Nideggen - Nationalpark Eifel: „Erfolgsprojekt“ in der Kritik

Nationalpark Eifel: „Erfolgsprojekt“ in der Kritik

Von: Christina Hustedt
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Die Grünen in Nideggen und Stadtratsfraktionsvorsitzende Gudrun Zentis (MdL, l.) hatten auch Umweltminister Johannes Remmel (v.l.) und Michael Lammertz vom Nationalparkforstamt eingeladen, mit Bürgern über die Entwicklungen im Nationalpark zu diskutieren. Foto: Christina Hustedt

Nideggen. Im Jahr 2004 wurden 110 Quadratkilometer der Eifel zum Nationalpark mit einem besonderen Augenmerk auf die in Europa selten gewordenen Buchenwälder. Doch auch zehn Jahre nach seinem Beginn ist das Projekt der Renaturierung der Waldbestände in seiner aktuellen Form umstritten.

Bürger und Umweltschützer kritisieren immer wieder großflächigen Kahlschlag von Fichtenbeständen und die Ringelung von alten Roteichen in dem Naturschutzgebiet und fühlen sich schlecht informiert über die Maßnahmen des Nationalparkforstamtes.

Um die Einwohner Nideggens über die aktuellen Entwicklungen des Nationalparks Eifel zu informieren und über Probleme zu diskutieren, hatte der Stadtverband von Bündnis90/die Grünen zu einer Veranstaltung eingeladen. In der Jugendherberge standen Johannes Remmel, nordrhein-westfälischer Umweltminister, Michael Lammertz vom Nationalparkforstamt und Gotthard Kirch, Geschäftsführer Rureifel-Tourismus, Rede und Antwort. Zunächst aber skizzierten die Referenten die aktuelle Situation des einzigen Nationalparks in NRW.

„Der Nationalpark Eifel ist ein Erfolgsprojekt für NRW und den Naturschutz und gehört zu den Kronjuwelen im Land“, betonte Minister Remmel in seiner Einführung. Vor allem die stetig steigenden Besucherzahlen würden zeigen, dass der Nationalpark auf dem richtigen Weg sei, neben einem Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch ein echter Naturerlebnisraum für den Menschen zu werden. Gerade auch der Ausbau des barrierefreien Zugangs sei ein großer Erfolg.

Gotthard Kirch bestätigte diesen positiven Tourismustrend mit statistischen Zahlen. So verzeichnete die Rureifel im Jahr 2013 gut 266.000 Übernachtungen in Betrieben mit zehn oder mehr Betten, gut 60.000 mehr als im Jahr davor. Besondere Angebote wie Kombi-Tickets mit der Bahn, spezielle Themen-Touren und Reisepakete würden bei den Besuchern sehr gut nachgefragt, erklärte Kirch.

Auch Michael Lammertz, Sprecher des Nationalparkforstamtes, zeichnete ein positives Bild der Entwicklung des Areals in den vergangenen zehn Jahren, sowohl im Bereich des Naturschutzes als auch touristisch. Seit Einrichtung des Nationalparks hätten alleine 340000 Besucher an geführten Wanderungen teilgenommen. Die Informationsräume in den fünf Nationalparktoren hätten seit ihrer jeweiligen Eröffnung mehr als 1,8 Millionen Besucher in Anspruch genommen.

Aus Naturschutz-Sicht seien besonders die Kormorankolonie mit mehr als 40 Brutpaaren und natürlich die große Gruppe des Rotwildes hervorzuheben. Mit der stetigen Wiederansiedelung der Buchenbestände kämen zudem viele Arten zurück, die in den vorherrschenden Fichtenwäldern in Deutschland fast verschwunden sind und auf der roten Liste stehen. Damit widersprach Lammertz einem gängigen Vorurteil, Buchenwälder seien artenarm.

Der Hauptkritikpunkt an der Nationalparkverwaltung, es würde immer wieder auf großen Flächen Kahlschlag betrieben, rechtfertigte Lammertz mit der Entfernung der unerwünschten Fichten- und Douglasienbestände aus dem Nationalpark zugunsten des Laubmischwaldes. Doch damit wollten sich auch die Anwesenden nicht zufrieden geben.

„Es ist den Leuten nicht mehr zu vermitteln, wenn in einem Naturschutzgebiet Kahlschläge mit schwerem Gerät auf mehreren Hektar stattfinden“, erboste sich ein Zuhörer. Er warf dem Nationalparkforstamt „Gestaltungswahn“ vor, auch im Zusammenhang mit dem kontrollierten Absterbenlassen der knapp 100 Jahre alten Roteichen durch Ringelung. „Was hat das noch mit Naturschutz zu tun?“

Lammertz rechtfertigte die Maßnahmen mit den Vorgaben der IUCN, nach denen in einem Nationalpark nach 30 Jahren mindestens 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen werden muss. Um in den Wäldern der Eifel diese Voraussetzungen zuschaffen, müssten jetzt die Baumarten, die dort nicht hingehörten, entfernt werden. Dass die entsprechenden Maßnahmen in der Bevölkerung nicht auf Gegenliebe stießen, sei verständlich.

Umweltminister Remmel räumte derweil ein, dass gewisse Teile des waldbaulichen Entwicklungskonzeptes im Nationalpark durchaus überprüft werden müssen. Er und Michael Lammertz verwiesen dazu auf die öffentliche Fachtagung und Diskussionsveranstaltung „Wald in Entwicklung 2.0“ am 4. Juni in Rurberg.

Bereits im Vorfeld können Interessierte im Rahmen einer Online-Befragung ihre Kritik und Meinung zu den Entwicklungen im Nationalpark äußern. „Wir haben die kritischen Stimmen gehört und nehmen sie sehr ernst“, betonte Johannes Remmel.

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