Neuer Schallplattenladen liegt in Düren voll im Trend

Von: Burkhard Giesen
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Drei Freunde, ein gemeinsames Hobby, ein Schallplattenladen: Marc Inden, Stephan Pütz und Frank Inden (v.l.) bieten in Düren wieder das an, was fälschlich tot geglaubt war – Musikgenuss auf Vinyl. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Die Zahlen beeindrucken. Eine Milliarde Euro hat die Musikindustrie im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von CDs umgesetzt. Mit Musik-Downloads wurden weitere 256 Millionen Euro verdient. Die 19 Millionen Euro, die Kunden ins klassische Vinyl investiert haben, fallen da eigentlich eher weniger auf. Wenn es nicht noch eine andere Zahl gäbe.

Der Umsatz bei Vinyl-Scheiben ist 2012 um 40 Prozent gestiegen. Das fällt bei einem niedrigen Niveau natürlich leichter, beschreibt aber eine Tendenz und dürfte vor allem die drei Dürener Marc Inden, Thomas Pütz und Frank Inden bestätigen. Anfang Dezember haben sie etwas wiederbelebt, was in den meisten Städten längst als ausgestorben galt: sie eröffneten schräg gegenüber vom „Komm“-Zentrum in der August-Klotz-Straße einen Plattenladen.

Eine spinnerte Idee? Die Mittvierziger sind von klein auf vinylinfiziert, haben Familie, stehen im Beruf – und leisten sich als gemeinsames Hobby statt dem Oldtimer oder Ferienhaus eben den Plattenladen. „Wir haben im Freundes- und Bekanntenkreis immer gehört, wie schade es viele finden, dass es in Düren keinen Plattenladen mehr gibt“, sagt Thomas Pütz. „Wir selbst sind der Platte immer konsequent treu geblieben“, ergänzt Marc Inden. So treu, dass die Idee mit dem Plattenladen naheliegend war. Frank Inden: „Für uns ist das einfach eine Liebhaberei. Davon leben kann man natürlich nicht.“

Wollen die Drei aber auch nicht. Thomas Pütz und Marc Inden sind selbstständig, sie sind Geschäftspartner. Frank Inden ist Angestellter. „Den Plattenladen zu festen Zeiten offen zu halten, dazu gehört ein gutes Zeitmanagement und die Familie muss natürlich mitspielen“, erklärt Frank Inden.

Bei der Liebe zum Vinyl geraten alle Drei schnell ins Schwärmen. „Musik auf Vinyl klingt um einiges besser als auf CD. Der Klang ist weicher und dynamischer“, sagt Pütz. „Musik auf Vinyl ist ein Kunstwerk. Bei der CD wird die Dramaturgie zerstört“, sagt Marc Inden.

Ist die Liebe zum Vinyl eine Altersfrage? Definitiv nicht. Obwohl der Laden erst seit vier Monaten offen hat, gibt es bereits eine Stammkundschaft, die zum Stöbern kommt, zum Quatschen, oder um gezielt nach Platten zu fragen. Pütz: „Neulich war ein 16-Jähriger hier, der Musik von Miles Davis haben wollte – aber nicht den ‚neumodischen Kram aus den 80ern‘, sondern alte Scheiben von 1965. Genauso kommt aber der Mann im Anzug, der gezielt nach Metal-Musik verlangt.“ Der jüngste Kunde ist übrigens 13. Die Leidenschaft für in Vinyl gepresste Musik hat er von seiner Oma.

Über die Rückbesinnung wundern sich die drei Freunde nicht. „Der Schritt von der Schallplatte zur CD ist eine Entwicklung von aufwändiger zu billiger Produktion, ohne dass das Produkt günstiger wurde. Jetzt zahlt man bei einem Download noch mehr und hat dabei nichts mehr in der Hand.“

Metal, Punk, elektronische Musik boomen im Laden, Mainstream ist nicht so angesagt. Sehr zur Freude der drei Geschäftsinhaber, denen genau das am Herzen liegt: die musikalische Bandbreite abseits des Massengeschmacks aufzuzeigen. Da ist auch der Name des Plattenladens programmatisch zu verstehen: NeuesHören. Dazu passt es, dass sie allen Dürener Bands anbieten, ihre Platten über den Laden zu vertreiben oder sie zu Unplugged-Auftritten einladen. Die Zusammenarbeit mit dem Dürener Rundfunkverein ist da der logische nächste Schritt.

Dass die drei Dürener nach nur vier Monaten mit anderen Plattenläden aus Großstädten durchaus mithalten können, zeigt eine Kleinigkeit. Jedes Jahr gibt es am 20. April den so genannten Record Store Day, zu dem die Musikindustrie speziell zur Unterstützung der kleinen Plattenläden Sonderpressung in geringer Auflage veröffentlicht, die nur an diesem Tag erhältlich sind und so die Kunden in den Laden locken sollen – der Dürener Laden ist erstmals mit dabei. Plattenliebhaber werden sich übrigens nicht nur an diesem Tag über noch einen ganz anderen Service im Plattenladen freuen: die Plattenwaschmaschine, die alte Scheiben vom Staub der Jahre befreit, damit sie wieder wie neu erklingen. Neues Hören eben.

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