Nadine Schmitz hilft blinden Menschen, mobil zu bleiben

Von: Gudrun Klinkhammer
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Nadine Schmitz hilft blinden und sehbehinderten Menschen, mobil zu bleiben.

Düren. Seit einigen Sekunden ist die Frau auf dem Marktplatz blind. Sie steht mitten in der Innenstadt von Düren und kann nichts mehr sehen. Wie angewurzelt verharrt sie und versucht, sich zu orientieren. Die Ohren übernehmen das Ruder.

Ihr Herz hört fast auf zu schlagen, als ein schweres Fahrzeug ganz nah an ihr vorbeirauscht, es aber unsichtbar bleibt. Den Fahrtwind spürt sie allerdings hautnah auf dem Gesicht. Der Atem stockt, als plötzlich ein lauter Knall den Straßenlärm übertönt.

Die Ursache bleibt im Dunkeln verborgen. Ohne Hilfe wagt sie nicht, einige Schritte zu gehen. Schon bei einem ersten zaghaften Versuch fängt sie an zu torkeln, da der Gleichgewichtssinn irgendwie verrückt spielt. Umstehende Passanten wissen nicht, mit der Situation umzugehen. Zum Glück gibt es Menschen, die wissen, wie sie sehbehinderten oder gar blinden Menschen helfen können, sich zu orientieren.

Nadine Schmitz ist staatlich geprüfte Fachkraft der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation mit Sitz in Düren. Sie bietet mobilen Unterricht an, sowohl für Blinde als auch für deren Angehörige und generell für Interessenten. Nadine Schmitz bietet der blinden Frau an, mit der rechten Hand ihren linken Oberarm anzufassen. Derart gesichert gewinnt die hilflose Person Vertrauen. Auch ohne Sehkraft wagt sie einige zaghafte Schritte.

Köstlicher Duft

Plötzlich erschließen sich ganz neue Reize: Der Teeladen am Dürener Markt versprüht einen köstlichen Duft, ebenso die Dürener Kaffeerösterei. Die Baugeräusche am Dürener Rathaus klingen markant, das Sprudeln des Brunnens an der Annakirche lädt zum Verweilen ein. Mit einem Blindenstock lassen sich auf dem Boden Leitlinien- und Markierungen ertasten. Rillen und Noppen im Gehwegpflaster und auch Bürgersteige werden zu Hinweisen und Hilfen.

Ampeln geben akustische Signale. Trotz der Augenbinde wird ein Vorankommen plötzlich möglich, denn die Frau, die von Nadine Schmitz geführt und angeleitet wird, ist nur eine Testperson. Sie trägt eine entsprechende Brille.

Die Gründe für eine Sehbehinderung oder für Blindheit können ganz unterschiedlicher Natur sein und jeden jederzeit treffen. Manche Menschen sind von Geburt an blind, manche verlieren die Sehleistung durch Krankheit oder Unfall.

Weiter kann das Alter die Augen massiv schwächen. Nadine Schmitz: „Verschiedene Aspekte werden dann wichtig.“ Der Sehbehinderte sollte zunächst einmal die Realität annehmen und nicht versuchen, sie herunterzuspielen oder zu verdrängen. „Denn“, so Schmitz, „Unfälle, etwa durch Sehbehinderung im Straßenverkehr, zahlt keine Versicherung.“

Je nach Schweregrad der Beeinträchtigung sollte sich der Betroffene kenntlich machen. Tut er dies nicht, könnte es passieren, dass etwa Personen auf der Straße denken, er sei betrunken aufgrund seiner torkelnden Gehweise. Angehörigen steht die Möglichkeit offen, sich mit diversen Simulationsbrillen einmal in die Lage des Betroffenen zu versetzen. Kommentare wie: „Och, stell‘ Dich doch nicht so an“, erübrigen sich dann von selber.

Die 36-jährige Fachfrau zählt typische Probleme des Alters auf: „Bei ‚AMD‘ handelt es sich um eine altersbedingte Makuladegeneration, die das Auge schwächt ebenso wie der Graue und der Grüne Star. Das Augenlicht wird trübe, das Sichtfeld brüchig. ‚RP‘, also Retinitis Pigmentosa, löst einen Tunnelblick aus, der das Sichtfeld stark einschränkt.“ Doch für jeden Fall gibt es die richtige Unterstützung, sowohl für die Praxis als auch für die Psyche.

Akustische Hilfsmittel, die zum Beispiel helfen, eine durchsichtige Flüssigkeit in ein durchsichtiges Glas zu schütten, existieren ebenso wie kleine, aufklebbare Tasthilfen, um eine Herdplatte auf die gewünschte Temperatur zu regeln. Nadine Schmitz: „Psychisch hilft es den Betroffenen, wenn sie merken: Das Leben geht weiter, auch mit Sehschwäche.“

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