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Nadine Pelzer will „endlich wieder laufen können”

Von: Sandra Kinkel
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Nadine Pelzer aus Gey wünscht sich nichts sehnlicher als eine Delfintherapie. Peter Borsdorff möchte sie ihr ermöglichen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Nadine, das ist die französische Form des russischen Vornamens Nadeschda. Und das bedeutet so viel wie Hoffnung. Hoffnung, die Nadine Pelzer aus Hürtgenwald-Gey sehr dringend braucht. Sie ist 24, eine junge Frau, und seit fast acht Jahren sitzt sie im Rollstuhl.

„Am 14. März 2003”, erzählt Nadine Pelzer, bin ich notfallmäßig an einem Bandscheibenvorfall operiert worden. Und durch diese OP sind die Nervenwurzeln bei mit abgestorben.” Der 14. März 2003 ist der Tag, der Nadine Pelzers Leben komplett verändert hat. Seitdem ist für die junge Frau nichts mehr so, wie es vorher war. Seitdem ist ihr Leben eine einzige Odyssée, ein unglaubliches Martyrium.

Nahezu 50 Mal ist Nadine Pelzer in den vergangenen acht Jahren operiert werden, 45 verschiedene Medikamente muss sie jeden Tag zu sich nehmen, nur mit Morphium kann sie die schrecklichen Schmerzen überhaupt aushalten. Als es ihr einmal besser ging, hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau angefangen, aber die Belastung, täglich acht Stunden im Rollstuhl zu sitzen, war einfach zu groß.

344 Tage war Nadine Pelzer 2010 im Krankenhaus, unter anderem, weil ihre eine Medikamentenpumpe implantiert worden ist und es hierbei auch zu mehreren Komplikationen gekommen ist.

Seit dem 16. Dezember wird sie wieder stationär behandelt. Im Universitätsklinikum Düsseldorf und dem Lendersdorfer St.-Augustinus-Krankenhaus. „Ich frage gar nicht, wann ich nach Hause kann”, sagt Nadine. „Ich will nicht enttäuscht werden, weil es ja meistens doch nicht klappt.”

Die Krankheit, die mit dem Absterben der Nervenwurzeln bei Nadine Pelzer einher gegangen ist, heißt Dystonie. Bundesweit leiden nur vier Patienten an der gleichen, äußerst seltenen Form wie Nadine. Die 24-Jährige hat schlimmste Krämpfe. „Im Augenblick kann ich meine Beine nicht mehr beugen”, erzählt sie. „Und ich habe immer das Gefühl ganz starke Wadenkrämpfe zu haben.” Das ist so unangenehm, dass sie manchmal über 60 Stunden einfach keinen Schlaf findet. „Ich bin müde, aber immer wach.” Mit einer Spezial-Therapie wird gerade versucht, Nadines Beine wieder beweglich zu machen.

Ihre große Hoffnung ist eine Delfintherapie auf den Niederländischen Antillen. „Da war ich schon einmal. Und danach konnte ich zum ersten Mal nach sechs Jahren 70 Meter gehen. Und alleine sieben Treppenstunden schaffen. Das war toll.”

Die junge Frau aus Gey weiß, dass eine Delfin-Therapie medizinisch umstritten ist. Und manchmal hört sie auch, dass das nichts anderes wäre als ein schöner Urlaub. „Das stimmt aber nicht”, sagt sie leise. „Ich bin den ganzen Tag im Therapiezentrum. Es ist wirklich anstrengend. Und es hilft mir auch.” In Curacao, so Nadine weiter, arbeiteten deutsche Therapeuten, die Delfine lebten in freier Wildbahn. „Und es ist ein Krankenhaus in der Nähe, wo ich zur Not behandelt werden kann.” „Wichtig ist doch nur, dass die Therapie dir hilft”, sagt Peter Borsdorff und drückt Nadines Hand. „Und nicht, was andere Leute sagen.”

Seit einigen Wochen ist Borsdorff (67) mit seiner Sammelbüchse für Nadine Pelzer unterwegs, um ihr die Delfintherapie zu ermöglichen . „Es hat mich bislang kein anderes Schicksal so berührt wie das von Nadine”, sagt der Dürener. „Und es ist Wahnsinn, was Nadine für eine Kämpfernatur ist. Sie lässt sich einfach nicht unterkriegen.”

„Manchmal kann ich aber auch nicht mehr”, sagt sie. „Dann fehlen mir Kraft und Mut. Aber durch meinen Engel Peter Borsdorff und viele andere Läufer weiß ich wieder, dass ich kämpfen muss für mein Ziel, zu den Delfinen zu kommen. Ich will wieder laufen können.” Und irgendwie kommt nach solchen Tiefs auch die Hoffnung immer wieder zurück. Die Hoffnung, die Nadine Pelzer so dringend braucht.

775 Läufer haben sich schon angemeldet

Genau 18.020 Euro hat Peter Borsdorff bis Freitag für Nadine Pelzer (24) aus Hürtgenwald laufend gesammelt. Eine zweiwöchige Delfintherapie kostet 15.000 Euro. Je mehr Geld zusammenkommt, desto länger kann Nadine im Therapiezentrum auf Curacao (Insel der Niederländischen Antillen) bleiben.

Am Sonntag, 16. Januar, ist Peter Borsdorff wieder mit seiner Sammelbüchse für Nadine unterwegs und zwar beim 26. Dürener Sparkassen-Stadtlauf der SG Düren 99. Und auch die 24-Jährige aus Gey will unbedingt für zwei Stunden die Läufer an der Strecke anfeuern.

Der Bambini-Lauf startet um 13 Uhr, Schüler gehen eine Viertelstunde später an die Strecke. Um 13.45 Uhr fällt der Startschuss für den Fünf-Kilometer-Lauf, der Hauptlauf beginnt um 14.45 Uhr. Alle Rennen beginnen vor dem Dürener Stadt-Center. Bisher haben sich 775 Läufer angemeldet, Nachmeldungen sind vor Ort möglich.
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