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Nach fast 31 Jahren fällt Dr. Karl-Josef Eßer der Abschied schwer

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Dr. Karl-Josef Eßer
Dr. Karl-Josef Eßer

Düren-Birkesdorf. Die Krankheit seines Bruders als Kind war für Dr. Karl-Josef Eßer ein Schlüsselerlebnis. „Mein Bruder hatte Masernhirnhautentzündung, und meine Mutter durfte zwei Mal in der Woche zu ihm ins Krankenhaus”, erzählt er.

„Wir standen dann draußen vor einer Scheibe, meine Mutter war drin bei meinem Bruder. Und alle haben wir geweint. Das war für mich wirklich ein Grund, warum ich Arzt geworden bin.”

Karl-Josef Eßers Bruder ist wieder ganz gesund geworden, er arbeitet heute als Rechtsanwalt. Und Karl-Josef Eßer ist tatsächlich Mediziner geworden. Kinderarzt sogar. Fast 31 Jahre war er Chefarzt der Kinderklinik am St.-Marienhospital in Birkesdorf. Zum 1. April hört der 64-Jährige in Birkesdorf auf und wird Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin.

„Jeden Tag gibt es Tränen, wenn ich meinen Patienten und den Eltern sage, dass ich aufhöre. Das halte ich bald selbst nicht mehr aus.” Dr. Karl-Josef Eßer ist (Kinder-) Arzt aus Überzeugung, er sagt, er sei dreißig Jahre lang gerne zur Arbeit gekommen. „Die Tatsache dass man helfen kann, ist das Schöne an meinem Beruf.”

Als Eßer 1975 in Birkesdorf Assistenzarzt war, lagen die Kinder durchschnittlich 29 Tage im Krankenhaus, heute sind es nur noch fünf Tage - einschließlich der Frühgeburten. „Das ist schon eine enorme Umstellung”, so der Mediziner, „die Arbeit ist im Laufe der Jahrzehnte einfach viel intensiver geworden.”

Die aufregendste Veränderung in Karl-Josef Eßers Berufsleben ist die Veränderung in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. „Kinder haben einfach einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Auf der einen Seite sind sie immer wichtiger geworden, weil es immer weniger gibt. Und auf der anderen Seite spielen sie im Denken der Eltern nicht mehr die dominierende Rolle, weil Eltern eben anderen Sachen auch sehr wichtig sind.”

Als ersten Meilenstein in seiner Zeit in Birkesdorf nennt Eßer, dass er es möglich gemacht hat, dass Eltern ihr Kind in der Klinik rund um die Uhr besuchen können. „Die Eltern sind immer mehr in die Arbeit im Krankenhaus miteinbezogen worden. Und sie fragen auch immer mehr nach. Und stellen gezielte Forderungen.”

Ebenfalls wichtig sind Eßer die Weiterentwicklung der Kinder-Intensivstation, der Aufbau des Sozialpädiatrischen Zentrums und die Etablierung einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. „Wir sind hier in Birkesdorf ein richtiges Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin geworden. Und das war auch immer das Ziel.”

Niederlagen waren für den Pädiater immer die Diagnose von unheilbaren, chronischen Erkrankungen. „Man will als Arzt heilen, Und das kann man eben dann nicht. Das ist schlimm.” Schlimm waren auch die Jahre, als verstärkt der plötzliche Kindstod aufgetreten ist. „Es gab eine Phase, da hatten wir zehn bis 15 solcher Fälle im Jahr. Da die Eltern trösten zu müssen, ist wirklich sehr bitter.” Trotzdem überwiegen für Karl-Josef Eßer die schönen Momente in seinem Beruf. „Kinder sind immer sehr ehrlich. Meine Patienten und meine Mitarbeiter werden mir sehr fehlen.”

Patienten hatte Dr. Eßer viele. „Ich habe immer das Neugeborenenzimmer selbst betreut”, erzählt er. „Und in all den Jahren sind bestimmt 20.000 Kinder hier geboren. Hinzu kommen - vorsichtig geschätzt - noch einmal 70.000 stationäre Patienten.” Einem größeren Publikum ist Eßer als „Fernseharzt” in der RTL-Serie „Die Kinderärzte von St. Marien” bekannt geworden. „Wir wollten wahrhaftig keine Fernsehstars werden”, schmunzelt der Arzt. „Aber es ist uns gelungen, in 125 Folgen sehr viel Aufklärung zu betreiben. Und genau das wollten wir ja auch.”

Als Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin möchte Dr. Eßer sich dafür einsetzen, dass ein deutsches Zentrum für Kindergesundheit entwickelt und die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in den Praxen und Kinderkliniken verbessert wird. Außerdem ist es ihm aber auch ein Anliegen, die Situation von Kinderärztinnen in der deren täglicher Arbeit zu verbessern.

Die neue Aufgabe in Berlin ist eine Halbtags-Tätigkeit. Karl-Josef Eßer bleibt in Düren wohnen und verbringt zwei, drei Tage in der Woche in Berlin. Die Geschicke der Birkesdorfer Kinderklinik führt demnächst Dr. Frank Wegner alleine weiter. Er hatte in den vergangenen Jahren die Klinik gemeinsam mit Eßer geführt.
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