Kenntnis und würde sich noch mehr Angebote für auswärtige Kunden wünschen. Einen Media Markt könnte er sich zum Beispiel sehr gut vorstellen - „das würde ich aber nie genehmigt bekommen, weil wir nur den Einzelhandel zur örtlichen Versorgung zulassen dürfen”, so Heuser, der das absurd findet: „Erklären Sie mal jemandem, warum auf der anderen Seite der Autobahn im Gewerbegebiet alles erlaubt ist, aber auf unserer Seite nicht.”

Das, was auf der anderen Seite zum Beispiel mit dem neuen Bauhaus-Baumarkt in Düren künftig für ein höheres Plus sorgen könnte, wird Niederzier vermutlich schaden. Dort steuert man allerdings mit der „Neuen Mitte” im Bereich Niederzier/Oberzier entgegen, wo entsprechende Einzelhandelsangebote bislang fehlten.

Wenig Grund, sich entspannt zurückzulehnen hat man in der Stadt Düren selbst. Natürlich liegt hier der Einzelhandelsumsatz (565,9 Millionen Euro) deutlich höher als die Kaufkraft der Bürger (456 Millionen Euro), aber das Plus von knapp 110 Millionen Euro bröckelt dennoch gewaltig: Im Jahr 2001 lag der Zufluss noch bei 173,4 Millionen Euro.

Trotz Stadtcenter, Galeria Kaufhof oder Saturn, trotz zusätzlicher Angebote wie Mitternachts-Shopping wandern offenbar vermehrt Kunden ab oder kommen nicht mehr nach Düren. So ganz stimmt das allerdings nicht: Seit 2005 ist wieder ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen, den führt zum Beispiel City-Manager Wilhelm Streb genau auf die verstärkten Aktivitäten wie Mitternachts-Shopping zurück. Allerdings weiß er auch, dass die Metropolen im Umfeld stärker als früher Kunden abziehen.

Das Gegensteuern ist aber nicht so leicht: So hatte man zum Beispiel überlegt, in 1A-Lagen Immobilien zusammenzulegen, um so Platz für Unternehmen wie Peek & Cloppenburg oder auch Zara in der Innenstadt zu schaffen. Bisher noch nicht mit Erfolg. Diese Magneten sind aber nicht allein das Entscheidende, sagt Jörg Hamel, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Aachen-Düren-Köln: „Ein Bauhaus in der Peripherie sorgt nicht dafür, dass die Kunden anschließend in der Innenstadt einkaufen.”

Mit anderen Worten: Der Einzelhändler Hamel schielt nicht nur auf die reine Gesamtumsatzzahl, sondern aufs ausgewogene Angebot: „Wir müssen in der Innenstadt breit aufgestellt sein, um insgesamt gute Umsätze zu machen. Man muss als Kunde Spaß haben, hier einzukaufen und sich dabei wohl fühlen.”
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