Nachtwächter träumt von einer besseren Unterkunft

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
Als Nachwächter führt er Tou
Als Nachwächter führt er Touristen durch Nideggen: Uwe Waßmund. Eine passende Unterkunft gibt es für seinen Verein nicht. Foto: Margret Vallot

Nideggen. In einem kleinen Kellerraum der alten Schule von Nideggens Ortsteil Berg lagern wichtige Dokumente. Bücher, Hefte, Akten, Postkarten und Urkunden sind es, die die Geschichte der Stadt Nideggen betreffen.

Dort wird auch das Nachtwächter-Kostüm von Uwe Waßmund (46), das weitgehend einem Original aus dem 12. Jahrhundert nachgebildet ist, aufbewahrt. Waßmund führt im Auftrag des Heimat- und Geschichtsvereins Nideggen durch das Städtchen. Und er macht seine Sache gut.

Ein Dutzend Gäste aus Thüringen hat sich angemeldet und folgt der mehr als zweistündigen Führung (Beginn: 21 Uhr) mit großem Interesse. Am Zülpicher Tor trifft sich die Gruppe, spaziert zum Dürener Tor, zum Brandenberger Tor und dann hinauf zur Burg.

Mit seinem bodenlangen schwarzen Umhang, der Kapuze, den langen schwarzen Handschuhen, den schwarzen Schnabelstiefeln und der Hellebarde sieht der Nachtwächter furchterregend aus. Auf der sozialen Stufenleiter habe er am unteren Ende gestanden, erfahren die Gäste. Henker, Nachtwächter und Türmer seien, so glaubte man einst, mit Hexen, Dämonen und dem Teufel verbündet.

Spannend kann der Nideggener Nachtwächter erzählen, was seine Aufgaben ist: Er muss nach Dieben Ausschau halten und mit seinem Horn die Uhrzeit verkünden. Er muss auch, obwohl er selbst nicht lesen kann und alles nur vom Hörensagen kennt, neueste Nachrichten ausrufen. Und er muss die Stadt vor Feuer schützen und gleich alle Welt aufwecken, wenn es irgendwo verdächtig qualmt.

Über die alten und neuen Gebäude kann Waßmund als Nachtwächter viel sagen. Über das Zülpicher Tor genauso wie über das „Haus am Tor”. Letzteres sei neu, erfahren die Touristen, es wurde mit Steuergeldern hergerichtet und wäre eine prima Unterkunft für den Geschichtsverein. Doch scheinen finstere Mächte einen Umzug des Vereins in das „Haus am Tor” zu verhindern. Überhaupt scheint es in Nideggen etwas an Anerkenung für die rührigen Hobbyhistoriker zu fehlen...

Wie Färber, Tuchmacher, Metzger arbeiteten in einer Stadt ohne Kanalisation, wo jeder Abfall auf der Straße oder im Wassergraben landete, wie es gestunken hat und bald Krankheiten einen idealen Nährboden fanden - das alles bringt der Nachtwächter den Zuschauern vor Augen. Dabei wird es langsam dunkel und die Gruppe bewegt sich, an der Kirche vorbei, auf die Burg zu.

Der Heimat- und Geschichtsverein mit seinen jetzt 102 Mitgliedern bietet touristische Attraktionen und macht sich für Nideggen stark. Vorsitzender ist seit zehn Jahren Herbert Bohland. Eine handvoll sehr aktiver Hobby-Historiker arbeitet Texte über Nideggens Geschichte aus. Die Senioren übernehmen ehrenamtlich viele Arbeiten, die andernorts ein Fremdenverkehrsverein tätigt. Außer den Nachtwächterführungen werden auch Stadtführungen angeboten.

Viele tausend Euro hat der Verein bereits gesammelt und davon Projekte wie den Brunnen auf der Burg möglich gemacht. „Wir hätten eigentlich eine andere Unterkunft verdient”, sagt Bohland. Und fährt mit dem Nachtwächter zurück nach Berg, in den viel zu kleinen Raum der alten Schule.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert