Düren - „Nachtwächter”: Ein Ort der Stabilität für Abhängige

„Nachtwächter”: Ein Ort der Stabilität für Abhängige

Von: Andreas Bongartz
Letzte Aktualisierung:
Hereinspaziert: Der Endart-Ver
Hereinspaziert: Der Endart-Verein um Wilfried Pallenberg hat das Haus an der Kölner Landstraße 16 gekauft und hier ein Betreutes Wohnen für Suchtkranke eingerichtet. Foto: Andreas Bongartz

Düren. Das ehemalige Gästehaus des Hotels „Nachtwächter” hat wieder Mieter. Und diese haben an der Kölner Landstraße 16 mehr als nur eine neue Bleibe gefunden. Für die sechs Bewohner ist es ein Neuanfang, ein Schritt auf dem Weg zurück in ein selbstständiges Leben.

Über dieses hatten sie die Kontrolle verloren, denn gemeinsam ist ihnen allen eine Vergangenheit, die von Sucht gekennzeichnet ist. Die neuen Bewohner sind suchtkrank oder suchgefährdet, haben Probleme mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten.

Damit hätten sie unter normalen Umständen keine leichten Karten auf dem Wohnungsmarkt, stehen Suchtkranke bei Vermietern doch nicht gerade hoch im Kurs. Anders an der Kölner Landstraße 16: Hier hat sich der „Vermieter” gerade auf Menschen mit Suchtproblematiken spezialisiert. Der Endart-Verein hat das ehemalige Gästehaus des „Nachtwächters” gekauft und dort ein Betreutes Wohnen für Suchtkranke eingerichtet.

Bei dem Angebot gehe es darum, Rückfällen vorzubeugen sowie neue Verhaltensweisen, Alltagsstrukturen und Freizeitgestaltung dauerhaft zu erlernen, erläutert Wilfried Pallenberg vom Vorstand der Endart.

Was viele nicht wissen: Der Verein ist schon lange mit sozialpädagogischer Zielsetzung in der Drogenarbeit tätig und bietet bereits seit vielen Jahren betreutes Wohnen an. Vor 20 Jahren richtete man eine erste sechsköpfige Wohngemeinschaft in der Rur-straße ein, mittlerweile gibt es weitere betreute Wohnungen in Birkesdorf, Kreuzau, am Friedrichsplatz, in der Mariaweilerstraße sowie in der Schoellerstraße.

Und nun eben auch an der Kölner Landstraße. Mit der Expansion des Angebote reagiert man auf den gestiegenen Bedarf an der Rur. Rund 30 Suchtkranke leben derzeit in Einrichtungen für betreutes Wohnen an der Rur, Tendenz steigend. Die Gründe hierfür sieht Wilfried Pallenberg in gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen: „Immer mehr Leute müssen mit Hartz IV ihr Einkommen bestreiten, die ganze Lebenswirklichkeit wird härter. Mit zunehmender sozialer Verelendung nimmt auch die Drogenproblematik zu”, so Pallenberg.

Das Muster ist altbekannt: Drogenkonsum als Flucht aus dem Alltag. Die Flucht aus der Realität gelingt Suchtkranken dabei leider häufig so gut, dass im Rahmen des Betreuten Wohnens regelrecht Aufbauarbeit betrieben werden muss. „Es ist manchmal erstaunlich, welche Defizite die Leute haben”, konstatiert Wilfried Pallenberg. So seien viele vereinsamt und müssten erst wieder lernen, in Gruppen zu leben und Regeln zu befolgen.

An der Kölner Landstraße bietet man den Betroffenen, die zumeist über Mundpropaganda auf das Angebot aufmerksam werden, ein geschlossenes System mit geschlossenem sozialen Ablauf. Angefangen bei individuellen Hilfeplänen mit regelmäßigen Einzel- und Gruppengesprächen, bis hin zur Freizeitgestaltung. Dies habe wichtige Stabilitätseffekte: „Wenn die Zeiten, in denen die Leute alleine sind und grübeln, kürzer sind, führt das zu einem größeren Erfolg”, sagt Pallenberg.

Darum verfügt die „K 16”, wie das Haus kurz und knapp genannt wird, auch über einen eigenen Freizeitbereich. In dem großen Saal riecht es noch nach frischer Farbe, hier kann Billard gespielt werden, es werden gemeinsame Filmabende veranstaltet und auch Kochkurse gehalten. Der gerade erst fertig gestellte Freizeitbereich wird zudem zwei mal die Woche zusätzlich zur Teestube in der Bismarckstraße als offenes Freizeitzentrum betrieben.

Schon länger fertig gestellt sind die Wohneinheiten an der Kölner Landstraße. Die sechs Wohnungen sind bereits seit gut einem Jahr belegt. Und Befürchtungen, dass mit den suchtkranken Mietern Probleme in der Nachbarschaft entstehen könnten, kann Wilfried Pallenberg beschwichtigen: „Hier herrscht Ruhe und Ordnung, weil immer Mitarbeiter von uns vor Ort sind.”

Betreutes Wohnen und Drogenberatung

Träger der Einrichtung zum Betreuten Wohnen an der Kölner Landstraße ist der Endart-Verein. Der Verein bietet damit ein zusätzliches Angebot zu denen der Drogenberatung. Schließlich habe man sich mit dem Endart-Verein verpflichtet, die Drogenberatung zu unterstützen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert