Neue Sicherheits-Norm sorgt für Wirbel auf dem Rummel

Von: Jörg Abels
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Andrea Nahles (l.) – im Bild neben Peter Münstermann und Dagmar Nietan – will auch weiterhin Spaß auf der Annakirmes haben und sagte den Schaustellern Hilfe bei der neuen EU-Norm zu. Foto: Abels
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Bei der Alpina-Bahn rechnet Betreiberin Angela Bruch mit Zusatzkosten von bis zu 1,5 Millionen Euro.

Düren. Dürens Schaustellerchef Bert Cremer spricht von existenzbedrohenden Belastungen, Alpina-Bahn-Betreiberin Angela Bruch befürchtet, das womöglich jedes zweite auf dem Annakirmesplatz stehende Fahrgeschäft in wenigen Jahren verschwinden könnte. Teilweise überlegen Schausteller, Fahrgeschäfte ins Ausland zu verkaufen, berichtet Toni Schleifer.

Die Einführung einer neuen Europäischen Sicherheitsnorm (DIN EN 13814) in Deutschland hat für reichlich Wirbel in der Branche gesorgt. Denn die Norm, die eigentlich die technischen Standards europaweit in Einklang bringen und verhindern sollte, dass ausländische Schausteller den deutschen Kollegen mit weniger aufwendig geprüften Geschäften Konkurrenz machen, gilt in Deutschland wie in allen anderen EU-Ländern nicht nur für neue Fahrgeschäfte, sondern grundsätzlich für alle sogenannten fliegenden Bauten. „Überall sonst in Europa genießen Altanlagen Bestandsschutz, nur nicht in Deutschland“, bringt Cremer das Problem auf dem Punkt.

„Bei einem Geschäft, das nach DIN berechnet wurde und Jahrzehnte lang unfallfrei gelaufen ist, muss jetzt eine neue Statik erstellt werden“, erklärt er. Und anschließend werden die meisten Fahrgeschäfte nachgerüstet werden müssen, weil sich die Berechnungsrundlagen verändert haben. Ein Beispiel nennt „Wilde-Maus-Betreiber“ Stefan Kinzler. „Bislang waren die Gondeln eines Fahrgeschäfts mit 75 Kilogramm pro Person berechnet, jetzt müssen es 100 sein.“

Bei einer Raupenbahn könnten so schnell bis zu 80.000 Euro fällig werden, weiß der Dürener Udo Lausberg, Alpina-Bahn-Betreiberin Angela Bruch geht bei ihrem Geschäft von Kosten zwischen 600.000 und 1,5 Millionen Euro aus, „die ich kaum an den Fahrgast weitergeben kann“.

Das könnte für viele ältere Fahrgeschäfte das Aus bedeuten, befürchtet nicht nur Bert Cremer. Laut Stefan Kinzler könnten ganze Geschäftstypen verschwinden.

Toni Schleifer hofft noch, dass er mit seiner 1939 erbauten Berg- und Talbahn „Fahrt ins Paradies“ mit einem blauen Auge davonkommt, „schließlich hat der TÜV mein Fahrgeschäft ja erst vor vier Jahren abgenommen und schon damals festgelegt, dass aufgrund fehlender Rückhaltesysteme keine Kinder mitfahren dürfen“. Sicher aber ist auch er sich nicht. „Endgültige Gewissheit werde ich erst im Herbst bekommen, wenn ich zur Prüfung beim TÜV München vorfahren muss.“

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zeigte am Freitag Verständnis für die Sorgen der Schausteller und sagte ihre Unterstützung zu. Mit ihrem Bundestagskollegen Dietmar Nietan und dem Landtagsabgeordneten Peter Münstermann will sie von NRW aus eine Bundesländerinitiative starten, um vielleicht doch noch auch für deutsche Schausteller einen Bestandsschutz für Altanlagen zu erreichen.

Denn eine bloße Verlängerung der Übergangsfristen würde das Problem zeitlich nur verlagern, machten die Schausteller deutlich. Ein Ansatzpunkt könnte sein, dass vergleichbare Fahrgeschäfte in Freizeitparks, nicht unter die neue Technik-Norm fallen. „Hier haben wir die Möglichkeit, vielleicht noch einzugreifen“, machte Andrea Nahles den Schaustellern ein wenig Hoffnung. Klar ist: Die Zeit drängt. Und deshalb soll jetzt so schnell wie möglich, ein schriftlicher Änderungsantrag formuliert werden.

Angesprochen wurde auch das Problem der Umweltzonen. Viele Zugmaschinen der Schausteller können entweder überhaupt nicht oder nur mit hohem finanziellem, Aufwand nachgerüstet werden, eine generelle Ausnahmegenehmigung gibt es in NRW nicht mehr. „Dabei stehen die Zugmaschinen die längste Zeit“, erklärte Bert Cremer, denn sie würden nur für den Transport vom einen zum anderen Volksfest benötigt. Auch an diesem Punkt will Nahles schauen, ob sie weiterhelfen will.

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