Düren - Neun Interessenten für das Reflex-Werk

Neun Interessenten für das Reflex-Werk

Von: Burkhard Giesen
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Die Produktion bei Reflex in Düren läuft auf vollen Touren. Foto: Burkhard Giesen
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Produziert werden Spezialpapiere, zum Beispiel mit einem Wasserzeichen für die Lufthansa. Foto: Burkhard Gießen
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Setzen auf einen strategischen Partner, der am Standort Düren investiert: Dieter Raak, Dr. Mark Boddenberg und Sayit Balaban (von links). Foto: Burkhard Gießen

Düren. Totgesagte leben manchmal länger. Dass Unternehmen gestärkt aus einer Insolvenz hervorgehen können, ist keine ganz so neue Erfahrung. Dass sie auch in der Insolvenz fast schon wieder vor Kraft strotzen, ist eher die Ausnahme. Seit Anfang Oktober befindet sich der Dürener Premium-Papierhersteller Reflex in der Insolvenz, seit dem schreibt er nahezu durchgängig wieder schwarze Zahlen.

Wären da nicht Forderungen der Gläubiger und ein Investitionsstau insbesondere im Bereich der Energieversorgung, könnte man fast glauben, das Insolvenzverwalter Dr. Mark Boddenberg seinen Job bereits erledigt hat.

Hat er natürlich noch nicht. Gemeinsam mit Dieter Raak, verantwortlich für Technik und Produktion, sowie Sayit Balaban, der für Finanzen und Logistik bei Reflex zuständig ist, hat Boddenberg den Betrieb neustrukturiert. Die Produktion wurde auf einen Dreischicht-Betrieb umgestellt, die Mitarbeiter um ein Drittel reduziert, die Service-Leistungen für Kunden verbessert, die Preise angehoben, unrentable Produkte aussortiert, die Energiekosten im zweistelligen Prozentbereich abgesenkt.

„Unsere Auftragsbücher sind voll. Wir produzieren derzeit 550 bis 600 Tonnen Spezialpapier im Monat“, sagt Dieter Raak. Damit ist man mit dem verbliebenen Personal an der Kapazitätsgrenze angelangt. Bei der nahe liegenden Frage, warum die Neustrukturierung nicht schon früher erfolgte, müssen Raak und Balaban passen.

Sie können aber erklären, was sie seit der Insolvenz selbst zu verantworten haben: „Wir haben jetzt eine klare Strategie: Reflex steht im Vordergrund. Wir entscheiden alles auf Basis unserer Interessen“, erklärt Sayit Balaban.

Ebenso klar ist das Ziel, das Insolvenzverwalter Mark Boddenberg verfolgt: Er will die Produktion am Standort Düren erhalten. Im Idealfall auch den eingeführten und bewährten Namen. Gemeinsam mit einer Unternehmensberatung hat er ein Exposé erstellt, mit dem jetzt um potenzielle Investoren geworben werden soll.

„Neun unverbindliche Anfragen liegen mir bereits vor. Weitere Unternehmen wollen wir gezielt ansprechen“, erläutert Boddenberg den aktuellen Stand. Wohl gemerkt: Das, obwohl die Exposés erst noch verschickt werden müssen. Im Bieterprozess soll sich bis spätestens Mitte des Jahres entscheiden, wer das beste Gebot abgibt – gut für die Gläubiger, gut für das Unternehmen. Schon jetzt sind die Anfragen zweigeteilt: vier Interessenten sind Unternehmen aus der Branche, bei fünf Interessenten handelt es sich um Finanzinvestoren.

Boddenberg hat dabei durchaus ein paar Pfunde in der Hand, mit denen er wuchern kann. Der größte Pluspunkt: Reflex schreibt wieder die bereits erwähnten schwarzen Zahlen. Nächster Pluspunkt: Das knapp 150.000 Quadratmeter große Grundstück ist finanziell nicht belastet. Und: Boddenberg ist äußerst flexibel, was die Immobilien betrifft. So kann er sich zum Beispiel auch gut vorstellen, die von Reflex nicht mehr genutzten Maschinenhallen separat zu veräußern – was vielleicht auch zusätzliches Geld in die Kassen spülen könnte.

Auch wenn die Vorzeichen äußerst positiv für die Rettung von Reflex stehen, ist ein Punkt für das Unternehmen enorm wichtig: Reflex muss trotz schwarzer Zahlen und treuer Kunden eine Perspektive entwickeln. Boddenberg: „Der Papiermarkt ist hart umkämpft.

Wenn wir die Sparte technische Papiere weiterentwickeln wollen, erfordert das zunächst Investitionen.“ Das ist auch genau der Grund, warum Boddenberg nach einem strategischen Partner sucht, der die hübsch gemachte Braut Reflex ehelichen will und auch noch die entsprechende Mitgift gerne zahlt. Gelingt dies, könnten die vollen Auftragsbücher auch wieder zu Neueinstellungen führen.

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