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Nach Magen-OP: Neue Lust aufs Leben bekommen

Von: Anne Wildermann
Letzte Aktualisierung:
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Christopher Horst hat seit der OP im März knapp 30 Kilogramm abgenommen. Aktuell wiegt er 157,6 Kilogramm. Sein Ziel: bis Weihnachten auf 150 Kilogramm zu kommen Foto: Wildermann

Vettweiß. Entspannt und gut gelaunt wirkt Christopher Horst (28) aus Vettweiß. Er sitzt auf seiner roten Couch in Jeans und T-Shirt im Wohnzimmer seiner künftigen Schwiegermutter und plaudert fröhlich drauf los. Der Grund für seine gute Laune: Er wiegt aktuell 157,6 Kilogramm. Seit seiner Magen-OP im März im Kölner St. Franziskus-Hospital hat er an die 30 Kilogramm Gewicht verloren.

„Es geht mir gut. Schließlich war der Eingriff der Wendepunkt in meinem Leben“, sagt Horst und lächelt. Er habe keine Beschwerden und es habe auch keine Komplikationen nach der Magenverkleinerung gegeben. „Nur die zwei Wochen nach der OP hatte ich mit dem Kreislauf zu kämpfen. Ich fühlte mich recht schnell schlapp und müde“, erzählt er und berichtet, dass der erste Besuch bei seinem Hausarzt schon sehr anstrengend war. „Es sind zwar nur vier Kilometer dorthin, aber die haben mich wirklich geschafft.“

Pillen nehmen

Seit der OP muss Horst diverse Tabletten nehmen. Der Plan dazu hängt am Kühlschrank, direkt unter der Ernährungstabelle, die ihm seine Ernährungsberaterin zusammengestellt hat. Wegen seines viel kleineren Magens kann sein Körper wichtige Nährstoffe oder Vitamine nicht mehr über die Nahrung aufnehmen, weshalb Horst mit Pillen nachhilft, die er ein Leben lang nehmen muss. Dazu gehören Eisen-, Multi-Vitamin- und Calciumpräparate.

Während er früher viel gegessen und seine Mahlzeiten kaum gekaut habe, sei er heute nach fünf Gabelportionen schon satt. „Mein Kopf versteht das allerdings noch nicht so ganz“, sagt Horst. „Der denkt sich, iss doch noch was. Oder wie wäre es jetzt mit Chips oder Schokolade?“

Aber der junge Mann bleibt hartnäckig und lässt sich nicht verleiten, allein schon deshalb nicht, weil das Fassungsvermögen seines Magens einfach begrenzt ist und das Sättigungsgefühl viel früher eintritt. „Ich hatte mir die Zeit nach der OP viel schwieriger vorgestellt. Ich hätte nie gedacht, dass ich von kleinen Portionen satt werde“, gesteht Horst.

Mittlerweile hat er auch gelernt, auf seinen Körper zu hören. Das gilt nicht nur beim Essen, sondern auch beim Sport. Wenn er nach einer Stunde Boxtraining im Keller Schmerzen verspürt, hört er auf und pausiert. Das Schwimmtraining zweimal die Woche fällt ihm leichter. Körperliche Anstrengungen wie Rasenmähen sind für Horst zwar kein Problem, allerdings muss er sich dabei Zeit lassen, weil sonst sein Kreislauf in den Keller geht.

Verständnis hat allerdings nicht jeder für seinen Zustand. Nachbarn forderten ihn bereits auf, schneller zu mähen und keine Pausen zu machen. „Generell gibt es Menschen in meinem Umfeld, die nicht sehen, dass ich an Gewicht verloren habe. Viele haben wohl geglaubt, dass ich als Adonis aus dem Krankenhaus heraus spaziere“, sagt Horst und lacht.

Er versucht die Kommentare zu überhören, genau wie die, als er die OP noch vor sich hatte. „Meine Schwester hat mich neulich nach sehr langer Zeit wieder in einer Jeanshose gesehen. Sie musste bei dem Anblick sogar weinen“, erzählt er und macht deutlich, dass sein näheres Umfeld wie Freundin und Verwandte seine Veränderung sehr wohl bemerkt hat.

Nicht nur, dass der an Adipositas erkrankte Mann Jeanshosen tragen kann, er passt inzwischen auch wieder in ein altes Trikot seines Lieblingsvereins, des 1. FC Kölns: dreimal XL, vor einigen Monaten waren es noch fünfmal XL.

Auf Jobsuche

Die Lust am Leben hat Horst mit der OP zurückbekommen und will nun richtig durchstarten. Mit seiner Freundin Nicole ist er bereits auf Wohnungssuche in Düren und hat demnächst einen Termin bei der Job-com. „Ich will wieder arbeiten. Am liebsten die Umschulung zum Triebwagenführer machen. Aber falls das nicht klappt, bin auch für andere Tätigkeiten offen. Hauptsache ich verdiene wieder eigenes Geld“, sagt Horst, der seit zwei Jahren von Hartz IV lebt.

Die Höhe des Einkommens spielt für den jungen Mann dabei eine untergeordnete Rolle. Er will nur unabhängig und frei leben, ins Kino gehen, wieder ein Auto fahren und die Zeit mit seiner Freundin genießen.

Vermutlich muss Horst noch einmal ins Krankenhaus und sich einer weiteren OP unterziehen. Dabei geht es nicht um seinen Magen, sondern um seine Haut, um „Körperstraffung“. Günstig würde der nicht werden. „Auch in diesem Fall muss ich einen Antrag stellen und warten, bis dieser von der Krankenkasse genehmigt wird“, erklärt Horst. Zurzeit macht sich Horst darüber aber keine Gedanken. Er will weiter Gewicht reduzieren, bis Weihnachten auf 150 Kilogramm kommen, und sein neues Leben genießen.

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