Nachts den grausamen Ernstfall geübt

Von: Sandra Kinkel
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Derartige Bilder hatten etliche Spitzenbeamte der Kreisverwaltung vor Augen, als sie eine Katastrophen-Situation in den Griff bekommen mussten. Alles war - Gott sei Dank - nur eine Übung. Foto: imago

Kreis Düren. „Herr Spelthahn, ich schlage Ihnen vor, das wir eine Großschadenslage feststellen.” Kreisbrandmeister Hans-Jürgen Wolfram macht ein ernstes Gesicht. Aber das Szenario ist auch ernst. Sehr ernst, wenn nicht gar bedrohlich.

Der Kreis Düren ist von einem schrecklichen Unwetter heimgesucht worden, Orkanböen mit einer Geschwindigkeit von über 180 Stundenkilometern toben, hinzu kommen zunächst heftigste Regengüsse mit dreißig Litern Niederschlag pro Quadratmeter, später erschweren 20 Zentimeter Neuschnee und Straßenglätte die Situation.

Auf der A4 ist ein schwerer Verkehrsunfall mit sehr vielen beteiligten Personen passiert, ein Gefahrguttransporter verliert Benzin. Auch ein Viehtransporter mit über 100 Schweinen ist beteiligt.

In der Eifel steckt ein Bus mit Jugendlichen fest - die jungen Leute brauchen dringend warme Getränke und Decken. Im Krankenhaus in Lendersdorf ist das komplette Stromnetz ausgefallen, und zu allem Überfluss ist bei der Firma SIG Combibloc in Linnich ein schwerer Werksunfall passiert. Im Kreis Düren herrscht Ausnahmezustand.

Der ErnstfallU

Und im Feuerschutztechnischen Zentrum des Kreises in Stockheim herrscht kräftiges Treiben. Landrat Wolfgang Spelthahn ist vor Ort, Dezernent Peter Kaptain auch, außerdem etliche Spitzenbeamte der Kreisverwaltung, beispielsweise der Fachbehörden Gesundheit, Ordnungsangelegenheiten, Schule und Soziales. Feuerwehrmänner sind vor Ort, genau wie Mitarbeiter von Polizei, DLRG, Technischem Hilfswerk und der Bundeswehr. Es wird diskutiert, in Windeseile werden wichtige Entscheidungen getroffen.

Keine Angst, Sie haben nichts verpasst. Und auch kein Unwetter oder dergleichen verschlafen. Die Übungskräfte des Kreises Düren haben in der Nacht von Freitag auf Samstag den Ernstfall geprobt - mit einer großangelegten, so genannten Stabsübung.

Das Institut für Gefahrenabwehr aus Sankt Augustin mit seinem Geschäftsführer Hanns Roesberg hatte die Übung für die speziellen Bedürfnisse des Kreises Düren ausgearbeitet. 14 Beobachter dieser Firma waren vor Ort und werden das Ergebnis des fiktiven Einsatzes in den nächsten Tagen ausarbeiten und bewerten.

„Es sind um die 50 Leute im Einsatz”, so Landrat Wolfgang Spelthahn. „Und wir üben in dieser Nacht, wie alle Zahnrädchen unseres Krisenstabes und die des operativen Geschäftes ineinander greifen.” Und die Einsatzkräfte haben in der Nacht sehr viel zu tun. Peter Kaptain: „Die Krankenhäuser im Kreis waren sehr schnell ausgelastet, wir mussten freie Plätze in den umliegenden Regionen suchen. Auch mussten wir weitere Hilfskräfte anfordern, was schwierig war, weil der gesamte Bezirk Köln von dem Unwetter betroffen war.” Es galt, Hilfskräfte aus Rheinland-Pfalz anzufordern.

„Sehr realistisch”

„Dazu”, so Kaptain, „mussten wir zunächst das Innenministerium informieren.” Alle Mitarbeiter des Krisenstabes waren mit einem Laptop ausgestattet, die Mitarbeiter des Instituts für Gefahrenabwehr beantworteten die entsprechenden Mails, zum Beispiel ans Innenministerium oder andere Polizeistellen. Krisenstabsleiter Peter Kaptain: „Die Übung war sehr realistisch. Alles hätte wirklich passieren können. Das war sehr gut.”

Und Landrat Wolfgang Spelthahn ergänzt: „Wir hatten schon gewaltige Lagen im Kreis Düren. Zum Beispiel einen Brand in Jülich mit sieben Toten. Und deswegen ist es sehr wichtig, dass es solche Übungen gibt.” Das sieht Hanns Roesberg ähnlich: „Die kontinuierliche und wiederkehrende Schulung von Spitzen und Führungskräften für den Extremfall bildet den Grundstein für ein hohes Maß an Sicherheit für die Bevölkerung.”

In den nächsten Tagen wird die große Übung noch gründlich bewertet. Peter Kaptain: „Natürlich gibt es Dinge, die noch verbessert werden können. Zum Beispiel in Sachen Kommunikation.” Die Mannschaft sei hoch motiviert gewesen, auch die Schichtablösungen hätten gut funktioniert.
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