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Nideggens Bürgermeisterin zieht erste Bilanz

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Mit einer neuen Verwaltungsstruktur setzt Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer auf klare Zuständigkeiten. Foto: B. Giesen

Nideggen. Margit Göckemeyer arbeitet sich ein, räumt auf, strukturiert um - und repariert vor allem. Und sucht im übertragenen Sinne nach den Leichen im Verwaltungskeller. Etwas mehr als 100 Tage ist sie inzwischen im Amt. Läuft im Normalfall spätestens dann die Schonfrist aus, hat in Nideggen niemand ernsthaft erwartet, dass innerhalb von 100 Tagen ein neuer Verwaltungschef all die Probleme lösen kann, die zuvor nicht angegangen worden sind. Nideggen ist nun mal kein Normalfall. Wird es aber vielleicht.

Immerhin hat Margit Göckemeyer schon damit begonnen, die Verwaltung komplett umzukrempeln. Vorhandene Strukturen? Fehlanzeige. Klare Zuständigkeiten? Fehlanzeige. „Ich habe in den ersten 14 Tagen mit jedem Mitarbeiter ein Gespräch geführt.

Da ging es um Zielperspektiven, Hemmnisse und das Miteinander”, sagt die Bürgermeisterin, die sich nach den Gesprächen an die Arbeit gemacht hat und zum 1. Dezember letzten Jahres eine neue Organisationsstruktur eingeführt hat. „Jetzt ist ein Rahmen vorgegeben, die Zuständigkeiten sind geregelt und ich habe auch das Gefühl, dass die Mitarbeiter meinen Weg mitgehen wollen”, sagt sie.

Und das, obwohl natürlich nicht jeder Mitarbeiter sein Traumarbeitsgebiet erhalten habe. Und ebenfalls ungeachtet der Tatsache, dass von 37 Stellen in der Verwaltung sechs nicht besetzt sind. Gefruchtet muss dieser neue Umgang schon haben.

So wurden zum Beispiel Stunden in der Kämmerei aufgestockt, was dazu geführt hat, dass die Stadt die Steuerbescheide vor Fälligkeit herausgeschickt hat - „das erste Mal seit Jahren”. Das mag nun nicht unbedingt der Punkt gewesen sein, in dem sich die Bürger eine effizientere Arbeit der Verwaltung als erstes gewünscht haben.

Es zeigt aber ein grundsätzliches Problem auf: Was andernorts selbstverständlich ist, muss in Nideggen derzeit noch einstudiert werden. Beispiele dafür fallen Margit Göckemeyer viele ein. Der Schulverband Nideggen/Heimbach hatte seine letzte Sitzung im Jahre 2007. Abrechnungen hat es seitdem nicht mehr gegeben. „Da lag alles brach. Da muss sich jetzt jemand neu einarbeiten.”

Oder: „Bei StraßenNRW hat uns seit drei Jahren niemand mehr gesehen.” All das muss sie nachholen. Und im letzten Fall ist das besonders ärgerlich, weil sich die Stadt seit Jahren bemüht, im Bereich der Kreuzung L249/L11 eine Änderung der Verkehrssituation herbei zu führen. „Die Priorität für den von uns an dieser Stelle gewünschten Kreisel ist nach den ersten Gesprächen mit StraßenNRW jetzt weiter nach vorne gerückt”, sagt Margit Göckemeyer. Dauern könne das aber immer noch zehn Jahre. „Das kann man nur durch politischen Einfluss ändern.”

Eine andere Baustelle: Fragt man die Bürgermeisterin, wie hoch denn die Stadt verschuldet ist, kann sie das nur bedingt beantworten. „Es gibt Buchungen aus 2007, 2008 und 2009, die noch nicht erfolgt sind”, muss sie dann hinterher schieben. „Wir hatten in den ersten Wochen viele überplanmäßige Ausgaben, um so langsam auf einen Ist-Stand zu kommen.” Oder die Eröffnungsbilanz. „Die ist nie geprüft worden. Das muss jetzt von Wirtschaftsprüfern nachgebessert werden. Da liegt jetzt unsere Priorität, damit der Haushalt für 2010 auch verabschiedet werden kann”, sagt Margit Göckemeyer, die die Kennzahlen des neuen Haushaltes trotz dieser Misere natürlich dennoch parat hat: 3,5 Millionen Euro Neuverschuldung - auch wegen der gestiegenen Kreisumlage.

„Ich habe erwartet, dass es viel aufzuarbeiten gilt”, fängt die Bürgermeisterin ihr eigenes Resümee der ersten 100 Tage an. „Aber es ist an allen Ecken.” Damit hatte sie nicht gerechnet. Ihr Ziel für die Verwaltung: „Jeder weiß jetzt, was sein Job ist. Und jeder soll in diesem Rahmen entscheiden. So weit sind wir aber noch nicht.”

Und dann gibt es da ja noch die Politik. „Auch die Politik muss noch lernen, Entscheidungen zu treffen”, sagt Frau Göckemeyer, die sich einen Workshop vorstellt, in dem Ziele für die Stadt Nideggen definiert werden sollen. Ein ehrgeiziges Unterfangen wenn man bedenkt, dass sie es im Rat mit sechs Parteien und noch mehr Einzelkämpfern zu tun hat und selbst die interfraktionellen Gespräche nach zwei Monaten schon gescheitert sind.

„Sind wir in der Lage zu gucken, was für Nideggen richtig ist und finden wir einen Konsens? Gelingt es uns, den Ort als Einheit zu sehen und dafür eine Konzeption zu erstellen?” Das ist für sie die Kernaufgabe, der sie sich als Bürgermeisterin widmen und die Politik mit in die Verantwortung nehmen will.

Und so ganz nebenbei schafft sie es, Unerledigtes zu erledigen. Eschauel zum Beispiel. Ja, vier Anfragen für die nicht verpachtete Gaststätte am Badestrand gebe es, bestätigt sie. Ja, am Nutzungskonzept für den Neubau am Zülpicher Tor arbeite man. Zwölf bis 14 Stunden sind es, die sie am Tag arbeitet. Da wird Freizeit knapp. Immerhin hält sie sich jedes zweite Wochenende von Terminen frei. Statt „Leichen” im Verwaltungskeller stehen dann Wandern und Sport auf dem nicht-dienstlichen Terminplan. Und demnächst auch ein Besuch bei den Nachbarn: „Ich habe es noch nicht geschafft, in die Kunstakademie Heimbach zu gehen.” Malen tut sie. In der heimischen Küche.
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