Düren - Nachbarschaftsstreit: Richterin will alles, nur kein Urteil

Nachbarschaftsstreit: Richterin will alles, nur kein Urteil

Von: Margret Vallot
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Im Sommer, wenn sich die Mensc
Im Sommer, wenn sich die Menschen in ihren Gärten aufhalten, kann es zu Streitigkeiten zwischen Nachbarn kommen.

Düren. Bei den heutigen Grundstückspreisen sind viele Grundstücke klein, dem gärtnerischen Talent sind oft räumlich enge Grenzen gesetzt. Manchmal geraten die Nachbarn aneinander und können sich partout allein nicht mehr einigen. Jahrelang streitet man sich dann... bis man es eines Tages mit Richterin Anke Küppers (46) vom Amtsgericht in Düren zu tun bekommt.

„Ich fahre immer raus”, sagt die erfahrene Juristin forsch, und das bedeutet: Sie spricht vor Ort mit den Streitenden. In Wind und Wetter, bei Minusgraden und in sengender Hitze. Das sei zeitintensiv, „aber vom Schreibtisch aus kann ich den Parteien nicht gerecht werden”.

Anke Küpper ist als Richterin natürlich in der Lage, Urteile zu fällen. Ihr Ziel ist aber immer das genaue Gegenteil: Sie möchte vermitteln und die streitenden Parteien zur gegenseitigen Rücksichtnahme bewegen. „Ich möchte verhindern, dass einer der Nachbarn damit prahlt: Ich habe gewonnen.”

Da spricht sie auch den Dürener Anwälten ein großes Lob aus: Sie lassen nämlich ebenfalls nichts unversucht, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Seien es die dicken Wurzeln eines Baumes, die auf Nachbars Grundstück Stolperfallen bilden, seien es Hecken, über deren Standort und Höhe Uneinigkeit besteht oder herüberragende Äst: Stets geht es um Fälle, denen die Richterin mit dem „Nachbarrechtsgesetz NRW” zu Leibe rückt.

Und das zu einem Zeitpunkt, wo ein Schlichter zuvor keinen Erfolg mehr hatte. Erst bei Vorlage einer „Erfolglosigkeitsbescheinigung” vom Schlichter darf überhaupt bei Gericht Klage eingereicht werden. Und dann sind, wie gesagt, Anke Küppers und ihre Kollegen gefragt.

Im südlichen Teil des Kreises Düren, für den man in der August-Klotz-Straße zuständig ist, drehen sich die Streitigkeiten seit Jahren um das gleiche. Nur die Heftigkeit und das Anspruchsdenken hätten, wie überall in der Gesellschaft, zugenommen, bestätigt die Richterin. Sie spricht seit 1994 in Düren Recht.

Es streiten sich an der Rur übrigens meist Menschen mittleren Altern und aufwärts. Nicht selten steht Ehepaar gegen Ehepaar. Zum Beispiel, weil für die Reparatur des eigenen Hauses das Nachbargrundstück betreten werden muss. Und fast nie darüber, dass laute Musik oder Geruch von Gegrilltem als störend empfunden werden.

„Ich mache vor Ort schon ziemlich deutlich, dass ich davon nichts halte, wie manche miteinander umgehen”. Anke Küppers hat damit Erfolg: In rund 80 Prozent aller Fälle einigt man sich. Unvergessen ist da der Tag, an dem der eine Nachbar den anderen noch nicht mal zum Gespräch mit der Richterin auf sein Grundstück kommen lassen wollte. „Am Ende saßen wir alle zusammen auf der Terrasse, und es gab eine gütliche Einigung.” Auch danach habe sie nie wieder etwas von einem Nachbarstreit zwischen diesen Parteien gehört.

„Man hat etwas bewirkt”, sagt die Richterin, und man merkt, dass ihre Arbeit ihr gefällt.
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